Auch die Anwohnerin war neugierig. Auf und ab schlich sie in der Industriestraße in Staßfurt, schaute über Zäune, nach links und rechts. „Wo hat es denn nun wieder gebrannt?“, fragte sie. Von ihrem Wohungsfenster aus ganz in der Nähe hat sie in der Nacht von Sonntag zu Montag die Rauchsäule gesehen, die mehrere Meter im Süden der Salzstadt in der Luft stand. Das Fenster musste sie schließen, weil der Rauch beißend durch die Straßen kroch.

Spaziergänger sehen ja mittlerweile auf beiden Seiten, links und rechts, vorne und hinten, an der Industriestraße oder weiter weg überall schwarze Rauchspuren. Einst reihten sich hier Industriegebäude aneinander, nun stehen überall nur noch Ruinen. Was auch an den vielen Bränden in dem Bereich liegt.

Nun hat es wieder gebrannt. Um 2.38 Uhr wurde die Ortsfeuerwehr Staßfurt am Montagmorgen zum Einsatz gerufen in der Industriestraße. Gebrannt hat diesmal eine alte Lagerhalle an der Ecke Bernburger Straße. Diese brannte vollständig nieder. „Es waren Einsatzkräfte der Feuerwehren Staßfurt, Löderburg und Neundorf im Einsatz“, heißt es aus der Leitstelle.

Relativ zügig wurde dabei klar, dass es der bisher größte Brand in Staßfurt im Kalenderjahr 2019 werden würde. Wenige Minuten nach dem Notruf wurde der Brand von einem Mittel- zu einem Großbrand heraufgestuft. Es war der erste in 2019. Kurz darauf wurde bereits die Ortsfeuerwehr Löderburg nachalarmiert. Am frühen Morgen stieß auch noch die Ortsfeuerwehr Neundorf dazu.

Beim Einsatz, der über fünf Stunden dauerte, waren allein von der Ortsfeuerwehr Staßfurt 27 Kameraden im Einsatz mit acht Fahrzeugen, wie die Staßfurter Feuerwehr auf ihrer Homepage mitteilt. Auch Einsatzkräfte der Polizei waren vor Ort. „Zeitweise musste auch die Bernburger Straße voll gesperrt werden“, erklärt Klaus Peter Schneider von der Polizei im Salzlandkreis. Bis in die Vormittagsstunden wurde der Tatort untersucht. „Durch diesen Lagerhallenbrand wurden Bäume in der unmittelbaren Umgebung mit angegriffen. Bei Eintreffen der Feuerwehr sowie der eingesetzten Beamten brannte die Lagerhalle im vollen Umfang. Es entstand ein Gesamtschaden von etwa 5000 Euro“, teilt die Polizei weiter mit. „Nach Beendigung der Löscharbeiten wurde die Lagerhalle beschlagnahmt, eine Spurensicherung am Brandort erfolgt zeitnah.“

Die Ermittlungen zur Brandursache wurden aufgenommen und laufen. „Es ist aber logisch, dass es nicht von allein gebrannt hat“, sagt Klaus Peter Schneider. Schließlich handelt es sich in dem Bereich in der Industriestraße um weitestgehend still gelegte Hallen und Industriebrachen. Auch eine Brandstiftung kann also nicht ausgeschlossen werden.

Es wäre nicht das erste Mal. Erst vor vier Wochen war eine Doppelgarage auf der anderen Straßenseite ausgebrannt. Das Wohnmobil darin wurde zerstört. Brandstiftung konnte nicht ausgeschlossen werden.

Auch im vergangenen Jahr gab es mehrere Brände in der Industriestraße, bei denen Brandstiftung vermutet wird. So zum Beispiel Ende Oktober, als ebenfalls an der Ecke Bernburger Straße Müll in zwei leerstehenden Baracken brannte. Auch beim Großbrand am 1. Juli 2018 in einer alten Lagerhalle nahe der Industriestraße, als die Flammen bis nach Magdeburg zu sehen waren, ging die Polizei schnell von Brandstiftung aus.

Vergangene Woche begann ein Prozess gegen einen Brandstifter, der zugab, im Frühsommer 2018 Brände in Staßfurt gelegt zu haben. Er sitzt in Untersuchungshaft. Dieser gab zu, Ende Mai 2018 der Verursacher des Brands am Güterbahnhof gewesen zu sein. Auch eine Rasenfläche in der Parkstraße habe er Anfang März angezündet.