Staßfurt l Es dauert kaum eine Minute: Wie von Geisterhand löst sich eine der langen Seitenwände in der neuen Dreifeld-Sporthalle förmlich auf. Der untere Teil schiebt sich weit in die Halle hinein, weitere folgen gestaffelt darüber. Es bedarf nur eines Knopfdruckes, dann ist die Tribüne ausgefahren. „Hier gibt es künftig 577 Plätze“, sagt Daniel Trautewig, der einen Schalterblock in der Hand hält. Verbunden mit der Steckdose, kann über ihn das Aus- und Einfahren der Sitzreihen gesteuert werden. Der Sachbearbeiter aus dem Gebäudemanagement koordiniert im Auftrag der Stadt den Neubau der Sporthalle in Staßfurt Nord. „Mit den Stehplätzen auf den Rängen ganz oben finden insgesamt bis zu 700 Zuschauer Platz.“ Wenn Sportler der Salzstadt gegen Gäste antreten, wird das Gefühl, „vor heimischer Kulisse zu spielen“, ein ganz neues sein.

Fassade gestaltet

Die mobile Tribüne ist nur ein Beispiel für die technischen Finessen und den modernen Standard der künftigen Sportstätte. Sie hatte den Bauherren aber zuletzt Kopfzerbrechen bereitet. Denn nach Ausschreibung und Vergabe für den Auftrag durch die Stadtpolitik konnte die Firma nicht rechtzeitig noch vor Jahresende liefern. Jetzt steht alles.

Rundherum ist auch viel geschafft und der große Raum verrät überdeutlich in vielen Details, welchen Nutzen er einmal haben wird. „Wir sind zu 90 Prozent fertig“, sagt Daniel Trautewig. Zu den Arbeiten auf der Zielgeraden – um den Sportjargon zu bedienen – gehört jetzt die abschließende Gestaltung der Außenanlagen. Gleichzeitig wird die Fassade der Halle gemacht. In diesen Tagen stellt eine Firma das Gerüst. „Die Stützpfeiler werden mit einem Wärmeverbundsystem gedämmt, die Flächenfelder farblich gestaltet“, erklärt der Experte vom Gebäudemanagement. Der Stadtrat hat extra einen Beschluss dazu gefasst: Rot- und unterschiedlich schattierte Grautöne machen das Bild des Gebäudes aus. Dazu der Schriftzug „Salzland-Sporthalle“, die großen Buchstaben sind bei einer Magdeburger Werbefirma bereits beauftragt, und Piktogramme mit verschiedenen Sportarten. Wenn das Wetter mitspielt, ist außen im Mai alles fertig. Neben der Tribüne war die Fassade der zweite Grund für so manche schlaflose Nacht bei den Bauherren. Denn hier sprang die Firma, wie das Rathaus im Rat berichtete, nach der Auftragsvergabe einfach ab. Ausschreibung und Vergabe mitsamt den dazu gehörenden politischen Beschlüsse musste wiederholt werden. „Das waren Dinge, mit denen man umgehen musste, auch bei der zeitlichen Planung, aber aus der Bahn geworfen hat uns das nicht“, sagt Daniel Trautewig.

Bilder

Er berichtet, dass der Bauablauf alles in allem stimmig gewesen sei und es keine gravierenden Probleme gab. Die größte Herausforderung bei so einer großen Baustelle sei, „alle Schäfchen unter einen Hut zu bringen“. „Das sind Planungsbüros, die ausführenden Firmen und der Bauherr“, so der Projektsteuerer. Sage und schreibe 50 Gewerke sind am Bau der Halle beteiligt. Einen „Masterplan“ für die gute Koordination gebe es nicht, so der städtische Mitarbeiter. „Jedes Projekt erfordert, dass man individuell agiert und reagiert.“ Immer Ansprechpartner sein und alles ernst nehmen, das sei ein gutes Rezept für die Steuerung. Nicht ohne Stolz, sagt Daniel Trautewig, könne er, seit 20 Jahren mit solchen Projekten betraut, auch auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Überwachung

