Güsten l Ernüchternd fällt die Resonanz auf den Aufruf aus, den die Freunde des Güstener Bahnhofs gestartet hatten. Seit Montagnachmittag sind Steffi und Tim Allgaier und ihre drei Mitstreiter aus dem baden-württembergischen Kornwestheim vor Ort, um die Sicherung des ehemaligen Empfangsgebäudes in Angriff zu nehmen.

„Die Tür zum Seiteneingang wird immer wieder aufgebrochen“, erklärt Tim, was am Wichtigsten wäre zu sichern. „Vandalismus ist ein großes Problem, gerade an den Wochenenden“, ergänzt seine Mutter Steffi. Der Aufgang zum Wohnbereich über dem Empfangsgebäude werde von den Eindringlingen gern als Toilette benutzt.

Dank der Feuerwehr sei es zu keinen größeren Schäden gekommen, denn gebrannt habe es desöfteren auch schon. „Zu holen ist hier drin übrigens nichts mehr“, so Steffi Allgaier.

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Denkmalschützer sagt ab

„Gestern Nachmittag waren zwei Helfer da. Ein weiterer hat sich erkundigt, was wir machen wollen“, kommt Tim auf die geplanten Arbeiteinsätze zurück, „Etwas mehr Helfer wären schon wünschenswert.“ Am Dienstag hatte auch noch ein Denkmalschützer vom Landkreis kurzfristig seinen Termin abgesagt. Der wollte sich den Bahnhof mal anschauen und man wollte einiges absprechen. Der Bus sei aber nicht gefahren...

Der 15-Jährige wirkt etwas ratlos. Doch von Aufgabe keine Spur, „Vielleicht kommen ja heute Nachmittag noch ein paar Leute und am Donnerstag, wenn sie frei haben.“ Vorgenommen haben sich die Bahnhofsfreunde, bis Sonnabend soll jeden Tag, ab 9 Uhr, aufgeräumt und repariert werden.

Große Portion Optimismus

Die Dachrinne ist auch kaputt. Warum opfert der Schüler seine Herbstferien? „Weil er Eisenbahn-Enthusiast ist und ein Faible für solche wunderbaren Gebäude hat“, erklärt Robert Podzuweit, ein Freund der Familie, „eine große Portion Optimismus gehört natürlich auch dazu und das Gespür für das Potenzial, welches in solch einem Gebäude steckt.“ Aus dem „toten Gebäude“ solle wieder ein „lebendiger Ort“ werden. Über ihre Vorstellungen mit Veranstaltungsraum, Kino, Lokal, kleinen Läden und Wohnungen hatte „Salzland-Kurier“ bereits berichtet. Auch über die große Resonanz am Tag des offenen Denkmals mit 150 Besuchern.

Als Beispiele, wo von der Deutschen Bahn abgestoßene Bahnhofsgebäude wiederbelebt wurden, nennt Tim den in Bernburg, „Auch in Roßwein zwischen Döbeln und Meißen hat sich jemand gefunden, der den Bahnhof ersteigert und als erstes eine Wohnung eingerichtet hat.“

Das wäre der nächste Schritt für den Güstener Bahnhof.

Dach ist nicht dicht

Ach ja, das Dach im hinteren Bereich des Gebäudes müsste möglichst auch noch dicht gemacht werden bis zum Winter.

Zumindest habe man schon die denkmalrechtlichen Genehmigungen eingeholt, sieht Robert Podzuweit einen wichtigen Schritt gemacht. „Man will ja wissen, was geht und was nicht. Damit man es nicht nocheinmal machen darf.“

Die erste Wohnung – würde sich jemand finden – würde man sogar kostenlos vermieten, meint Tim. Strom und Wasser würden jedenfalls noch anliegen in dem Objekt, müssten natürlich wieder angeschlossen werden.

Steffi Allgaier will evenutellen Vorurteilen vorbauen: „Ja, ich habe den Bahnhof ersteigert. Ich würde ihn auch einem Förderverein überlassen. Alle Mitglieder wären dann gleichberechtigt.“ Ihr Junge könnte sich auch eine Genossenschaft vorstellen oder eine gemeinnützige Gesellschaft. „Aber ein Verein wäre wohl erstmal das einfachste.“

Der soll nun heute Abend gegründet werden. 17 Uhr will man sich dazu am Eingang des ehemaligen Empfangsgebäudes treffen und entscheiden, in welchem Lokal man über die Gründung sprechen will. Eingeladen sind alle Unterstützer, auch Vertreter der Stadt, die die Wiederbelebung des Güstener Bahnhofs ja auch am Herzen liegen müsste.