Hohenerxleben l Helmut Müller stand an der Straße, fuchtelte mit seinen Armen herum und gab Zeichen an die Lkw-Fahrer. Und wer sein Fenster herunterleierte und sich zu dem Mitglied des Ortschaftsrates Hohenerxleben hinunterbeugte, der ja auch ehrenamtlich für das Ordnungsamt tätig ist, der konnte sich etwas anhören. „Sie dürfen nicht über die Brücke fahren“, hieß es dann zum Beispiel. Einige Lkw schickte er zurück, das Gegrummel war groß. Aber was an diesem Tag im Spätjuli in Hohenerxleben los war, konnte er ja nicht so stehen lassen.

Bei einer Teilsperrung der Autobahn 14 gab es an diesem Tag eine Umleitung von Förderstedt über Staßfurt zurück zur Autobahn. Einige ortskundige Brummifahrer wollten clever sein. Diese bogen in Förderstedt vom Norden kommend links ab, fuhren Richtung Neugattersleben auf die B71 und dort rechts in die kleine Straße Richtung Löbnitz und Hohenerxleben. In Hohenerxleben trafen sie auf die Bodebrücke, die für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt ist. Und fuhren drüber. Einer nach dem anderen. „Wir haben die Fahrzeuge nicht gezählt. Aber gerade die Anwohner in der Bodestraße haben sich beschwert“, erzählt Helmut Müller. Hinter Hohenerxleben bogen die Lkw wieder nach links Richtung Autobahn ab.

Normale Wegweiser ohne Hinweis

Natürlich war dieser Tag im Juli ein problematischer Einzelfall. Dieser kann aber jeder Zeit wiederkommen. Helmut Müller bringt daher eine Idee ins Spiel, um die Lkw vorbeugend davon abzuhalten, vor Hohenerxleben verbotenerweise über die kleine einspurige Brücke zu fahren. „Vielleicht kann man an der B71 einen Wegweiser hinstellen, dass es für Lkw in vier Kilometern keine Wendemöglichkeit gibt und dort eine Sackgasse ist.“

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Derzeit stehen da noch normale Wegweiser, die über die holprige Straße in die Bodedörfchen Löbnitz und Hohenerxleben verweisen. Mit seinem Anliegen wendete sich Müller an die Stadt. Die hat das Schreiben zur Kenntnis genommen. „Die widerrechtliche Überfahrung der Brücke durch Lkw, die sich neulich im Zuge einer Autobahnsperrung ereignete, ist im Rathaus bekannt“, teilt Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) mit. „Am Dienstag war dies auch Thema in der Ortsbürgermeister-Dienstberatung beim Oberbürgermeister.“ Dort brachte Müller für Hohenerxleben das Thema erneut auf die Tagesordnung. Natürlich gibt es bei der Stadt Verständnis für das Problem. Nur handeln kann diese nicht unmittelbar.

Denn: Aufstellen darf die Stadt an der Bundesstraße nicht. „Die Stadt könnte aber einen Prüfantrag stellen“, informiert Stefan Hörold von der Landesstraßenbaubehörde. Nach der Anregung aus dem Ortschaftsrat. Schilder an der B71 fallen dabei in den Verantwortungsbereich der unteren Verkehrsbehörde im Salzlandkreis. Und wenn ein Antrag vorliegt, dann beginnt ein Abstimmungsprozess zwischen den Behörden. Dabei ist dann auch die Polizei mit im Spiel. Es muss zum Beispiel geklärt werden, wie relevant so ein Schild ist, ob es sich finanziell lohnt und wie viele Vorfälle/Verstöße es in einer gewissen Zeit an der Stelle gegeben habe. „Bei einem Anhörungsverfahren würde dann geklärt werden, ob ein Schild aufgestellt wird.“ Generell gilt aber: Alles ist möglich. Ein paar Wochen könne so eine Prüfung dauern.

