Staßfurt l „Wie jetzt? Deswegen soll sich die Sache um ein ganzes Jahr verschieben?“ Stadtrat Klaus Stops (CDU) schaut fragend durch seine Brillengläser in Richtung Podium, wo Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) sitzt.

Dieser hatte gerade im Stadtrat von Taubenkot berichtet. Denn auch so ein Thema kann hartnäckig sein und Projekte um Monate nach hinten werfen. Die Rede ist von der Uhlandschule in Staßfurt. Seit Sommer 2018 wird das Haus energetisch saniert und umgebaut. „Es wurde eine erhebliche Menge Taubenkot in der Decke über der künftigen Aula gefunden“, berichtet der Oberbürgermeister im Stadtrat. Auch wenn sich das sicher niemand bildlich vorstellen will, geht erst einmal ein Feixen durch den Stadtrat.

Für Taubenkot braucht es Leute vom Fach

Wagner gibt seinen Räten jedes Mal im Stadtrat einen Überblick über die vielen Baustellen der Stadt. Die Abbrucharbeiten in der Uhlandschule sind zwar größtenteils fertig, aber der Taubenkot zieht nun einen ganzen Rattenschwanz und Verzögerungen nach sich.

Denn die Stadt muss diesen natürlich entfernen lassen, bevor die Sanierung der Schule weitergehen kann. Aber so einfach geht das nicht. Die Verwaltung muss alle Arbeiten ausschreiben, denn bei Aufträgen für die öffentliche Hand muss jede Firma das Recht haben, zugreifen zu können. Da darf der Taubenkot nicht einfach mal von der Decke abgekratzt werden, sondern es sind „erhebliche Schutzmaßnahmen“ dazu erforderlich, berichtet der Oberbürgermeister.

Als die Stadt die Aufgabe mit dem Taubenkot nun ausschrieb, waren die Angebote der Firmen nun auch wieder „Mist“. Finanziell gesehen nämlich richtig überteuert. Also musste die Stadt die Leistung der Entsorgung zum zweiten Mal ausschreiben und nun auf Angebote hoffen, die man mit gutem Gewissen noch bezahlen kann.

Der Aufwand für den Taubenkot führe unter anderem dazu, dass die Arbeiten erst im Sommer 2021 fertig sein sollen, erklärt der Oberbürgermeister. Aber natürlich ist das nicht der einzige Grund, warum sich der Umbau der Uhlandschule verzögert. Das bestätigte Sven Wagner auch Klaus Stops und will ihm demnächst eine detaillierte Auflistung zukommen lassen, was noch alles zu Verschiebungen führt.

Denn eigentlich sollten die Schulkinder schon im Sommer 2020 wieder in die Uhlandschule einziehen können. Verzögerungen waren auch in der Vergangenheit schon entstanden.

Die Turnhalle der Uhlandschule, die eigentlich abrissreif ist, aber saniert wird, weil es dafür Förderungen gibt, soll Anfang 2021 fertig werden. Der „Blechbüchse“ liegt mit der Bauzeit 2019 bis 2021 im Gegensatz zur Schule im geplanten Zeitrahmen.

Insolvenz und Frost machen Probleme

Aber auch auf den anderen Baustellen der Stadt gibt es Verzögerungen. Bei der Neundorfer Kita „Pusteblume“, die seit Februar 2018 umgebaut wird und schon in diesem Sommer bezogen werden sollte, bangt man nun wegen des bevorstehenden Winters. Frost könnte die Arbeiten an den Außenanlagen verzögern. „So wird nun mit der Inbetriebnahme der Einrichtung Anfang des zweiten Quartal 2020 gerechnet“, so Wagner. Die Arbeiten an der Außenfassade wurden neu ausgeschrieben, weil die beauftragte Firma Insolvenz anmelden musste.

Auch die Kinder, Eltern und Erzieher der Kita „Bergmännchen“ in Staßfurt warten schon eine Weile. Dort „sollte das Bauvorhaben im Januar 2019 beginnen und im März 2020 beendet sein“, berichtet Wagner. Hier musste für die Kinder aber erstmal eine Übergangslösung geschaffen werden. Hortkinder des „Bergmännchens“ und einer anderen Staßfurter Kita sollen im Hort der Goethe-Grundschule betreut werden. Aber dort musste erstmal eine zweite Fluchttreppe angebaut werden, bevor man der Stadt ihre „Umzugspläne“ genehmigte. Und bevor die Hortkinder der anderen Kita „Sandmännchen“ nicht raus waren, war dort eben auch kein Platz für die Kindergartenkinder aus dem „Bergmännchen“. Jetzt hat man die „Kinder-Logistk“ aber endlich hinbekommen.

Den Bauantrag für das „Bergmännchen“ hat die Stadt nun eingereicht und erste Ausschreibungen veröffentlicht.

Planungen für Nord werden günstiger

Beim Schulzentrum „Nord“, wo Grundschule „Nord“, Sekundarschule „Hermann Kasten“ und das Nebengebäude auf dem Schulhof saniert werden sollen, verzögert sich der Baustart wegen einer Planänderung. Eigentlich sollten Stadt Staßfurt und Salzlandkreis mit dem Gemeinschaftsprojekt schon im Frühjahr 2020 beginnen, nun soll der Großteil der Bauarbeiten erst in den Sommerferien stattfinden.

Für „Nord“ haben die Bauherren ihre Planungen für Fassade und Fenster nochmal geändert, damit die Arbeiten billiger werden. Weil die Bauarbeiter nur nach Schulschluss ins Gebäude dürfen, wird die Maßnahme auch länger dauern. Am Bauende 2021 hält der Oberbürgermeister aber fest.

Für die Betreuung ihrer Baustellen an den Schulen und Kitas verpflichtet die Stadt jetzt die Beratungsgesellschaft des Landes (Saleg) für 400.000 Euro. Die Experten springen für die umfangreiche Baustellenplanung und Organisation der Projekte ein.