Staßfurt l Die Stimme hebt und senkt sich, dann macht sie Pausen, stellt Fragen in die quirlige Runde der Kita-Steppkes und fährt erst dann weiter fort, wenn sie im Chor eine Antwort bekommen hat. Dann nickt Alin Rossi, lächelt freundlich und wendet ihre Augen wieder dem Kinderbuch vor ihrer Nase zu. Alles wirkt so vertraut und eingespielt, so als hätte Alin Rossi all die Jahre nie etwas anderes gemacht. Streng genommen ist die junge Dame mit den langen braunen Haaren aber ein Frischling, der noch seinen Weg sucht.

Ausbildung in Deutscher Nationalbibliothek

Seit dem 1. März ist die 24-jährige Rossi, die – wie es der exotisch klingende Name bereits vermuten lässt – italienische Wurzeln hat, neue Leiterin der Kinderabteilung in der Stadt- und Regionalbibliothek Staßfurt. Wo kommt sie her, was treibt sie in die Salzstadt? „Ich wohne und komme aus Leipzig“, sagt Rossi. Dort hat sie eine Ausbildung als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste an der Deutschen Nationalbibliothek absolviert.

Diese Ausbildung war eher wissenschaftlich orientiert. Und nachdem Alin Rossi zwischendurch einen kleinen Umweg gemacht hat und ihr Abitur nachholen wollte, das sie wegen eines Unfalls nicht abschließen konnte, hat sie sich nun etwas umorientiert. „Ich wollte unbedingt in eine kleine Bibliothek und in einer Kinderbibliothek zu arbeiten war mein großer Wunsch“, sagt sie. Den ersten Versuch in diese Richtung startete sie in Zerbst. Weil die Anstellung dort aber keine Vollzeitstelle war, hielt sie die Augen weiter offen. Und fand dann über ein Portal die Ausschreibung in Staßfurt. Die Stelle passte perfekt zu Rossi, im Herbst fand das Vorstellungsgespräch statt. Rossi wurde überzeugt und überzeugte. „Die Stelle in Staßfurt war attraktiver“, gibt sie zu.

Erwartungen übertroffen

In Staßfurt leitet sie die Kinderabteilung, plant und organisiert Veranstaltungen mit den Schulen. So hatte Rossi schon beim Welttag des Buches am Dienstag den Organisationshut allein auf. „Die Arbeit ist noch schöner, als ich es mir vorgestellt habe. Meine Erwartungen wurden übertroffen“, sagt sie. Rossi kommt aber auch die wichtige Aufgabe zu, die kleine städtische Bibliothek fit zu machen für die Zukunft. Was in einer Zeit, in der Menschen allgemein weniger zum Buch zu greifen scheinen, schwieriger wird. Eine Bibliothek erscheint in der rasant voranschreitenden Modernisierung und Globalisierung wie ein liebenswürdiges Relikt aus alter Zeit.

„Die Bibliothek ist anders aufgestellt als vor fünf oder zehn Jahren, das hat sich völlig gewandelt. Die Kinder werden anders groß und wir wollen sie mitnehmen“, sagte Bibliotheksleiterin Susanne Sulek zu den Vorbereitungen für den Welttag des Buches am Dienstag. Das gilt aber auch generell. Und mit einer 24-jährigen Jungbibliothekarin gibt es neue Ideen und Wege. „Frau Rossi ist technisch sehr gut aufgestellt“, lobt Sulek die neue, junge Kollegin. „Bibliotheken müssen sich öffnen.“ Staßfurt macht da keine Ausnahme.

Rossi will dabei vor allem wichtige Hinweise und Anregungen bei der Digitalisierung geben. Auch in der Kooperation mit den Schulen. „Wir wollen eine engere Zusammenarbeit.“ Und es soll mehr auf die neuen Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden. „Ich stelle mir digitale Rallyes auf Tablets vor“, sagt Alin Rossi. Die Kinder sollen dann auf den digitalen Geräten, mit dem sie in der heutigen Zeit schon im Vorschulalter aufwachsen, Aufgaben lösen. Mit spielerischer Aufmerksamkeit sollen die Kids an die Bibliothek herangeführt werden. Auch wenn das Buch an sich freilich weiter die größte Rolle spielt in den Lesungen.

Kleine Filme zu Büchern

Eine andere Idee, die in Rossis kreativem Kopf herumspukt, ist es, vor allem die größeren Kinder aus der fünften und sechsten Klasse einen sogenannten „Buchtrailer“ mit digitalem Schnittprogramm schneiden zu lassen. So soll ein Buch, welches die Kinder in der Schule gerade lesen, angeworben werden. „Die Kinder wachsen mit solchen Dingen auf und wir können so vielleicht neue Nutzer gewinnen“, erklärt Rossi. So sollen für jede Klassenstufe eigene Gedanken her. „Und sogar ein Konzept für jede Klasse“, so Rossi. Individuell zugeschnitten nach bestimmten Bedürfnissen.

Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Aber die Vorfreude, dies umsetzen zu können, ist Alin Rossi anzumerken. Sie ist eine Anpackerin und freut sich darauf, im kleinen Kreis in Staßfurt Ideen auszuleben. Dafür fährt sie auch gern jeden Tag von Leipzig nach Staßfurt.