Diese Weitsicht ist in diesen Tagen wichtig. Denn im Inneren der Halle fehlen nur noch die Prellschutzwände. Gleichzeitig beginnen aber jetzt die Abnahmen der technischen Anlagen. So haben externe Gutachter am Dienstag die Lüftungsanlage geprüft. Wieder so ein „Wunderwerk“. Denn die Lüftung, wie auch Heizung und Licht – die gesamte Gebäudetechnik – lassen sich aufeinander abgestimmt steuern. „Das Gebäude richtet sich nach den Nutzern und nicht umgekehrt“, sagt Daniel Trautewig. So werden Kohlenstoffmonoxidgehalt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit permanent überwacht. Die Anlage schafft einen Ausgleich, wenn die Werte nicht mehr passen. Auch die Brandschutz- und Rauchmeldeanlage ist auf dieses System aufgeschaltet. In einigen Räumen, wie im Sanitärbereich, reagiert das Licht auf Bewegungsmelder. Es kann auch zentral über die Gebäudetechnik gesteuert werden.

Das alles zusammen mit der Tribünentechnik und weiterer Lenkung wird künftig die Arbeit von zwei Hallenwarten ausmachen. Dieses Personal ist nötig. Denn die Sportstätte wird von den frühen Morgenstunden bis in den Nachmittag hinein von Schulen genutzt, danach bis in den Abend von Vereinen. Am Wochenende ist Spielbetrieb. Zum Beginn des neuen Schuljahres und der neuen Saison – im Sommer – soll die Halle eröffnet werden. Die Stadt erklärt, dass Vereine schon vorher auf‘s Parkett könnten, um sich an Feld und neue Umgebung im Training zu gewöhnen. Erst wenn die Halle aber in Betrieb genommen wird, erhält sie auch ihr bewegliches Mobiliar und die Ausstattung.

Belegung

Ein offizieller Eröffnungstermin steht allerdings noch nicht. Das Rathaus arbeitet derzeit die Belegungspläne aus und begleitet die Abnahmen. Außerdem werde jetzt gemeinsam mit dem Fachdienst für Sicherheit und Ordnung ein Wegekonzept erarbeitet. Es klärt, über welche Straßen die Besucher, die mit dem Auto kommen, künftig die Halle erreichen werden. Das soll entsprechend ausgeschildert werden, die Beschilderung für die alte Paul-Merkewitz-Halle muss runter. Die Stadt sagt, dass die Halle auch über den Nahverkehr gut erreichbar sei. Mit dem Bus könne man bis zum Busbahnhof Nord fahren und dann über den Fußweg ankommen. Auch hier wird über Hinweisschilder nachgedacht.

Zum Abschluss der Bauarbeiten steht noch die große Abnahme an, mit dem Bauherrn, dem Bauordnungsamt des Kreises, mit der Gewerbeaufsicht und den Unfallkassen. Dann muss auch Daniel Trautewig alles erklären und jede offene Frage beantworten können. Sorgt das für Nervenkitzel? „Nein, die Firmen haben ordentlich gearbeitet und es gab genügend Funktions- und Sicherheitstests.“

Bei einem Rundgang hat sich Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner jetzt gemeinsam mit dem zuständigen Fachbereichsleiter für Sport, Hans-Georg Köpper, einen Überblick über den Stand der Bauarbeiten verschafft. Er schaute sich die Halle, die Umkleideräume, Schiedsrichter- und Lehrerzimmer, Foyer und Technikräume an. „Dieses Haus wird ein Aushängeschild für Staßfurt“, sagt der Stadtchef. Es sei in seiner multifunktionalen Ausrichtung technisch auf dem neuesten Stand. „Das wird viel Ausstrahlungskraft nach innen und nach außen haben.“ Zum einen fühlten sich die Vereine motiviert, vielleicht erfahren sie auch Zuspruch neuer Mitglieder, wenn die Infrastruktur für den Sport stimme. Zum anderen werde die Halle ein Publikumsmagnet, zeigt sich der Oberbürgermeister überzeugt. „Hier wird es das Erlebnis Sport geben.“