Borne/Staßfurt/Magdeburg l Es war ein ganz gewöhnlicher Tag im Jahr 2012 in ihrem Atelier „Luminiah Ideenreich“ in Magdeburg-Buckau, als einer der netten Nachbarn ganz aufgeregt auf die Künstlerin Janette Zieger zukam. „Hilde ist da“, rief ihr der frisch gebackene Vater zu. Im nächsten Moment hastete er schon wieder los, wollte schnell zu Frau und Kind.

Der erste Stern

„Dann habe ich mich in mein Atelier gesetzt und habe einen Stern aus Glas anfertigt. Drum herum habe ich aus Draht das Wort ‚Hilde‘ geknüpft“, erzählt Janette Zieger in der Kreativwerkstatt in Staßfurt, wo sie heute zum Großteil arbeitet.

Die Allround-Künstlerin, Baujahr 1962, stammt aus Borne, wo sie bis heute wohnt und sie auch noch eine kleine Werkstatt hat, neben dem Atelier in Magdeburg.

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„Dann habe ich dem Vater einen Zettel ans Auto gesteckt, auf dem stand, dass Hildes Geschenk in meinem Schaufenster hängt.“ Für sie war Hilde der Beginn einer ganz besonders schönen Idee.

Denn dann waren die „Babysternschnuppen“ geboren. Mit dem Stern aus Glas und dem geflochtenen Namen aus Draht sah das Kunstwerk aus wie eine Sternschnuppe, die gerade am Himmel vorbeifliegt. Diese Erfindung kann die Glaskünstlerin als ihre eigene verbuchen. „Die Babysterne sind sozusagen mein Baby“ erzählt sie und lächelt.

Vor ihr auf dem Tisch in der Staßfurter Kreativwerkstatt hat sie vier Babysterne ausgebreitet, um zu zeigen, wie sie aussehen. Ganz verträumt und mit dem Kopf zur Seite gelehnt, spricht sie über die süßen Kunstwerke, die sie bis heute selbst begeistern.

"Wie eine zweite Hebamme"

Denn durch die Babysternen, die Eltern, Verwandte oder Arbeitskollegen bei ihr in Auftrag geben, nimmt sie jedes Mal am schönsten Moment im Leben der Familien teil. „Manchmal fühle ich mich wie zweite Hebamme“, sagt die zweifache Mutter und schmunzelt. „Man ist ganz nah dran an der Geburt des Babys und die Eltern sind einfach so happy in dem Moment.“

Nach Hilde hat sie begonnen, die Babysternschnuppen, die heute gleich nach den Kunstworkshops ihr Hauptgeschäft sind, in ihrem Atelier und im Internet anzubieten. Eine eigene Webseite und eigene Flyer sind entstanden. Bei Kunstbörsen, Messen und Veranstaltungen, wo Janette Zieger ihre Glaskunst präsentiert, macht sie nun seit sechs Jahren auf die netten Geschenke zur Geburt aufmerksam. Das stößt beim Publikum auf Begeisterung, denn die kleinen Sternchen sind mit den Angaben zur Geburt und dem Namen des Kindes immer ein Unikat.

Die Sternschnuppen mit der Gesamtgröße eines A4-Blattes kosten 30 Euro pro Stück. „Viele Eltern und Großeltern sagen mir, dass sie die üblichen Glückwunschkarten und Windeltorten langweilig finden.“ Bei den Farben können die Eltern zwischen weiß, rosa, rot, gelb, grün, blau, türkis und grau auswählen. Zwei, drei Glasperlen kommen noch an die Aufhängung dran.

"Zielgruppe muss erst geboren werden"

Die meisten Menschen, die ihre Visitenkarte irgendwann einmal eingesteckt haben, melden sich erst Jahre später. „Die Zielgruppe für mein Produkt muss natürlich erstmal geboren werden, das kann Jahre dauern“, lacht Janette Zieger. Es sei eben kein Produkt, das man mal einfach kaufen und einstecken kann.

Viele Eltern melden ihren Wunsch nach einem eigenen Babystern, den sie meistens ans Kinderbettchen oder an die Decke hängen, eine Weile vor der Geburt an. Ist es dann soweit, sagen viele schon Bescheid, wenn es ins Krankenhaus geht. Dann legt die Künstlerin manchmal schon provisorisch einen Stern in den Ofen. Und nach der Geburt gehört sie zu den ersten, die über das frohe Ereignis informiert werden.

Denn Janette Zieger hat es sich selbst auferlegt, den Stern noch am Tag der Geburt zu fertigen, oder, wenn das Kind in der Nacht kommt, maximal 24 Stunden danach. Nach zwei Tagen in etwa übergibt sie das Kunstwerk samt Urkunde und Geschenkkarton schon an die Glücklichen. Aber es gibt auch Familien, die später bestellen, was der schönen Geste auch keinen Abbruch tut.

Durch ihre eigene Vorgabe ist die Künstlerin aber sozusagen 356 Tage im Jahr in „Rufbereitschaft“. „Ich habe schon einiges erlebt. Eine Mutti rief mich noch aus dem Kreißsaal an und den Kleinen habe ich im Hintergrund schreien gehört.“ Viele Eltern schicken von der Mutter und dem Neugeborenen gleich Fotos per E-Mail und Whatsapp. „Ich finde es auch immer sehr schön, wenn die Eltern mit ihren Babys in mein Atelier kommen und sich das Kind seinen Stern sozusagen selbst abholt. Dann sehe ich diese winzig kleinen Wesen auch mal persönlich.“

Sterne für Geschwister

„Irgendwann haben dann die Omas gefragt, ob man zur Geburt nicht auch etwas für die größeren Geschwister haben könnte, weil sie in dem Moment doch irgendwie im Hintergrund stehen.“ So kamen 2013 auch diese Kinder ins Spiel und können seitdem Sterne mit der Aufschrift „große Schwester seit ...“ oder „großer Bruderstern“ bekommen. „Das ist eine Art Beförderung, da sie dann ja Verantwortung als große Geschwister übernehmen, sozusagen der Ritterschlag.“ Auch Hilde hat mittlerweile schon einen „große Schwesterstern“.

Bei Zwillingen bekommt jedes Kind seinen eigenen Stern und Namen, die Aufhängung führt beide zusammen, kann aber später wieder gelöst werden, wenn sich die Lebenswege der erwachsenen Kinder trennen und jeder seinen eigene Sternschnuppe mitnehmen möchte. Auch „Mamasterne“ werden mittlerweile als kleine Kettenanhänger zusammen im Ofen mit dem Babystern geschmolzen und für Taufen und Geburtstagskinder gibt es die Unikate auch schon.

„Wichtig ist mir nur immer, dass das absolut kein Spielzeug für die Kinder selbst ist“, betont Janette Zieger. „Das ist hochgefährlich mit dem Glas, das kaputtgehen kann.“

316 Babysternschnuppen hat die Künstlerin in nun sechs Jahren angefertigt. „In den USA und in England hängen Zwillingssterne“, erzählt sie. Über Bekannte von Menschen aus der Region, die den Tipp an ihre ausgewanderten Freunde weitergeben, zieren die Erinnerungsstücke heute auch Babybettchen in Polen, Ungarn, Schweden, Australien, Brasilien, Österreich und Frankreich.

Janette Zieger ist Schmuck- und Textildesignerin, Tischlerin, Glaskünstlerin, Fotografin und Leiterin von Kreativkursen. Ihr Atelier in Magdeburg besteht seit 2010. https://www.luminiah.de