Förderstedt/Staßfurt l Wegen des Abrisses der Kita „Benjamin Blümchen“ in Förderstedt gibt es erneut Ärger. Als der Planer der Einrichtung, die eigentlich nur saniert und erweitert werden sollte, im Stadtrat Entwürfe für den Neubau vorstellte, setzte es Kritik. Mittlerweile war das Gebäude abgerissen worden, weil man beim Bau entdeckte, dass das Gebäude keinen Ringanker hat und nicht standsicher war.

Kritik kam von Stadträten, die in Förderstedt im Ortschaftsrat sind beziehungsweise bis vor kurzem waren. „Dann hätten wir die Kita auch gleich neu bauen können“, schimpfte Stadtrat Hans-Jürgen Lärz (CDU). Erst war ein Umbau mit Anbau geplant, jetzt doch ein Neubau. „Die Kita war 1990 saniert worden.“ Man hätte lange wissen können, wie es im Dachstuhl aussieht. „Da ist ganz schlecht ermittelt werden“, so Lärz.

Michael König, beauftragter Planer und Architekt, erklärte dazu: „Man kann die komplette Bausubstanz nicht vorher stichprobenartig ermitteln. Dabei sieht man nur Teile, während andere Teile kaputt sein können.“ Eine Kita könne nicht bei laufendem Betrieb mit Kindern komplett untersucht werden.

Eine Übersicht habe sich nur während der Entkernung ergeben. Als der Dachstuhl freigelegt wurde entdeckte man, dass das Dach nur von Holzbalken gehalten wird, ähnlich wie bei einer Scheune. „Das hatten wir nicht erwartet“, so König. „Die Bretter lagen einfach auf der Außenwand“, erläuterte er.

Stadtrat Günter Döbbel (FDP) erinnerte an Diskussionen im Ortschaftsrat Förderstedt: „Vor drei Jahren haben wir schon einen Neubau gewollt. Damals heiß es, es soll eine Sanierung sein. Das nehme ich so nicht hin.“ Es müsse in irgendwelchen Archiven Informationen über die Bauweise geben. Architekt König erklärte ihm: „Natürlich wollte man damals Geld sparen mit einer Sanierung anstelle eines Neubaus.“

Kosten steigen um 0,9 Mio. Euro

Die Stadt hatte 2017 Fördermittel über 750.600 Euro für die energetische Sanierung der Kita in Förderstedt bekommen. Mit allgemeinen Kostensteigerungen beim Bau und dem Neubau ist man von damals 1,5 Millionen Euro heute bei 2,6 Millionen Euro angekommen. Der Neubau ist, zum heutigen Zeitpunkt berechnet, 800.000 Euro teurer als Sanierung und Anbau. Stadt und Stadtrat mussten nach und nach immer mehr Geld für das Projekt freigeben. Auch bei der jüngsten Stadtratssitzung gaben die Kommunalpolitiker noch einmal ihr Okay für die 800.000 Euro Mehrkosten.

Günter Döbbel kritisierte auch die Pläne für den Neubau an sich: „Der neue Entwurf gefällt mir nicht. Es sind zu lange Wege und Flure für eine Kita.“ Dazu äußerte der Planer sich nicht weiter. Das Fazit setzte Bianca Görke (Die Linke) unter die Diskussion: „Der Neubau ist alternativlos“. Sie erinnerte daran, dass die alte Kita bereits abgerissen ist.

Grundriss bleibt gleich

Der Planer hatte den Stadträten einen Grundriss für den Neubau ähnlich wie bei der alten Kita präsentiert. Eine U-Form, die auf dem Kopf steht. Auf einer Seite die Krippe, auf der anderen die Kita untergebracht. Die Linden auf dem Hof bleiben stehen. Das Gebäude an sich wird breiter und rückt bis an die Grundstücksgrenze zum Friedhof heran. Als Farben hat der Architekt Braun und Grün gewählt.

Als die Bauleute die einfache Deckenkonstruktion entdeckten, habe man auch kaputte Teile unter der Wandverkleidung gefunden, berichtete der Planer. Außerdem sei zwischen Außen- und Innenwand „nichts dazwischen“ gewesen. So hätte man keine „Rettungstüren“ einbauen können. „Weder von außen noch von innen war das Gebäude tragbar. Daher haben wir uns zum Abriss entschieden.“

Die Stadt Staßfurt steckt aktuell so viel Geld wie nie in Sanierungen oder Neubauten von Kitas und Schulen, fügte Oberbürgermeister Sven Wagner hinzu (SPD). „Ganze 17 Millionen Euro investieren wir derzeit in diese Maßnahmen“, sagt er über diese und andere aktuelle Baumaßnahmen in Staßfurt und den Ortsteilen.