Staßfurt l Schon jetzt sind die Baucontainer und Bagger da. Die Firma, die schon das Rothenförder Wehr vor einigen Jahren neu gebaut hatte, hat wieder Quartier in Staßfurt bezogen.

Es geht um immerhin 1,3 Millionen Euro, die das Land hier einsetzen wird. Eine neue Fischaufstiegsanlage soll gebaut werden. Bauherr und Verantwortlicher ist der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW).

Baustraße

Zunächst geht es jetzt mit den Bauvorbereitungen. Einen ganzen Monat lang, sprich bis Ende Juni, wird es brauchen, um zunächst den Weg zur eigentlichen Baustelle zu schaffen. Denn die Fischtreppe entsteht am Südufer der Bode, das bisher nur für Radfahrer oder Spaziergänger auf einem kleinen Weg erreichbar ist. Baufahrzeuge dürfen nicht durch das Landschaftsschutzgebiet fahren.

Aus diesem Grund wird eine Baustraße direkt durch die Bode unterhalb des Wehrs vom Nordufer aus angelegt. Lange Rohre liegen schon am Ufer. Sie werden in Strömungsrichtung auf den Grund der Bode gelegt, damit das Wasser hindurchfließen kann. Über die Rohre wird eine provisorische Straße geführt, mit der die Baufahrzeuge die eigentliche Baustelle erreichen.

Die Fischaufstiegsanlage am Südufer wird im Bogen um das Wehr gebaut. Das alte Wehr an sich bleibt von allem unberührt, betonen die Mitarbeiter des LHW. Hier sind keine Erneuerung im Plan. Über der Fischaufstiegsanlage wird dann noch der Rad- und Gehweg ein Stück erweitert, damit die Passanten wieder den Wald, die Horst, erreichen.

Gestalt

Die Fischaufstiegsanlage an sich soll ein Spundwandkasten mit Spundbohlen bis 10 Meter Länge werden. Der Schlitzpass soll eine Gesamtlänge von 65 Meter haben. Eine Spundwand- ramme bringt die Bauteile in den Grund. Für die Größe der Passierfläche wurde der Lachs als „Bemessungsgrundlage“ genommen. Nicht dass der Lachs in der Bode vorkommt, betont das LHW, aber man müsse alle theoretisch und perspektivisch möglichen Fischarten berücksichtigen.

Voraussichtlich von Juni bis Oktober wird man an der Fischaufstiegsanlage bauen. Im November soll das Bauwerk fertig sein. Im Frühjahr folgt noch einmal eine Kontrolle durch das LHW vor Ort. Nach den Bauarbeiten müssen Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen stattfinden. Der Waldrand, der für die Anlage verschwinden musste, muss wieder hergestellt werden.

Sperrung

In der Zeit von Juli bis Oktober ist dann auch der Weg über das Wehr gesperrt. Radfahrer müssen über die Gänsefurther Straße in der Stadt fahren.

Kanufahrer können sich freuen: Bei der Baumaßnahmen werden gleichzeitig neue Umstiegsmöglichkeiten für Kanu- und Bootfahrer geschaffen. Die alte Kanuanlegestelle wird weggerissen. Oberhalb des Wehrs wird eine neue Steganlage inklusive kleiner Zuwegung gebaut. Dort können die Wasserwanderer mit ihren Booten aussteigen. Wieder einsteigen können sie dann unterhalb des Wehres, wo eine neue Freitreppe aus Stahlbeton, samt Weg, gegossen wird.

EU-Vorgabe

Der Bestand an Fischen und ihr Vorkommen werden regelmäßig untersucht, erklärt das LHW. Erst in Vorbereitung dieser Baumaßnahme war ein Gutachter wieder vor Ort. Fische wie Brasse, Barbe, Döbel, Gründling, Hasel, Plötze, Flussbarsch, Aland und viele mehr kommen in der Bode vor.

Grundlage des Vorhabens ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, die 2000 in Kraft getreten ist. Daraufhin hat das Land Sachsen-Anhalt Untersuchungen angestellt und ein Gesamtkonzept für alle größeren Flüsse aufgestellt. Durch etliche Maßnahmen soll die Situation der Gewässer im Land verbessert und ökologische Durchlässigkeit geschaffen werden, heißt es. Denn Fließgewässer bilden von Natur aus miteinander vernetzte Lebensräume. Wehranlagen und andere Hindernisse stören Fische und andere Organismen in ihrem Wanderverhalten und begrenzen ihre ursprünglichen Lebensräume.