Hohenerxleben l Bald ist Frühling. Zumindest kalendarisch. Nächste Woche Mittwoch schon sind Tag und Nacht genau gleich lang, danach ist es länger hell und bald auch wohl viel wärmer. Dann kommt auch wieder die große Zeit der Flora. Bäume, Sträucher und alle anderen Pflanzen erwachen zu neuem Leben nach dem langen Winter, werden grün, atmen. Doch gibt es dafür eigentlich überall genug Bestand? Diese Frage stellten sich auch Master-Studenten der Hochschule Anhalt.

In ihrem Studiengang „Landschaftsarchitektur und Umweltplanung“ wurden die Studenten über ihren Professor Wolfram Kircher mit der kleinen Staßfurter Ortschaft Hohenerxleben und dem Grundgedanken „Hohenerxleben blüht auf“ vertraut gemacht. Bereits 2017 bestückten Judith Doberstein und Angela Kircher eine Wiese mit 4000 Blumenzwiebeln. Das war der Aufhänger, um ein generelles Projekt anzugehen für die Begrünung von Hohenerxleben. Im Oktober 2018 hatte es einen ersten Ideenaustausch gegeben, am Dienstag nun fand im Bürgerhaus vor großer Runde eine Zwischenpräsentation der Ergebnisse statt. „Das Leitbild sollte es sein, Hohenerxleben als lebendige Insel und Rückzugsort zu sehen“, wie Wolfram Kircher sagt.

Begrünungsideen für 23 Stellen

Die Begeisterung der Hohen-erxlebener Bürger über die Ideen war groß, auch wegen der Detailfreude der Präsentation. Die Farben weiß, blau und grün, die auch im Dorfwappen auftauchen, wurden als Anlass genommen, um an 23 Stellen im Ort Vorschläge zu machen, wie diese begrünt oder bepflanzt werden können. Dabei gab es eine Qualitätsbewertung des derzeitigen Zustands (A+, A, B, C, D), sowie eine Zielerfüllung in Prozent. Dazu wurde herausgestellt, ob eine ökologische, ästhetische oder soziale Funktion im Dorf besteht.

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Für jede Stelle gibt es eine eigene Maßnahme mit Ideen. Beispiel Ecke Kreisstraße/Friedensallee. Hier gebe es einen ästhetischen Charakter, die Studenten empfehlen eine Staudenbepflanzung. Dazu würden sich Narzissen, Tulpen, Krokusse oder Hyazinthen eignen. Oder das Beispiel Pferdegasse an der Schlossmauer. Hier herrsche mediterraner Charakter. Es wurde eine Bepflanzung von Rosmarin oder Salbei empfohlen, dazu stünden Stockrosen diesem Bereich gut zu Gesicht. Ein angenehmes Gefühl soll erzeugt werden. An der alten Eiche wäre hingegen eine Staudenunterpflanzung sinnvoll, um den ästhetischen Wert zu unterstreichen. Blausternchen, Becherglocken oder das Tränende Herz würden passen. Oder wie wäre es denn mit dem chinesischen Bleiwurz? Dieser wäre für die Studenten passend, um einen einladenden Weg an der Friedensallee zum Schloss zu gewährleisten.

Nach dem Vortrag herrschte Einigkeit. „Das war große Klasse, super und wirklich einzigartig“, lobte Ingo Brüggemann, Leiter des Stadtpflegebetriebs. Das „Aber“ kam jedoch im zweiten Atemzug. „Das größte Problem ist die Umsetzung, die Kostenfrage also“, sagte er. „Wir können es nicht nur an einem Ort machen.“ „Das soll nur der Anfang sein, aber nicht das Ende“, merkte der Student Maximilian Morbach an. „Man muss kleine Schritte gehen.“

Die Nachhaltigkeit war zudem Thema in der Diskussion nach dem Referat. „Wir müssen das danach auch ansehnlich halten. Zudem haben wir auch eine Verantwortung gegenüber den anderen Orten“, gab Landwirt Marc Glowienka zu bedenken, der mit anderen Landwirten die Felder um Hohenerxleben bewirschaftet. „Die Pflege lebt und stirbt mit den Bürgern, diese müssen sich bekennen. Das kann nicht der Stadt übergeholfen werden“, sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter Marcel Heins. „Vielleicht kann man Pflege- oder Nutzungsverträge mit Vereinen abschließen.“ Auch die Gründung eines Grünflächenvereins wurde diskutiert, der die Pflege im Nachgang übernehmen könnte. „Man könnte den Arbeitseinsatz auch als Workshop deklarieren“, ergänzte Heins. „So etwas hat es in meiner Heimat gegeben. Der hat dort 25 Euro gekostet.“

Wie geht es weiter? Hier setzte Ortsbürgermeisterin Marianne Nebel (SPD) an. „Wir müssen uns im Ort einig werden“, sagte sie. „Bis nächste Woche wollen wir uns nochmal Gedanken um die Umsetzung machen.“ Die Bürger sollen ihr helfen, Zuarbeit leisten und sie anschreiben.

Kosten und Umsetzung offen

Es geht um Fragen, wo man beginnen könne, was leicht umzusetzen wäre und auch am sinnvollsten wäre. Was das alles kostet? Ist offen. Ein Kostenkonzept wurde nicht erarbeitet. Auch der Zeitraum ist offen. Sicher wird sich das über viele Jahre strecken. „Ich finde das ganz toll. Wir müssen jetzt gucken, was geht“, meinte Sylvia Fischbeck vom Grünflächenamt der Stadt Staßfurt. Die Planung hat gerade erst begonnen. Der Vortrag der Studenten war erst der Beginn des Projekts „Hohenerxleben blüht auf“.