Staßfurt l „Glücksspiel gab‘s schon immer“, zeigt der Ausgrabungsleiter schmunzelnd einen Würfel aus Knochen. Daneben liegt ein Knochenkamm, zusammengehalten von Bronzenieten. Thomas Kubenz und seine Helfer haben kein Bernsteinzimmer gefunden und auch keine Himmelsscheibe. Dennoch sei auch so eine Ausgrabung wie diese hier immer etwas besonderes für ihn, unterstreicht der Archäologe.

„Es ist immer eine Frage der Betrachtung. Wenn wir hier ein römisches Bad gefunden hätten, würde das auch nicht überbaut werden“, meint Thomas Kubenz zur Frage, wie die Ausgrabungs-Ergebnisse vom Stadtsee einzuordnen sind.

Auf jeden Fall habe man mehr gefunden, als erwartet. Siedlungsspuren vom frühen bis zum Spätmittelalter.

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Neu: 1200 Jahre alte Spuren südlich des Bode-

Was bislang noch nicht bekannt war: Mit der Ausgrabung am Stadtsee haben sich Spuren ergeben, die auf eine Besiedlung auch des südlichen Bode-Ufers schließen lassen. Das war bislang nur nördlich des Flusses nachgewiesen. Staßfurt wurde immerhin im Jahre 806 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Keramikscherbe slawischen Ursprungs mit Wellenband-Verzierung kann nun sogar in das 8. Jahrhundert eingeordnet werden.

In die Zeit des Mittelalters versetzt fühlt sich der Betrachter einiger anderer Keramikscherben. Sie liegen in einem freigelegten Brunnen aus dem späten Mittelalter. Man könne sich vorstellen, dass da ein Krug beim Wasserschöpfen hineingefallen und zu Bruch gegangen und ist, hilft Thomas Kubenz der Fantasie auf die Sprünge. Diese Keramik stamme aus dem 15. Jahrhundert, stellt er fest. Genauer werden die interessantesten Funde nun im Landesamt für Archäologie untersucht. Immerhin erbrachte die Ausgrabung am Staßfurter Stadtsee mehrere Tausend Funde, wobei jeder Knochen und jede Scherbe als ein Fund zählt.

Übrigens gab die gesamte Fläche etwas her, die erstmal von etwa zwei Meter Bauschutt befreit werden musste. Sowohl Spuren einer dörflichen Ansiedlung als auch Fundamente, die mittelalterlichen Stadtcharakter trugen, wurden sichtbar gemacht, fotografiert, katalogisiert. Um welche Gebäude es sich konkret handelte, die vor etwa 500 Jahren hier standen, das war nicht auszumachen. Vielleicht helfen da noch eventuelle Hinweise in Archiven.

Es sei eine „schöne Grabungsstelle“ gewesen, blickt der Archäologe auf die sechs Wochen in Staßfurt zurück, wo die Grabungen übrigens zwei Wochen länger dauerten, als geplant. Dieser zusätzliche Zeitraum halte sich in Grenzen, während Archäologen natürlich immer gern mehr Zeit hätten. Aber es gab auch keinen Ärger mit Grabräubern oder Sondengängern, „die meist nichts finden, aber alles kaputt machen“. Ebenso sei die Zusammenarbeit mit der Stadt und der Baufirma gut gelaufen, sagt Thomas Kubenz.

Ob die Staßfurter irgendwann mal die Chance hätten, vielleicht in einer Sonderausstellung im Stadt- und Bergbaumuseum ein Auge auf die Fundstücke aus der Zeit ihrer Ahnen zu werfen? Dazu müsste sich die Stadt mit dem Landesamt für Archäologie in Halle in Verbindung setzen, wenn sie es denn wolle.