Brücke nur für 3,5 Tonnen zugelassen

Der Antrag der Stadt kommt aber auf jeden Fall. „Es wurde festgelegt, dass die Stadt Staßfurt bei der Straßenverkehrsbehörde des Salzlandkreises eine deutlichere Ausschilderung beantragt. Der Antrag wird durch den zuständigen Fachdienst gestellt. Dieser soll zum Zweck haben, dass bereits am Abzweig nach Löbnitz darauf hingewiesen wird, dass die Überquerung der Brücke nach Hohenerxleben nur mit Fahrzeugen bis zu einem Gewicht von 3,5 Tonnen zugelassen ist und später keine Wendemöglichkeit für Lkw besteht“, erklärt Wagner. Auch in Löbnitz soll ein Schild aufgestellt werden, dass erneut auf die Sackgasse für Lkw hinweist.

Im konkreten Fall scheint es aber schwierig zu werden, sich mit dem Schilderwunsch durchzusetzen. Denn die Wirkung von Schildern wird regelmäßig überschätzt. Und wer das Risiko eingeht, eine Brücke zu befahren, die für das eigene Fahrzeug aus Sicherheitsgründen eigentlich gar nicht befahrbar ist, lässt sich vielleicht auch von einem Verbotsschild nicht abhalten. Andererseits könnte das vor allem jene Nichtortsunkundige abhalten, die den Ortskundigen an jenem Tag im Juli einfach ins Ungewisse gefolgt sind und nicht wussten, dass die Straße nach Hohenerxleben eigentlich eine Sackgasse ist. Diese Hoffnung hat die Stadt.

„Weiterhin wird im Fachdienst geprüft, ob mit den vorhandenen Betonelementen die Fahrbahn der Brücke noch weiter verengt werden kann, sodass ein Überfahren mit Lkw auch praktisch gar nicht mehr möglich ist“, so Wagner. Das wäre eine noch härtere Maßnahme, um den Schleichverkehr zu unterbinden.

Warum gibt es die Beschränkung auf 3,5 Tonnen? „Die Tonnagebegrenzung ist notwendig, da dieses Erfordernis aus der letzten Brückenprüfung entstanden ist“, sagt Wagner. 2016 gab es eine Sonderprüfung, die alle drei Jahre stattfindet. Seitdem gilt auch die aktuelle Beschränkung. Noch in diesem Jahr wird es dann also eine erneute Überprüfung der Brücke geben.

Neue Bodebrücke keine Option

Generell sind solche Schilder, wie sie sich Staßfurt wünscht, rar gesät und kein Regelfall. Eine extreme Maßnahme wäre es zudem, die Brücke komplett zu sperren. So dass Kraftfahrer nur noch im Süden aus Hohenerxleben herauskommen und Kraftfahrer in Löbnitz nur noch im Norden. „Das geht aber nicht“, meint Helmut Müller. So wohnen zum Beispiel einige Berufstätige in Hohenerxleben, die in Löbnitz arbeiten. Diese müssten einen riesigen Umweg in Kauf nehmen, um die Bode zu überqueren. Nun wird ja auch gerade die Bodebrücke in Neugattersleben neu gebaut. Es wäre ein Umweg über Förderstedt und Staßfurt nötig, um von Löbnitz nach Hohenerxleben zu gelangen.

Eine andere und für alle befriedigende Option wäre eine neue Brücke. Helmut Müller lacht leise auf. „Eine neue Brücke wird wohl nicht kommen. Dafür ist kein Geld da. Es hat doch schon Jahre gedauert, um in Staßfurt eine neue Bodebrücke zu planen. Wir sind in Hohenerxleben ganz glücklich mit unserer Brücke. Damit können wir leben.“ Gebaut wurde die Brücke 1984. Wenn sie ersetzt wird durch einen Neubau, muss diesen die Stadt Staßfurt selbst finanzieren, sie liegt im städtischen Hoheitsgebiet. Schon vor einigen Jahren war das Thema in der öffentlichen Diskussion. Anfang 2018 wurde ein Neubau im Rathaus auf 1,1 Millionen Euro geschätzt. Aktuell ist ein Neubau kein konkretes Thema in den Haushaltsplanungen.