Schadeleben/Groß Börnecke l Der Geschäftsführer des Kinder- und Jugendhilfezentrums Groß Börnecke, Sven Schulze, will die Einrichtung, die derzeit 30 Kinder sowie eine Tagesgruppe mit zehn Kindern und 80 Mitarbeiter zählt, neu strukturieren.

Das bisherige Hauptgebäude, das ehemalige Gutshaus von Groß Börnecke musste im Sommer nach rund 60-jähriger Nutzung als Kinderheim geräumt werden. Das Kinder- und Jugendhilfezentrum befindet sich jetzt im Reitsportzentrum Schadeleben in der Stadt Seeland.

„Das alte Objekt bleibt Verwaltungsgebäude. Wir richten dort auch das Archiv ein, denn wir müssen unsere Akten 30 Jahre lang vorhalten.“

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Sven Schulze, Geschäftsführer des Kinder- und Jungendhilfezentrums Groß Börnecke

Schuld daran waren brandschutztechnische Gründe, sagte der Geschäftsührer im Mai und fügte hinzu: „Die bautechnischen und die technischen Anforderungen, die vor 20 Jahren noch anders waren, haben sich geändert.“ Die Geschäftsführung hatte von den Behörden für den Auszug der 30 Mädchen und Jungen, die in Groß Börnecke eine neue Heimat gefunden hatten, eine Frist bis zum 31. Mai bekommen.

„Das alte Objekt bleibt Verwaltungsgebäude. Wir richten dort das Archiv ein, denn wir müssen unsere Akten 30 Jahre lang vorhalten. Und auch die Tagesgruppe mit zehn Kindern bleibt auch auf jeden Fall in Groß Börnecke“, kündigte Sven Schulze im Volksstimme-Gespräch an. Er plant einen Ersatzneubau für eine Wohngruppe mit zehn Kindern auf dem Gelände zwischen der Ortsfeuerwehr Groß Börnecke und dem Friedhof des Ortes. Das Gleiche ist vorgesehen in Wolmirsleben, in Gatersleben und voraussichtlich auch in Förderstedt für jeweils zehn Kinder.

„Wir wollen woanders hingegen, um den Kindern eine familienähnliche Struktur anbieten zu können. Damit ist auch verbunden, bestimmte Verhaltensrisiken, die sich potenzieren, je mehr Kinder es werden, zu streuen und zu entzerren. Der wichtigste Grund für unsere Entscheidung ist aber, dass wir näher zu unseren Mitarbeitern wollen, also näher ran an ihre Wohnorte. Wir streben kurze Wege an, weil sich darüber auch die Zukunft des Unternehmens entscheidet, genügend Fachkräfte zu haben. Und wenn die sich alle in Groß Börnecke konzentrieren, erhöht sich das Risiko, nicht genügend zu bekommen für 30 Kinder“, sagte der Geschäftsführer.

Er will ein Haus konzipieren und den Entwurf dann entsprechend kopieren. Basierend auf der Heimbaurichtlinie soll jedes Kind ein Einzelzimmer mit mindestens zwölf Quadratmeter bekommen. Daraus ergibt sich eine Gesamtfläche von 400 Quadratmeter. Solche Bungalows mit einer Grundläche von 20 mal 20 Meter will das Unternehmen in den genannten Orten bauen.

Auf das geplante Investitionsvolumen angesprochen, sagte Schulze: „Pro Objekt einschließlich Grundstück und Zaun müssen wir mit Investitionen von rund 900 000 Euro rechnen.“ Das erste Gebäude in Groß Börnecke müsse spätestens bis zum 31. Mai 2021 fertig sein, denn an diesem Tag läuft der Mietvertrag für das Reitsportzentrum auf dem Reiterhof in Schadeleben aus.

„Wir sind jetzt im Gespräch mit den Eigentümern dabei die Grundstücke zu kaufen“, sagte der Geschäftsführer und fügte hinzu: „Wir wollen das, was wir uns über die Jahre aufgebaut haben, nicht so einfach über den Jordan schicken.“

Wie Groß Börneckes Ortsbürgermeisterin Ethel-Maria Muschalle-Höllbach (Wählergemeinschaft Hecklingen) im Sommer der Volksstimme sagte, hat der Bau- und Ordnungsausschuss des Stadtrates Hecklingen den Plänen von Sven Schulze zum Neubau des Kinder- und Jugendhilfezentrums in der Groß Börnecker Ortsmitte zugestimmt.

Das Unternehmen arbeitet eng mit Ämtern, Behörden, Schulen, Kindertagesstätten, Psychiatrien und Therapeuten sowie Schulen, Berufsbildungsstätten und kulturellen Einrichtungen zusammen. Zu den herausragenden Projekten gehören ein Forschungsvorhaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Clara-Hofbauer-Stiftung, öffentliche Vernissagen, jährliche Produktionen von Musikvideoas und Bühnenstücken mit dem Kulturzentrum „Gröninger Bad“ in Magdeburg und Kunst zum Mitmachen beim „Tag der Familie“.

Einrichtung wurde 1996 vom Kreis privatisiert

Die Einrichtung hatte Adelheid Schulze-Dienel, die Mutter von Sven Schulze, im Jahr 1996 vom damaligen Landkreis Aschersleben-Staßfurt in private Bewirtschaftung übernommen. Sie ist noch heute stolz darauf, was sie und ihr Team dort geschaffen haben.

Das Kinder- und Jugendhilfezentrum Groß Börnecke ist derzeit an fünf Standorten innerhalb des Salzland- und des Bördekreises vertreten. In Börnecke befinden sich das Haupthaus und die Tagesgruppe. Weitere Wohngruppen sind in Schadeleben, Westdorf, Schwaneberg und Neu Königsaue. Zusätzlich gibt es in Staßfurt einen Anlaufpunkt für die Angebote zu flexiblen Hilfen.