Brumby l Bilder sagen manchmal mehr als Worte. So war es wohl auch gedacht, vor über 350 Jahren, als die wenigsten Kirchgänger lesen und schreiben konnten.

Experten gehen davon aus, dass zehn Künstler aus drei verschiedenen Werkstätten in der Zeit von 1664 bis 1666 die Pinsel schwangen und dabei Szenen aus der Bibelgeschichte auf den groben Holzbrettern verewigten.

92 Bilder

Die Anzahl der Kunstwerke überwältigt den Betrachter. Selbst, wenn ein Großteil der insgesamt 92 Bilder im Moment eine Etage höher darauf warten, restauriert zu werden.

Bilder

Unterm Dach des Kirchenschiffs haben Helma Konstanze Groll und Mathis Schubert ihre Werkstatt eingerichtet. Die Restauratoren aus Gardelegen sorgen dafür, dass der alte Firnis von den Bildern heruntergelöst wird, dass Fehlstellen ausgebessert und die Teile des hölzernen Untergrunds wieder so zusammengefügt werden, dass der Betrachter ein möglichst durchgehendes Bild genießen kann.

Was sich vielleicht recht einfach liest, ist tatsächlich sehr viel zeit- und vor allem auch kostenaufwändiger.

Von Anfang an gefesselt

Gottfried Eggebrecht könnte ein Buch darüber schreiben. Seit dem der Pfarrer die Stelle in Brumby 1990 übernahm, lässt ihn ein Gedanke nicht los: Die Restaurierung der einzigartigen Kassettendecke. Die 92 Kunstwerke haben ihn von Anfang an gefesselt. Von der künstlerischen Qualität her und erst recht der Inhalt. Und vor allem: Die Gemeinde hat sogar noch die Predigt von der Weihung des Kunstwerks, in der zu lesen ist, was der damalige Pfarrer damit erreichen wollte. „Die Gemälde sind deshalb so interessant und schön, weil sie der Frage nachgehen: Wo endet mein Leben? Im Nichts? Oder hat es ein Ziel? Die mittelalterliche Theologie geht dieser Frage nach“, schwärmt der Pfarrer im Ruhestand, „Das Leben hat einen Anfang und ein Ziel – bei Gott. Wie der Anfang. Das ist für mich die Bedeutung der Heilsgeschichte, die hier ihre Bebilderung gefunden hat.“

Das wiederum pragmatische, persönliche Ziel von Gottfried Eggebrecht war von Anfang an die vollständige Restaurierung der Bilderdecke bis zu seinem Ruhestand. Eine Krankheit verhinderte das. Aber er verlängert die Frist „bis zum Lebensende“.

Halbzeit „feiert“ derweil die aktuelle Phase der Restaurierung, für die die beiden Gardeleger Restauratoren den Auftrag für 14 große Bilder im Mittelteil der Decke, für zwei große Altarbilder und 42 kleinere Seitenbilder erhalten haben.

Holz verkitten

Holzrestaurator Mathis Schubert fand für seine Erläuterungen auf dem Boden des Gotteshauses ebenso zahlreiche Zuhörer wie seine Schwester Helma Konstanze Groll, die sich vor den Augen der Besucher den Farben widmete und ebenso bereitwillig alle Fragen beantwortete.

Schuberts demonstriert seine Aufgabe, durch Holzkonservierung Schadensvorgänge zu stoppen – Holz verfestigen und verkitten, Risse sanieren. Es ist immerhin Nadelholz aus dem 17. Jahrhundert, teilweise in Zweitverwertung. Umso mehr schmerzt ihn jeder Nagel, der einst zur Fixierung in die Kunstwerke geschlagen wurde, den er nun behutsam herauszieht.

Während seine Schwester mit Wattestäbchen und Lösungsmittel den alten Firnis von einem Bild entfernt, hören die Besucher von ihr: „Restaurator ist ein schwieriger Beruf. Vor allem, wer in Kirchen vor Ort arbeitet.“ Das sei nicht zu vergleichen mit der Arbeit in einem Museum. Die Augen der Frauen, Männer und auch Jugendlichen, die ihr gerade über die Schulter schauen, werden immer größer, als die über 300 Jahre alten Farben wieder zum Vorschein kommen. Sie erntet sogar leises Jubeln.

Tuschkasten erinnert an Schule

Die Restauratorin findet derweil Hochachtung für die Künstler von damals, die das Holz so bemalten, wie sie es in die Hand bekamen, mit allen Unebenheiten, vermutlich weil sie keine Zeit und auch kein Werkzeug hatten, das Material so zu glätten, wie man es vielleicht heute machen würde. Man staunt nochmal etwas lauter: Die Restauratorin arbeitet bei der Ausbesserung von Fehlstellen mit Wasserfarben. Der Tuschkasten erinnert die Runde an den schulischen Zeichenunterricht.

Die sympathische Frau kommt auf die Schwierigkeiten zurück, die auch in der Gesellschaft liegen würden: „Es gibt unheimlich viel kaputte Kunst, aber zu wenig Geld.“

Es ist alles äußerst interessant, und der mühsame Aufstieg unters Kirchendach hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Etwa 100 Besucher

Gottfried Eggebrecht ist zufrieden mit der super Resonanz. Etwa 100 Besucher, unter anderem auch aus Schönebeck, Güsten und Magdeburg, nutzten das Angebot der „öffentlichen Restaurierung“. Die übrigens eine Premiere war. Und auch als kleines Dankeschönfest für die Sponsoren zu verstehen ist.

Der Pfarrer i.R. erzählt bei Grillwurst und Radler noch von der Finanzierung und langwieriger Vorbereitung. „Als ich am Anfang mal die Kosten für die gesamte Sanierung der Petri-Kirche schätzen ließ, hätte es mich fast umgehau‘n. 1,4 Millionen D-Mark! Unvorstellbar für jemanden, der in der DDR groß geworden ist.“

Aber er ließ sich auch von dem Rat leiten, alles Stück für Stück anzugehen. Zuerst war eben die bauliche Hülle am wichtigsten. Dem neuen Dach folgten neue Bankheizungen. Der Ruß aus dem alten Holzofen hatte seinen Teil dazu beigetragen, dass sich die Farben der Bilder verdunkelten. Eggebrecht beschreibt den mühsamen Weg der Planungen und Genehmigungen unter Einbeziehung der Denkmalpflege und des Kirchenbauamts, die bereits 2002 begannen. Ab 2008 wurden Spendengelder gesammelt und Fördermittel beantragt. Die ersten neun Bilder konnten bis 2014 restauriert werden. Die jetzige Maßnahme hat einen Umfang von 190 000 Euro, wovon 90 Prozent eine Förderung durch das Leader-Programm erfahren. Der Eigenanteil der Gemeinde ist dennoch beträchtlich. Spenden helfen. Die nächste und letzte Etappe ist in Sicht.