Fakten zur Staßfurter Biomethananlage und zur Düngemittelverordnung

Die MVV Energie AG mit Sitz in Mannheim ist ein Energieunternehmen, das sich unter anderen auf die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien konzentriert, mit Windkraftanlagen, Biomassekraftwerken, Biogasanlagen (Biomethananlagen) und Bioabfallvergärungsanlagen.

Das Unternehmen betreibt vier Biomethan-Anlagen in der Magdeburger Börde, in Klein Wanzleben, Kroppenstedt, Barby und Staßfurt.

Die Staßfurter Biomethananlage war 2015 in Betrieb genommen worden, das Unternehmen hat in einem Jahr rund 14 Millionen Euro investiert.

Großer Widerstand regte sich in Staßfurt, nachdem 2013 der Bau der Biomethananlage erstmals im Gespräch war. Bürger und mehrere Fraktionen des Staßfurter Stadtrats sprachen sich gegen eine dieser Anlagen in ihrer Stadt aus, die zum damaligen Zeitpunkt noch ein schlechtes Image hatten und mit Geruchsbelästigungen verbunden wurden. Der Stadtrat stimmte dem Bau der Staßfurter Biomethananlage nach vielen Diskussionen und mit knapper Mehrheit dann doch zu.

Die neue Düngeverordnung vom 1. Juni 2017 besagt, dass Landwirte zu bestimmten Zeiten keinen Dünger mehr ausbringen dürfen. Die Sperrfristen für Ackerland gelten von der Ernte der letzten Hauptfrucht bis 31. Januar und für Grünland, wenn bis zum 15. Mai ausgesät wurde, von 1. November bis 31. Januar. Im Herbst dürfen aber Zwischenfrüchte, Winterraps und Feldfutter, die bis 15. September gesät wurden, sowie Wintergerste nach Getreide, die bis 1. Oktober gesät wurde, gedüngt werden.

Staßfurt l Aktuell wird auf dem Gelände der Staßfurter Biomethananlage (auch „Biogasanlage“) gebaut. Bagger und Bautätigkeit sind schon von weitem im Gewerbegebiet Nord-Ost zu beobachten. Erst Anfang November 2018 war diese Baustelle wie viele andere in der Region Ziel von Dieben geworden, die eine Rüttelplatte gestohlen haben.

Neue Düngemittelverordnung

Es muss mehr Lagerkapazität für die Gärreste geschaffen werden. Ein Sprecher des Unternehmens MVV Energie AG mit Sitz in Mannheim, das die Anlage betreibt, erklärt: „Hintergrund ist eine Überarbeitung der Düngemittelverordnung: Der Gesetzgeber hat die Zeit im Jahr, in der Dünger auf die Felder ausgebracht werden darf, verkürzt“.

Das heißt im Gegenzug: Die Anlagen müssen die Gärreste länger aufbewahren. Ein entsprechendes Lager entsteht derzeit auf dem Betriebsgelände. „Die Inbetriebnahme ist für den Dezember 2018 geplant“, so der Sprecher. Die Menge des Biomethans, das die Anlage erzeugt, ändert sich dadurch nicht. Die Menge, die an Gärresten maximal gelagert werden kann, erhöht sich allerdings schon, und zwar um rund 10.000 Kubikmeter auf insgesamt 32.000 Kubikmeter.

40 Landwirte beliefern

Um die 40 Betriebe, vor allem Landwirtschaftsunternehmen aus der Region, beliefern die Staßfurter Biomethananlage mit Rohstoffen. Die Reststoffe, die nach dem Prozess in der Anlage übrig bleiben, werden von den Landwirten wieder abgeholt. Diese Gärreste werden als Naturdünger auf den Feldern der Umgebung als Ersatz für Kunstdünger aufgetragen. Im Zuge der Veränderungen bei der Lagerung in der Staßfurter Anlage sollen mehr Rindermist, Maissilage, Ganzpflanzensilage aus Getreide und Hühnertrockenkot verarbeitet werden, dafür verringert man aber die Verarbeitung von Grassilage und Zuckerrüben und lässt Pferdemist und Sorghum (Hirse) als sogenannte „Input“-Stoffe ganz wegfallen.

Der Betrieb in Staßfurt war 2015 aufgenommen worden. Seither produziert die Biomethananlage Staßfurt GmbH mit Sitz in Mannheim konstant. Nach wie vor sind drei Mitarbeiter im Einsatz, um aus rund 62.000 Tonnen Einsatzstoffen pro Jahr Biomethan zu erzeugen. Aus der gewonnenen Gasmenge von jährlich knapp sechs Millionen Kubikmetern kann Ökostrom für 6.000 und Wärme für 1.200 Haushalte erzeugt werden.

Das Prinzip

Grundidee der Biomethananlage ist es, Strom und Wärme aus nachwachsenden Rohstoffen zu erzeugen – eine Art der erneuerbaren Energien. Das Prinzip ist einfach: Aus den Einsatzstoffen wie etwa Grünschnitt, Winterfrüchten, Resten aus der Zuckerproduktion oder auch Gülle entsteht durch Vergärung Biomethan. Dieses wird gereinigt und anschließend in das Erdgasnetz eingespeist. An einer anderen Stelle kann dann die gleiche Gasmenge aus dem Netz entnommen werden, um damit ein Blockheizkraftwerk zu betreiben und CO2-neutral Strom und Wärme zu erzeugen.

Für das Mannheimer Unternehmer ist die Art der Energieerzeugung umweltschonend und ein in sich geschlossener Kreis. Mit Hilfe der „wertvollen Nährstoffe“, die als Gärreste übrig bleiben, „wachsen neue Energiepflanzen für die Erzeugung des Biomethans heran“, so der Sprecher. „Es entsteht eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, bei der kein Abfallprodukt anfällt.“ Die erzeugte Energie ist CO2-neutral, so dass die vier Biomethananlagen des Unternehmens, die allesamt in der Magdeburger Börde stehen, insgesamt rund 80.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.