Löderburg/Neundorf/Förderstedt l Staßfurt hat sie schon und in Förderstedt wurde sie erst vor einer Woche eingeweiht – eine Anlage für Urnen. Man spricht von der sogenannten „halbanonymen Bestattungsform“. Die Urnen liegen kreisförmig angeordnet und sind direkt keinem Namen von Verstorbenen zuzuordnen, auf einer Stele im Zentrum sind aber alle Namen gemeinsam aufgeführt.

Der Bedarf an solchen Gräbern wächst. Es ist die Lösung zwischen dem klassischen Grab, das aufwendig gepflegt werden muss, und grüner Wiese, wo kein Bezug mehr zum Verstorbenen vorhanden ist.

Neundorf ist später dran

Nachdem in Förderstedt jetzt die Einweihung der neuen Anlage gefeiert wurde, will Neundorf nachziehen. „Diese Form der Bestattung wird von vielen Anwohnern des Ortsteils immer wieder gewünscht“, berichtet Neundorfs Ortsbürgermeister Stefan Riemann (parteilos). Die Bestattungskultur habe sich in den letzten Jahren gewandelt. Angehörige lebten meist nicht mehr im Ort und könnten sich nicht mehr um Gräber Angehöriger kümmern.

Die Stadt Staßfurt sieht den Bedarf genauso und will solche Anlagen nun nach und nach auf den Friedhöfen der Ortsteile aufbauen. „Wir haben einen Plan und wollen diesen auch so umsetzen“, erklärte Susanne Epperlein von der Stadt. Dieser Plan sieht vor, die Anlagen nach Dringlichkeit und Bedarf zu bauen. „Wir haben eine Prioritätenliste erstellt.“

Prioritäten

Die Stadtverwaltung hat die Anzahl der Beisetzungen pro Jahr auf den Dörfern ausgewertet. Diese ergibt folgenden Zeitplan, wann auf welchem Friedhof eine neue Urnengrabanlage aufgebaut werden soll:

• 2021 Löderburg und Atzendorf

• 2022 Neundorf

• 2023 Brumby und Rathmannsdorf

• 2024: Hohenerxleben, Glöthe

Je kleiner der Ort, desto kleiner die Anlagen. Kleinere Plätze plant man zum Beispiel für Glöthe. In Löderburg ist die Sterberate mit rund 2800 Einwohnern entsprechend höher als in Brumby mit rund 1000 Einwohnern oder Rathmannsdorf mit 500 Einwohnern.

„Ich denke, die Reihenfolge ist gerecht und nachvollziehbar“, sagt Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) zum Vorhaben. Denn der Neundorfer Ortschaftsrat wollte eine neue Urnenanlage auf seinem Friedhof schon 2021 gesehen. Die Kommunalpolitiker zogen ihren Wunsch aber im Hinblick auf die vernünftige Begründung zurück.

Das Thema Friedhofswesen ist auch dem Seniorenbeirat der Stadt Staßfurt ein Anliegen. Die Vertretung der Menschen ab 55plus kann die Pläne nur befürworten. Der Vorsitzende Peter Maier (Die Linke) findet die Pläne der Stadt aus persönlicher Sicht zufriedenstellend.

Wird das wirklich gebraucht?

„Allerdings sollte man auch erst einmal in den Ortschaften erfragen, ob der Bedarf auch tatsächlich da ist, zum Beispiel bei den Vereinen im Ort und anderen Organisationen“, so Peter Maier. „Förderstedt ist ein großes Dorf, aber ob es sich für weitere Dörfer lohnt, ist unklar.“ Bei seinem Heimatort Brumby denkt er zum Beispiel nicht, dass so eine Urnengrabanlage großen Zuspruch bekäme. Die Einheimischen hätten ihren Platz meist schon auf dem Familiengrab reserviert. „Und eine Grüne Wiese haben wir auch schon.“

Eine Urne für 40 Jahre inklusive Pflege und Nebenkosten kostet in der Stadt Staßfurt und Ortsteilen aktuell 336 Euro für eine Urne und 672 Euro für ein Urnenpaar. Für die Trauerfeier würden nochmal 130 Euro für die Bestattung der Urne sowie 150 Euro für die Benutzung der Kapelle dazukommen.

Im Vergleich dazu liegt das herkömmliche Grab für 40 Jahre bei 1200 Euro für einen Sarg sowie 2000 Euro für ein Paar. Für einen anonymen Platz auf der grünen Wiese werden für 40 Jahre 460 Euro fällig. Die Gebühren für Friedhöfe müssen alle drei Jahre neu berechnet werden und sind in Staßfurt und Ortsteilen 2021 wieder fällig. Der Stadtrat entscheidet über die Höhe der Gebühren.