Löderburg l Denn es handelt sich „nur“ um 211 neue Haushalte in Löderburg, die ab Ende 2019 über superschnelles Internet verfügen werden. „Das ist ein verschwindend geringer Teil, bedenkt man, dass Löderburg fast 3000 Einwohner hat“, betont Noah Noppe aus Löderburg am Lesertelefon. Solche Termine und Berichte seien verwirrend. „Kaum jemand in Löderburg surft demnächst wirklich schneller.“

Er hat Recht. Bei gemeldeten 2896 Einwohnern sind 211 Hausanschlüsse gerade einmal 7 Prozent. „Der ganze Ortskern von Löderburg bekommt keine schnellen Anschlüsse“, so Noah Noppe. Karlstraße, Lange Straße, Karl-Marx-Straße, Gaensefurther Straße oder die Hauptstraße haben auch in Zukunft nur „Trödel-Internet“.

Langes Warten am Computer

Wie viele Löderburger kennt er minutenlanges Warten am Computer daheim. Bei nicht wenigen Haushalten seien gute Geschwindigkeiten nur auf dem Papier vorhanden. „Diese sind aber bei weitem nicht verfügbar, da sich mehrere Häuser den Anschluss teilen. Durch die angeblich hohen Geschwindigkeiten haben solche Straßen dann aber keinen Anspruch auf den geförderten Breitbandausbau“, sagt Noah Noppe.

Auch die GlasCom selbst als Netzausbauer gibt dem Löderburger Recht: „Nur ein verschwindend geringer Prozentsatz kommt in Löderburg in den Genuss des Breitbandausbaus – und so ist es im gesamten Salzlandkreis“, so GlasCom-Sprecher Frank Sieweck.

Warum das so ist? Der aktuelle Breitbandausbau findet nur in Bereichen statt, wo überaus geringe Internetgeschwindigkeiten vorhanden sind (weniger als 30 Mbits pro Sekunde). Das müssen Bereiche sein, wo Internetanbieter nie von sich aus ausbauen würden, da dort zu wenig potenzielle Kunden leben und dies unwirtschaftlich wäre. Sprich: Nur die ganz schlecht angebundenen Haushalte sind jetzt an der Reihe. Dort bekommt der Internetanbieter die Förderung von Landkreis, Land, Bund und EU, damit der Ausbau für ihn doch noch rentabel ist.

Ausbau ist Risiko

Ein anderes Beispiel ist Glöthe: Dort war vor dem Ausbau fast das ganze Dorf ein „weißer Fleck“. „Der Fördermittelgeber bestimmt, welche Straßen wir ausbauen und welche nicht“, so GlasCom-Sprecher Sieweck. „Sicher ist das Thema ein Politikum.“ Aus unternehmerischer Sicht sei es ein Risiko, nicht geförderte Bereiche auszubauen. Aus Sicht der Bürger sollten alle Anspruch auf Breitband haben.

Auch in der Drachenschwanzstraße hätten die Löderburger noch keine Bauarbeiten beobachten können, so Noah Noppe aus Löderburg. Die GlasCom erklärte beim Termin letzte Woche, dass sie dort rund 30 schnelle Internetanschlüsse zusätzlich verlege, auch wenn es keine Förderung gebe.

Die Drachenschwanzstraße sei sofort, wenn die mit Förderung bedachten Straßenzüge in Löderburg fertig gestellt, an der Reihe, erklärt Sieweck. „So haben wir es den Kunden in der Drachenschwanzstraße auch erklärt: Zuerst müssen die geförderten Bereiche fertig sein, da wir dort an einen Zeitraum gebunden sind. Aber direkt danach, also Ende 2019/ Anfang 2020, geht es in der Drachenschwanzstraße weiter. Oder die Baufirma hat schon vorher Luft – das können wir noch nicht sagen.“ Ein neuer Anschluss koste viel Geld, die GlasCom nehme aber dennoch auch in der Drachenschwanzstraße den Anschlusspreis wie im Fördergebiet von rund 100 Euro.

Bürger können erfragen, ob und wann oder warum nicht ausgebaut wird.„Wir haben für derlei Nachfragen tatsächlich eine Mail-Adresse eingerichtet“, erklärt Salzlandkreis-Sprecher Marko Jeschor. „Sie lautet breitband@kreis-slk.de.“

Löderburger wie Noah Noppe meinen dennoch: „Wenn man die Ortschaften auch für junge Menschen attraktiv machen möchte, muss man sich als Kommune oder Landkreis mehr einfallen lassen.“