Staßfurt l „Der Vertreter der Fachgruppe Ökologie und Faunistik hat mir aus der Seele gesprochen“, reagierte Annemarie Schuster auf einen Leserbrief im Salzland-Kurier, „fast täglich berichtet jemand von nicht nachvollziehbaren Dingen.“ Und auch die Löderburgerin hatte so einen Anlass, der in die Reihe Baum-/Strauchschnitt/Wiesenmahd passt.

In ihrem Heimatort in der Koloniestraße/Bergmannstraße seien auf einer Wiese – vor wenigen Tagen erst – riesige Linden sehr stark beschnitten, eine sogar gefällt worden. „Sicher behinderte eine davon die Stromleitung. Die anderen standen aber alle frei“, berichtet die Löderburgerin und fragt: „Wie viele Vogelnester mussten dran glauben? Die Linden blühen demnächst und hätten reichlich Bienenfutter geliefert – nun nicht mehr!“ Ihrer Meinung nach wäre der ganze Winter dafür geeignet gewesen, da der Pflegebetrieb bei wenig Schnee weniger zu tun hatte. „Warum also jetzt? In unserem Garten halten wir uns an die sicher auch sinnvollen Naturschutzgesetze. Können wir nicht etwas mehr Respekt haben, schon um unserer Enkel Willen? Wer ordnet sowas an? Beim Volksstimme-Lesen hat man den Eindruck, dass ziemlich viele konfuse Entscheidungen getroffen werden“, schreibt Annemarie Schuster und bittet den Salzland-Kurier, diese Sache aufzuklären, die übrigens auch Dirk Fiedler aus Löderburg bewegt. Der meint: „Es gibt kaum noch Vögel. Wenn man ihnen aber den Lebensraum nimmt, braucht man sich nicht zu wundern.“

„Die Fällung war unabdingbar notwendig.“

Oberbürgermeister Sven Wagner

Bilder

Zum Fall der Linden gefragt, antwortete nun der Staßfurter Oberbürgermeister Sven Wagner: „Im November hat unsere zuständige Mitarbeiterin Doris Brückner den gesamten Baumbestand auf gesagtem Dreieck begutachtet. Neben zahlreichem Totholz in den Bäumen hat sie an der betreffenden Linde einen massiven Pilzbefall festgestellt, was mit Fotos dokumentiert wurde. Der Pilzfruchtkörper war an einfaulenden Kappungsstellen und einer Höhlung in etwa 2,50 Meter Höhe deutlich zu erkennen.“ Pilzfruchtkörper an Bäumen würden immer darauf hinweisen, dass der Baum innen morsch ist. „Da Pilze das Holz sehr schnell schädigen und instabil machen, ist in besiedelten Bereichen so ein Baum als nicht mehr verkehrssicher einzustufen. Die Fällung war unabdingbar notwendig. Der Auftrag wurde noch im gleichen Monat erteilt.“

Von Baumpflegefirmen war unterdessen zu erfahren, dass nicht alle Arbeiten, die anstehen und unabwendbar sind, in nur vier Wintermonaten erledigt werden können. Dafür müsste man Verständnis haben. Hinzu kamen in den zurückliegenden Monaten unvorhersehbar viele Sturmschäden, die es zu beseitigen galt.

Es gibt in Löderburg allerdings auch den Fall, dass zu viel Grün und überhängende Bäume für Ärger sorgen. Hans-Otto Heyer wachsen die Bäume des benachbarten Parks buchstäblich über den Kopf. Sie touchieren Mauern und Dächer auf seinem Grundstück. „Der Löderburger Park war mal schön, mit Blumenbeeten und sauberen Wegen. Als 1966/67 das Schulgebäude gebaut und dafür die Abwasserleitung quer durch den Park verlegt wurde, ist alles verwüstet worden – und so geblieben.“ Daran habe sich leider auch „in unserer neuen Welt nichts geändert. Löderburg ist schon das ,6. Rad am Wagen‘“. Er habe Bienen und deshalb nichts gegen Bäume. „Aber was zu viel ist, ist zu viel.“

„Das war so nicht vereinbart beim Hallenbau.“

Hans-Otto Heyer

Außerdem hat auch Hans-Otto Heyer einen Grund zum Zweifeln, dass die Stadt immer das richtige Maß bei der Pflege von Sträuchern findet. An der gegenüberliegenden Grundstücksgrenze wurden im Eingangsbereich der Sporthalle, also auf städtischem Gebiet, Koniferen radikal so weit gekürzt, dass sie als Sichtschutz unbrauchbar geworden sind und demnächst wohl sogar absterben. „Das war so nicht vereinbart beim Hallenbau“, erinnert sich der Anlieger.

Zu diesem Fall kündigt der OB für kommende Woche einen Vorort-Termin mit der Fachdienstleiterin und Stadtpflegebetrieb an. Danach würde über weitere Maßnahmen entschieden. Auch was die Flächen und Wege im Löderburger Park betreffe.