Etgersleben l „Es ist jemand festgestellt worden, der tatverdächtig ist. Aber den Tatverdacht müssen wir erhärten. Dazu wurden Beweise gesichert“, sagte der Sprecher des Polizeireviers Bernburg, Marco Kopitz. Damit bestätigte er die Mitteilung vom Sonntag, dass es der Polizei des Salzlandkreises gelungen sei, einen 50-jährigen Mann als mutmaßlichen Brandstifter zu ermitteln. Bis jetzt habe sich der Etgerslebener aber nicht zu den Vorwürfen geäußert. „Wir müssen nun prüfen, ob er infrage kommt“, sagte Kopitz.

Seinen Worten zufolge werde erst in ein bis zwei Wochen feststehen, ob er sich im Rahmen der Vernehmung dazu äußern möchte. Es gelte nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Streife der Polizei

„Uns ist das Problem in Etgersleben bewusst. Wir achten im Rahmen der Streifentätigkeit der Regionalbereichsbeamten darauf“, sagte der Polizeisprecher. Aber eine ständige Polizeipräsenz, wie sie der Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr (UWGE) am Wochenende nach dem vierten Einsatz in Folge gefordert hatte, schaffe man nicht, sagte Kopitz.

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In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass das Polizeirevier in Bernburg zu den Bränden in Etgersleben einen Brief an die Bürger des Ortes verfasst habe. Diese würden durch die Regionalbereichsbeamten vor Ort verteilt. „Damit werden die Bürger aufgerufen, wachsam zu sein und sich bei uns zu melden, wenn sie etwas Verdächtiges feststellen“, sagte der Polizeisprecher. Bislang habe man Glück gehabt, dass die Brandstiftung nur in einem Abrissgebäude erfolgt sei.

Das sieht Stöhr anders. „Wir sind auf die Polizei angewiesen“, sagte er und erneuerte seine Forderung nach einer deutlich stärkeren Polizeipräsenz vor Ort. „Wir tragen das Problem ansonsten auf dem Rücken unserer ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus“, sagte der Verbandsgemeinde-Bürgermeister.

Selbst die Rettungsleitstelle des Salzlandkreises in Staßfurt nehme die vielen Brandstiftungen in Etgersleben schon ironisch. So seien die Kameraden am Wochenende auf ihrem Pieper mit dem Hinweis: „Da, wo immer“ zum Brandort gerufen worden.

Schaden

Auch die Aussage der Polizisten, dass dort kein richtiger Schaden entstanden sei, wies der Verbandsgemeinde-Bürgermeister zurück. „Wir als Verbandsgemeinde haben durch die Brandstiftungen einen größeren Schaden zu verzeichnen“, so Stöhr und fügte hinzu: „Ich bin froh, dass die Arbeitgeber die Kameraden zum größten Teil zu den Einsätzen lassen. Sie finden es inzwischen aber nicht mehr witzig, wenn ihre Mitarbeiter vier Mal an einem Tag zur Brandbekämpfung weg sind. Den Verdienstausfall bekommen wir dann in Rechnung gestellt.“

Bei einem Brand in Etgersleben werden auch die Kameraden von Westeregeln und Egeln und am Freitag sogar die Staßfurter Feuerwehrleute mit drei Fahrzeugen alarmiert, gab Stöhr zu bedenken und dankte besonders den Staßfurter Kameraden. Deren Drehleiter sei angefordert worden, weil sich die Egelner zurzeit in der Inspektion befinde.

Wie Stöhr sagte, seien die Etgerslebener Kameraden inzwischen am Limit angelangt. Sie hätten in diesem Jahr inzwischen 35 Einsätze absolvieren müssen. Das sei für eine so kleine Wehr enorm. In den Jahren, in denen es keine Stürme gebe, gebe es in Etgersleben sonst drei bis zehn Einsätze. „Die Situation in diesem Jahr ist schon eine enorme Belastung“, sagte Stöhr.

"Schnauze voll"

„Jetzt reicht es hin. Die Kameraden haben die Schnauze voll“, sagte gestern Wehrleiter Olaf Michael nach elf Einsätzen auf dem ehemaligen LPG-Gelände in diesem Jahr. Die 22 Einsatzkräfte wären nach dem anstrengenden Wochenende froh, wenn es jetzt vorbei wäre.

Dieser Wunsch erfüllte sich allerdings nicht, denn gestern Nachmittag brannte es in Etgersleben schon wieder. Dieses Mal aber nicht auf dem LPG-Hof, sondern auf dem Gelände der ehemaligen neuapostolischen Kirche, das der Gemeinde gehört.

Börde-Hakel-Bürgermeister Axel Großheim (parteilos) verwies auf die große Gefahr für angrenzende Gebäude wie zum Beispiel die von der Verbandsgemeinde mit großem finanziellen Aufwand sanierte Kindertagesstätte „Rappelkiste“, den Jugendklub und den Seniorentreff, die sich in unmittelbarer Nähe des LPG-Hofes befinden. „Für sie besteht höchste Gefahr, wenn es dort brennt“, sagte das Ortsoberhaupt. Auch Großheim fordert eine stärkere Polizeipräsenz an einem solchen „Brennpunkt“. „Ich hoffe, dass der Brandstifter gefasst ist und es aufhört mit den vielen Bränden“, sagte der Bürgermeister.

„Wenn das ganze Ding mal brennt, wird es heikel, dann wäre es beängstigend“, sagte Kitachefin Uta Vollrath. Bislang seien es dort nur kleine Brände gewesen. Die Kinder seien jedesmal total aus dem Häuschen, wenn die Feuerwehrkameraden ausrücken, um auf dem LPG-Hof zu löschen.