Neundorf l Beim Tischtennis muss man am Ball bleiben und darf nicht aufgeben. Es braucht Energie und Durchhaltevermögen. Aber ein Tischtennisspiel ist zeitlich begrenzt und danach kann man aufatmen.

Die Suche des begeisterten Tischtennisspielers Sebastian Busche nach einem Grundstück zum Bauen aber dauerte zwei Jahre und schien kein Ende zu nehmen. Vom Baustart bis zum Einzug können nochmal zwei Jahre vergehen. Auch wenn der Neundorfer ein Wohnhaus im Ort geerbt hat, erträumen sich seine Partnerin Diana Kriebel und er ein neues freistehendes Haus für sich und die Kinder. Das jetzige Gebäude würden sie dann vermieten.

Grundstück gesucht

Zum Suchen hätte der 39-Jährige also theoretisch Zeit. Aber irgendwann will man auch mal da angekommen, wo man alt wird. „Am Anfang sind wir bewusst durchs Dorf gegangen und haben nach freien Grundstücken geschaut“, erinnert sich Sebastian Busche. „Man geht mit Motivation heran. Es muss doch Potenzial geben, denkt man sich“, erzählt der Geschäftsführer einer Baufirma, der zusätzlich zwei weitere Firmen hat.

Dass es solange dauern würde bis überhaupt Land in Sicht ist, hätte er damals nicht gedacht. Immer wieder hatte er zu freien Grundstücken in Neundorf bei der Stadt nachgefragt. „Es kamen immer Absagen, dass es aus bestimmten Gründen nicht geht“, erklärt Sebastian Busche. Hintergrund ist, dass nirgendwo in Neundorf Bauland ausgewiesen ist, wo man sofort loslegen könnte. Die Stadt muss ihren alten Flächennutzungsplan dafür anpassen – ein Riesenprojekt über Jahre, das heute erst am Anfang steht.

Für den Laien sei es dann erst einmal nur zum Kopfschütteln, warum man nicht einfach ein Grundstück erwerben und bebauen kann, meint Sebastian Busche. Aber: „Ich kann die Verwaltung da ganz klar verstehen. Sie haben ihre Richtlinien, die sie nicht umgehen können. Die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung hatten auch immer ein offenes Ohr für uns und haben sich Mühe gegeben. Nur sind sie an ihre Grenzen gestoßen.“

Zermürbende Rückschläge

Es war zermürbend. „Wir waren teilweise am Verzweifeln“, sagt Sebastian Busche. Heute weiß er, was es für ein Akt ist, in der Region an ein Grundstück zu kommen: „Man muss sich dahinterklemmen, Zeit und Energie investieren und den einen oder anderen Nackenschlag einstecken.“ Er musste lernen, dass der Traum vom Eigenheim eine langwierige Sache ist.

Sebastian Busche ist nicht der einzige, der in Neundorf ein Plätzchen für einen Neubau sucht. „Der Bedarf ist enorm, wie ich in vielen Gesprächen mitbekommen habe.“ Andere Suchende hatten nicht so eine Ausdauer und gingen weg.

Wegziehen als Alternative

„Bei mir kam irgendwann auch die Frage auf, ob ich in Neundorf baue oder lieber in Braunschweig“, erzählt er. Dort sitzt die Baufirma, bei der er Geschäftsführer ist und wohin er pendelt. Schnell merke man dann auch, was fehlendes Bauland für Einwohnerzahlen, Wirtschaft, Arbeitsplätze und Vereinsleben in einer Region bedeutet.

Doch den einfachen Weg wollte Familie Busche/Kriebel dann doch nicht. „Wir wollten unbedingt hier in der Heimat in Neundorf bleiben. Das war eine Herzensentscheidung.“

Baulücken gesichtet

Auch das Baulückenkataster für Neundorf hat er in der Stadtverwaltung vorgelegt bekommen. Dort listet die Stadt freie Grundstücke auf und vermittelt an Verkäufer. Dieses Angebot lobt Sebastian Busche ebenfalls als guten Anfang und Zwischenlösung für Leute, die sich ein Wohnhaus inmitten älterer Bebauung vorstellen können. „Mir persönlich hat es aber kaum geholfen. Als Neundorfer kennt man die Grundstücke und weiß von einigen genau, dass sie sowieso nie verkaufen würden.“

Vielleicht wären solche Baulücken in der Stadt eher für gewerbliche Investoren geeignet, meint er. Die Neundorfer Familie hat nämlich einen ganz konkreten Traum vom eigenen Haus: Freistehend, mit viel Platz im Garten und Blick ins Grüne. Selbst einen Grundriss hat Sebastian Busche in einer kreativen Stunde schon am Computer entworfen.

Stadtrat besucht

Irgendwann besuchte Sebastian Busche auch Sitzungen des Ortschaftsrats und des Bauausschusses des Stadtrats. Er fragte als Bürger in der Einwohnerfragestunde, ob man Bauwillige mehr unterstützen könne. „Dort bin ich offene Türen eingerannt. Die Stadträte haben verstanden, dass man dringend etwas tun muss.“

Sowohl Ortschaftsrat als auch Stadtrat haben ihm versprochen, dass es mit dem Thema in Staßfurt konkret vorwärts gehen wird. „Heute habe ich den Eindruck, dass das Problem mit dem fehlenden Bauland wirklich angegangen wird“, meint Sebastian Busche.

Per Zufall gefunden

Mittlerweile sieht der Neundorfer wieder Land im wahrsten Sinne des Wortes. Er hat vor kurzem per Zufall ein Grundstück gefunden, privat vermittelt. Wo genau es liegt, kann er nicht einmal verraten. Es sind weitere Mitstreiter im Boot, die tatsächlich Angst haben, dass es einen Ansturm auf die Flächen gibt und man ihnen diese vor der Nase wegkauft.

Aber auch bei diesem Grundstück ist die Sache nicht so einfach: „Als Laie kann man sich nicht vorstellen, dass man dort nicht bauen darf.“ Grund sind formale Festlegungen. Dennoch will die Stadt auch dort konkret aktiv werden und kurzfristig Bauland schaffen. Genauso sollen auch in anderen Ortsteilen einzelne Fläche ausgewiesen werden soll. Ab Mitte 2021 soll es soweit sein. „Da freuen wir uns wirklich drauf“, sagt Sebastian Busche. Anfangen könne er dann sicher erst 2022. Fertig werden wird alles wohl im Jahr 2024.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht beim Thema Bauland? Schreiben Sie an Franziska.Richter@volksstimme.de.