Staßfurt/Egeln l Der örtliche Betriebsleiter der Ascherslebener Verkehrsgesellschaft, Pero Schmidt, begrüßte die Gäste an Bord des „Egelner-Mulde-Express“. So heißt der vor zwei Jahren von Egelns Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE) getaufte Triebwagen, der bis zum 16. September 2018 zum Einsatz kommen wird.

„Wir fahren die ganze Woche und führen dabei eine Erhebung durch, bei der die Fahrgäste gefragt werden, was sie davon halten, dass auf dieser Strecke wieder Züge fahren“, sagte Schmidt. Die Auswertung soll dann der Politik und der Nahverkehrs Service GmbH übergeben werden. Wie Schmidt sagte, habe er am ersten Tag auch Schüler auf ihrem Weg nach Staßfurt begrüßen können, die die neue Verbindung als Alternative genutzt hätten. Sie hätten sich erfreut darüber geäußert, dass sie nicht mit dem „blöden Bus“ fahren müssen.

Fahrt dauert 45 Minuten

Die Testphase sei für die Ascherslebener Verkehrsgesellschaft, die eng mit dem Verein Nebenbahn Staßfurt-Egeln kooperiert, nicht ohne wirtschaftliches Risiko, sagte Schmidt, unter Hinweis darauf, dass das Zugpersonal sämtliche Vergünstigungen der Bahn anerkenne.

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Schmidt: „Die Bahnstrecke ist in Ordnung gebracht worden. Hier sind Geschwindigkeiten bis zu 50 Stundenkilometer drin.“ Es wäre möglich, noch schneller zu fahren. Aber es gebe nun mal Regularien. Derzeit dauert die Fahrt von Egeln nach Staßfurt rund 45 Minuten. Schuld daran sind auch die Bahnübergänge. In Hecklingen zum Beispiel ist die Schrankenanlage auf der Staßfurter Straße reparaturbedürftig. Aus diesem Grund musste Schmidt den Triebwagen kurz vorher verlassen und dort eine manuelle Absperrung vornehmen bis der Zug diese Stelle passiert hatte. Das gleiche erfolgte auf der Neundorfer Straße in Staßfurt am ehemaligen Apparatebau.

Ländliche Idylle

Auf der Strecke gab es für die Fahrgäste eine Menge zu sehen, was man sonst nicht sieht. Damit sind nicht nur die heruntergekommenen Bahnhofsgebäude und deren Nebenanlagen sowie die Ruinen gemeint, sondern auch die ländliche Idylle mit Rehen bei Egeln, Pferden, einem Esel und Gänsen in Schneidlingen sowie die bedeutendste Binnenland-Salzstelle Mitteleuropas bei Hecklingen. Von der Grundschule Groß Börnecke grüßten die Mädchen und Jungen herüber. So oft wie gestern haben sie dort noch nie einen Zug gesehen.

„Das ist heute etwas Besonders“, sagte der Egelner Bürgermeister. Er dankte den Akteuren für ihren Versuch, die Jahre lang größtenteils ungenutzte Bahnlinie zu revitalisieren. „Die Verbindung von Egeln nach Staßfurt hat Tradition. Es ist lobenswert, diese Strecke wieder aufzubauen. Die Stadt Egeln ist stolz darauf, dass sie das machen“, sagte Luckner, der dem Vorhaben viel Erfolg wünschte. Sein Hecklinger Amtskollege Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen) sagte: „Die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zu probieren, finde ich gut. Wenn er darüber hinaus weiter geführt werden kann, wäre das positiv. Dieses Angebot muss jedoch von den Einwohnern genutzt werden, denn es muss wirtschaftliche funktionieren.“

Positive Resonanz

Positiv äußerte sich auch Groß Börneckes Ortsbürgermeisterin Ethel-Maria Muschalle-Höllbach (Wählergemeinschaft Hecklingen), die auf Einladung des Unternehmens eine Fahrt nach Staßfurt und zurück mitmachte. „Ich würde es begrüßen, wenn die Verbindung bestehen bleibt, denn es gibt viele Leute, die nicht mehr mit dem Auto fahren können. Sie wäre auch eine gute Alternative für die Schülerbeförderung. Die Gymnasiasten könnten ihre Fahrräder in den Zug mitnehmen oder von einem Bus am Bahnhof in Staßfurt abgeholt und zum Gymnasium gebracht werden.“ Entsetzt zeigte sich Muschalle-Höllbach darüber wie sehr die Deutsche Bahn AG ihre ehemaligen Gebäude und das gesamte Umfeld verkommen lassen hat. „Wenn das ein Privater machen würde, würde es Ärger geben“, sagte sie.

Tilo Wechselberger, der Leiter des Fachdienstes Kreis- und Wirtschaftsentwicklung sowie Tourismus des Salzlandkreises sagte: „Wir unterstützen es, dass der Probebetrieb durchgeführt wird. Das ist sehr mutig. Er ist es wert, um die Strecke zu beleben und die Qualität zu verbessern, weil in der Egelner Mulde die Verbindung in Richtung Staßfurt immer in der Kritik steht. Da schadet Konkurrenz grundsätzlich erst einmal nicht. Wir müssen schauen, ob es erfolgreich sein wird. Ich bin sehr gespannt, was die Woche bringt.“

An Bord war auch der Landtagsabgeordnete Daniel Rausch (AfD). Er begrüßte den Testbetrieb ebenfalls.