Neundorf l Nicht nur dass etliche Autofahrer trotz Baustelle munter weiter durch die Rathmannsdorfer Straße fahren, lässt manche Passanten staunen. Auch dass zu Anfang des Jahres auf einmal die großen Bäume der Allee gefällt waren, sorgt für Verwunderung im Ort Neundorf.

Allerdings waren die gefällten 82 Bäume nicht gesund. Das hat die Untere Naturschutzbehörde des Salzlandkreises festgestellt. Denn auch diese Behörde ist involviert bei dem grundhaften Straßenausbau, der seit August 2018 und noch bis 1. April läuft.

Risse und Pilze

Die Bäume waren bereits vorgeschädigt, teilt die Naturschutzbehörde auf Nachfrage der Volksstimme mit. Ihre Wurzeln schlugen große Beulen in den Fußweg, ab und an klagten Einwohner über den Gehweg, auf dem man schlecht laufen konnte.

Die Bäume waren „unterschiedlich stark“ gezeichnet von „einfaulenden Rissbildungen am Stamm, teils hohlen Stämmen, Pilzbefall und einseitiger Kronenlastverteilung“, lässt die Kreissprecherin Marianne Bothe im Auftrag der Naturschutzbehörde mitteilen. Da bei der Straßensanierung bei Tiefbauarbeiten stark in den Grund und Boden eingegriffen werden muss, sei es sogar absehbar gewesen, dass die Bäume dies nicht überleben würden. Die Vorschädigungen und die baubedingten Wurzelschädigungen hätten zum „Ausfall der Gehölze“ geführt. Aus diesem Grund entschied man sich von Behördenseite für die Fällungen.

Da es sich bei den Baumreihen in der Rathmannsdorfer Straße um eine Allee handelt, fällt diese unter das Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt und ist gesetzlich geschützt. Schon bei den vorbereitenden Planungen zum Straßenausbau in Neundorf sollte die Naturschutzbehörde darüber entscheiden, ob eine Genehmigung oder Versagung der Baumfällungen in Frage käme.

Interessen abwägen

Dabei musste die Behörde, wie bei jeder anderen Großbaumaßnahme auch, abwägen zwischen den Grundsätzen des Naturschutzes und den öffentlichen und privaten Interessen wie der Verkehrssicherungspflicht, möglichen Schäden an der neuen Straße durch das Wurzelwerk und anderem. „Schlussendlich wurde durch die untere Naturschutzbehörde eine Befreiung vom Alleenschutz erteilt und die Wiederherstellung der Allee nach Beendigung der Straßenbauarbeiten beauflagt“, so Kreissprecherin Marianne Bothe.

Aber für jeden gefällten Baum schreibt das Gesetz vor, Ersatz zu pflanzen. Diese sogenannte „Ausgleichsmaßnahme“ muss in Neundorf die Stadt Staßfurt umsetzen, da sie als Bauherr die Gehwege an der Straße saniert. Die Forderung: Die Stadt muss 89 neue für die gefällten 82 Baume pflanzen.

Ersatz pflanzen

Diese sollen, angepasst an die neue Straßenführung, wieder entlang der Rathmannsdorfer Straße angepflanzt werden.

„Demzufolge führen die Baumaßnahme und die damit einhergehenden Baumfällungen zwar zu einem Alleenumbau, langfristig jedoch zum Erhalt der Allee, weshalb auch eine Befreiung für die Baumfällungen erteilt werden konnte“, resümiert die Naturschutz-behörde. Die Allee wird also „verjüngt“.