Staßfurt l Der Disney-Klassiker „Susi und Strolch“ ist mittlerweile 64 Jahre alt, zieht aber noch heute bei den Dreikäsehochs. Zumindest als Buch. Am Dienstag waren Kinder der Kita „Leopoldshaller Spatzennest“ in der Stadt- und Regionalbibliothek in der Staßfurter Straße der Solidarität zu Gast. Die Vorschulkinder waren anlässlich der Aktion „Ich bin bibfit“ zum vierten Mal in den Räumen und durften sich freilich wieder ein Buch aussuchen zum Ausleihen. Und gleich zwei Mädchen griffen zu den Hunden, die sich kennen und lieben lernen. „Haben wir überhaupt so viele Exemplare?“, fragte Mitarbeiterin Roswitha Wogand.

Am Dienstag fand die Abschlussveranstaltung für die Kinder der Kita in der Bibliothek statt. Vierter Besuch heißt: Jedes Kind bekam einen „Bibliotheks-Führerschein“ und ein paar warme Worte. Einen Ausleihschein, die sogenannte „Laufkarte“ hatten die Kinder schon vorher – die selbst gebastelt wurde. Und im besten Fall kommen die Kinder später in Begleitung ihrer Eltern wieder. Wenn sie selbst Bücher ausleihen. Das ist der Idealfall. „Die Aktion hat die Leseförderung zum Ziel“, sagt Wogand. „Frühe Leseerfahrungen fördern die Sprachentwicklung des Kindes.“ Zudem gibt es positive Nebeneffekte: Lesen regt die Phantasie an, erweitert die kommunikative Kompetenz, bildet und ist eine gute Voraussetzung für beruflichen Erfolg.

Schon seit 2016 bietet die Bibliothek diese Aktion an. „Das richtet sich vor allem an Kinder im letzten Kindergartenjahr“, erklärt Leiterin Susanne Sulek. „Die Kinder sollen erfahren, dass Vorlesen und Lesen Spaß macht.“ Und sie werden Schritt für Schritt an die gebundenen Schätze und die Bibliothek herangeführt. So steht der erste Treff unter dem Motto „Aussuchen und Ausleihen“, der zweite unter „Vorlesen, Zuhören, Ausmalen“, der dritte beschäftigt sich mit „Erzählen und Wissen“, beim letzten Termin gibt es eine Büchereiführung: „Was gibt es, wo steht es?“

Kleine Vorlesestunde

Alle vier bis sechs Wochen trudeln Erzieher mit den Kita-Kindern in der Bibliothek ein. Viertes Treffen heißt, dass die Kinder mittlerweile wissen, wo sie was finden. Nachdem alle ihr Buch vom letzten Besuch abgegeben haben, steuern diese zielgerichtet auf das große Regal mit der Aufschrift „1. Klasse“ zu. Ein oder zwei Handgriffe, dann sind die meisten Kids glücklich. Nach der Ausleihe gibt es dann noch eine kleine Vorlesestunde mit Roswitha Wogand. „Das ist eine wunderbare Truppe“, lobt Wogand. Die Vorschulkinder der Kita sind nicht der erste Durchlauf aus dem „Leopoldshaller Spatzennest“. „Das ist bereits die dritte Gruppe“, so Wogand. „Die Kita ist dabei die einzige, die das Angebot wirklich nutzt.“

Denn gerade in einer Zeit, in der die weitgefächerten Freizeitangebote immer vielfältiger werden, die Kinder von Einflüssen von außen überhäuft werden, ist es wichtig, dass „Kinder erfahren, dass Büchereien ein angenehmer Aufenthaltsort sind und Lesen Spaß macht“, sagt Wogand.

Wie man sich in einer Bibliothek verhält? Celina weiß Bescheid. „Nicht schreien, keine Bücher kaputt machen“, sagt das braunhaarige Mädchen. „Nicht mit klebrigen Pfoten in die Bibliothek gehen“, ergänzt die blonde Tabea. Die Bibliotheksmitarbeiter können nur nicken. „Das stimmt. Bleibt neugierig, das ist wichtig“, ruft Roswitha Wogand noch den Kindern hinterher, bevor diese wieder aus der Tür stürmen. Vielleicht entwickeln sich hier gerade fleißige Leser.