Löbnitz/Hohenerxleben l Bisher Unbekannte haben einen Teil des neuen Metallgeländers gestohlen. Passanten sehen, dass in einem Bereich der Überführung aktuell nur noch die Pfeiler stehen. Kleinere Zaunfelder sind auf einer Länge von mehr als 100 Metern verschwunden. Die Täter müssen bereits in der Nacht zum 26. April zugeschlagen haben. Rot-weißes Absperrband markiert seitdem die beschädigten Stellen. Die Behörden haben die Brücke für Autos, Fußgänger und Radfahrer offiziell gesperrt. Landwirt Carl-Albrecht Bartmer ärgert sich darüber, wohin Zerstörungswut und Skrupellosigkeit führen. Er findet drastische Worte. „Wir haben die Brücke auch für die Bürger eröffnet. Nun müssen viele darunter leiden, dass einige offenbar kein Gewissen haben und mit Blick auf die Öffentlichkeit unsozial handeln.“

Der Löbnitzer erinnert an die Entstehungsgeschichte der neuen Trasse über der historischen Brücke. Die Überführung diente einst der Kanonenbahn und lag lange Zeit ungenutzt brach.

Investitionen von Eigentümern

Im Rahmen eines sogenannten Flurneuordungsverfahrens haben sich die Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen der Umgebung dazu entschlossen, das Viadukt über die Bode kostspielig und unter Beachtung aller Denkmalbelange für sich nutzbar zu machen. Es sollte kurze Wege schaffen zwischen den Feldern auf beiden Seiten der Bode. Gleichzeitig wurde so auch die kleine Bodebrücke in Hohenerxleben wie das gesamte Dorf entlastet, weil die schweren landwirtschaftlichen Maschinen einen neuen Weg fanden. Für diese und andere Maßnahmen hat die Teilnehmergemeinschaft, also die Landbesitzer, rund 360 000 Euro investiert. Dazu gab es auch Förderung von der Europäischen Union.

Die Stadt hat sich zusätzlich am Projekt beteiligt und 10 000 Euro zur Verfügung gestellt. So konnte die Brücke auch für Fußgänger und Radfahrer erschlossen und ihr Nutzen über den landwirtschaftlichen Gebrauch hinaus erweitert werden. Dafür gelten bestimmte Gesetze für Geländerlängen und -höhen.

"Unglaublich empörend"

Man habe alles geregelt und die Brücke wird seit der Eröffnung im Sommer 2017 vielfältig genutzt. Der Diebstahl mache deshalb sprachlos. „Jemand hat hier einen Zaun gestohlen, ohne auch nur eine Minute darüber nachzudenken, dass er damit eine nicht unerhebliche Gefahrenquelle schafft, nur um einen kleinen Nutzen für sich zu haben.“ Was sei, wenn Fußgänger, besonders Kinder, hinunterstürzten, oder auch Tiere, wie Hunde beim Spazierengehen? „Das alles ist ungglaublich empörend!“

Wichtig für Orte und Tourismus

Auch Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner ist fassungslos angesichts dieser Straftat. „Die Brücke wird angenommen. Viele empfinden es als eine große Freude, dass es diese Möglichkeit der Bodeüberquerung gibt.“ Die Überführung leiste einen wichtigen Beitrag, um die Ortsteile miteinander zu verbinden und sei ein Bereicherung für die touristische Erschließung der Region am Rand des Boderadweges und des Europaradweges. „Das wird alles mit einem Mal zunichte gemacht und ist einfach nur ärgerlich.“ Der Stadtchef macht ganz deutlich, dass daneben ein „nicht unerheblicher finanzieller Schaden“ entstanden ist, der auch die Allgemeinheit betreffe, weil öffentliche Gelder eingesetzt wurden.

Suche nach Zeugen

Carl-Albrecht Bartmer hat Anzeige erstattet. Die Polizei ermittelt (Hinweise bitte an das Revier Salzland: 03471/3790). Er und Sven Wagner suchen nach dem Diebstahl die Öffentlichkeit, um zu sensibilisieren. Beide meinen, es sei wichtig, dass jetzt viele die „Augen offen halten“, falls die Zaunteile genutzt oder im Handel abgegeben werden.

Völlig unklar bleibt indessen, wie es an der gesperrten Brücke weitergeht. Rathaus und Teilnehmergemeinschaft wollen sich dazu in diesen Tagen verständigen.