Staßfurt l Der eine weiß mit 15 Jahren, was er will. Der andere noch nicht. Spätestens nach dem Besuch einer solchen Messe wie dem SBOT in Staßfurt dürfte es bei jedem etwas „klick“ gemacht haben bei der Suche nach der beruflichen Zukunft.

Kimberly geht in die 9. Klasse der Seeland-Schule Nachterstedt. Im nächsten Jahr steht also die Wahl für ihren beruflichen Werdegang an. Schon jetzt ist die Schülerin auf der Suche nach einem Praktikumsplatz im November. Am Stand des Güstener Astratürenwerks wird sie gebeten, doch mal einen Hammer in die Hand zu nehmen und damit einen Nagel in einen Balken zu schlagen. Es funktioniert ganz gut. Warum auch nicht? Sie könne sich durchaus vorstellen, auch was Handwerkliches zu machen, verrät die 15-Jährige. Sie habe allerdings den Rundgang auf dem SBOT erst begonnen, möchte sie den Mitarbeitern am Stand nicht allzuviel Hoffnung machen. Der Türenhersteller hätte jedenfalls nichts dagegen, Kimberly wiederzusehen. Von zehn Azubis gegenwärtig hat der Betrieb auch eine Tischlerin in spe dabei.

In Geprächen gewinnt man aber auch den Eindruck, dass durchaus ein Großteil der Besucher bereits feste Vorstellungen haben. Zwei Schüler der Sekundarschule Am Tierpark Staßfurt zum Beispiel. Justin interessiert sich für den Notfallsanitäter. „Das ist ein spannender Beruf“, so der 15-Jährige, der bereits eine Doku dazu gesehen hat im Vorfeld. Auf dem SBOT konnte er nun erfahren, wo die Ausbildung stattfinden würde, welche Fächer er hätte. Justins Kumpel Lennox hat sogar schon zwei Praktika gemacht. Sein Ziel: Medientechnologe Druckverarbeitung. Drucker also. In den Herbstferien sieht er die Kollegen der Salzlanddruckerei bereits wieder. Lennox hatte sich schon in der 8. Klasse Gedanken um seine beruflichen Perspektiven gemacht.

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„Die Jugendlichen kommen gezielt, haben sich vorher informiert“, hat Elisa Arnold festgestellt. Die Personalreferentin von Selectline, einer IT-Firma aus Magdeburg, schwört auf Messen wie den SBOT in Staßfurt. „Solche Messen sind richtig gut für uns. Manche Besucher haben sogar schon Bewerbungen dabei“, so Elisa Arnold. Ein zwei Tage nach solchen Veranstaltungen steige das Interesse an Ausbildungsplätzen spürbar. 2018 habe das Unternehmen immerhin 150 Bewerbungen erhalten, davon immerhin drei bis fünf vielleicht nach dem SBOT in Staßfurt. Fünf bis sechs Azubis fangen jährlich neu an mit der Ausbildung im Unternehmen aus der Landeshauptstadt.

Möglicherweise sind das nächste Mal Nico und Kevin unter den Bewerbern. Die Schüler der Freien Sekundarschule Schneidlingen zeigen sich sehr interessiert, was Zukunftstechnologien betrifft. 2020 steht ihre Entscheidung an, wohin der berufliche Weg gehen soll.

„Was nützt es, wenn ich meinen Traumberuf habe, aber nicht mobil genug bin, um zum Ausbildungsort zu gelangen?“ wirft Britta Duschek eine ganz praktische Frage auf. Die Geschäftsführerin der Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft (BQI) informiert auf der Messe unter anderem über den „Führerschein mit 15“.

Auch die Fachhochschule Anhalt mit ihrem Standort Bernburg-Strenzfeld beispielsweise informiert über Studiengänge „um die Ecke“. Die Uni Halle lädt ein zu Gesprächsrunden.

An etlichen Ständen informieren derweil auch Azubis. Nicht alle fast so jung wie die Besucher. Susanne Rosenbaum und Stefan Danneil sind ein Beispiel für Quereinsteiger. Die 42-Jährige und ihr „Klassenkamerad“ (30) stehen gerade in der Ausbildung zum Straßenwärter. Warum sie die neue Arbeit bei der Landesstraßenbaubehörde gesucht haben? „Ich wollte nicht mehr in Schichten arbeiten, mehr Zeit haben für die Familie“, verrät Stefan Danneil. Und Susanne Rosenbaum argumentiert mit einer „besseren finanziellen Absicherung“ als zuvor. „Für etwas Neues ist es nie zu spät“, macht sie außerdem auch älteren Besuchern Mut, die natürlich ebenso willkommen sind beim SBOT wie Schüler.

Christian Schüler, Chef der Wirtschaftsförderung im Staßfurter Rathaus ist sehr zufrieden mit der 9. Auflage dieses Tages, den das Netzwerk für Fachkräftesicherung Staßfurt organisiert. Nicht nur wegen der eingangs erwähnten Teilnehmerzahlen. „Staßfurt hebt sich etwas ab von ähnlichen Veranstaltungen, weil wir auch Studienmöglichkeiten darstellen“, erklärt Schüler.

Die Messe stehe im übrigen auch Fachkräften offen. 2020 dann zum 10. Mal.