Hecklingen/ Groß Börnecke l Mehrere Tage hat ein Mann in Groß Börnecke am Karpfenteich beobachtet, wie der Baum bearbeitet wurde. „Montags hat er angefangen und freitags lag der Stamm um“, berichtet Kurt Glockmann. Er ist viel in der Natur unterwegs und kennt sich aus. Glockmann schätzt, dass am Bruch zwischen Tarthun und Groß Börnecke zwei Biber-Familien mit sechs bis acht Tieren zu Hause sind. Seit vielen Jahren sei der Bruch am Teich der natürliche Lebensraum des unter Naturschutz stehenden großen Nagers. Für die Jäger ist das Wildtier kein Problem, sie beobachten ausschließlich, was passiert, so Kurt Glockmann. Er schätzt, dass in den vergangenen Jahrzehnten im Bruch schon alles in allem rund 25 bis 30 Bäume abgenagt wurden.

„Die Biber können das nicht lassen. Es ist ihr Naturtrieb, denn ihre Zähne wachsen täglich und müssen quasi abgewetzt werden, sie müssen täglich nagen. Und außerdem benötigen sie das Holz für ihren Biberbau“, so Glockmann. „Aber wie gesagt, uns Jäger stört diese Aktivität eher weniger“, erklärt er. Glockmann weiß aber auch, dass das Tier dagegen Landwirten Probleme bereiten kann.

Grabendurchlässe verstopft

Ein Bauer in Groß Börnecke kann das bestätigen. Er selbst hat zwar noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, erklärt aber, dass Holz, das von den Bibern ins Wasser gezogen wird, nicht selten Grabendurchlässe verstopft und diese müssen von den Landwirten sauber gehalten werden. „So wie der Landschaftsgärtner keinen Maulwurf mag, mag der Landwirt keinen Biber“, erklärt der Mann.

Und Kurt Glockmann weiß, dass Biber im Gegensatz zum Waschbären ein ganz schönes Gewicht erreichen können. „Er kann richtig schwer werden. Nicht nur drei bis vier Kilogramm, sondern bis zu 15 Kilo schwer.“ Vorausgesetzt Tiere finden genügend Nahrung. Der Biber selbst wiederum soll dem Wolf gut schmecken, hat Glockmann jetzt gelesen.

Im Salzlandkreis ist Steffen Amme für den Biberschutz im Fachdienst Natur und Umwelt verantwortlich. Er informiert, dass Aussagen zur Bestandsentwicklung gut möglich sind, weil der Arbeitskreis Biberschutz Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Referenzstelle für Biberschutz im Land sowie den unteren Naturschutzbehörden regelmäßige Erhebungen durchführt.

Treffen im November 2018

So organisierte die untere Naturschutzbehörde des Kreises im November 2018 ein Treffen der im Salzlandkreis tätigen ehrenamtlichen Biberkartierer. Hier wurden die aktuellen Kartierungsergebnisse vorgestellt.

Und danach gibt es in Sachsen-Anhalt rund 1300 bekannte Reviere mit 3400 Bibern. „Anhand der Kartierungen sind im Salzlandkreis 111 Reviere mit ungefähr 300 Tieren bekannt“, berichtet Amme. Der Biberbestand könne somit auf rund drei Biber pro Revier bilanziert werden. „Ab 1970 ist eine kontinuierliche Bestandsentwicklung von anfänglich rund 200 auf derzeit 1300 bekannten Revieren zu verzeichnen“, so Amme weiter. Im Bereich Hecklingen wird in den Kartierungsunterlagen nur ein Revier an der Bode in Gänsefurth verzeichnet. Groß Börnecke wird nicht genannt. Auffälligkeiten hierzu sind dem Biberschutzbeauftragten in der Landkreisverwaltung nicht bekannt.

Das Jahr 2018 war durch eine extreme Trockenheit gekennzeichnet, die in vielen Bereichen auch den Bibern zu schaffen machte. An die ehrenamtlichen Biberkartierer im Salzlandkreis wurde durch den Arbeitskreis Biberschutz eine Abfrage zu trockengefallenen Biberbauen und –burgen verschickt. Der Arbeitskreis Biberschutz möchte Beobachtungen zur Auswirkung der Trockenheit auf die Biber zusammentragen und auswerten. „Anhand der Ergebnisse soll festgestellt werden, in wieweit das trockene Jahr 2018 eine Auswirkung auf den Biberbestand hat“, erklärt Amme den Hintergrund der Datenerfassung.