Zu den Motiven der Selbstlos-Stiftung

Die Stiftung erklärt auf der Homepage ihre Arbeit wie folgt:

„Die Stiftung möchte dazu beitragen, dass sich Kunst und kulturelles Leben insgesamt intensiv und vielfältig entwickelt. Unerlässliche Voraussetzung für dieses Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen sich möglichst alle Menschen an diesem kulturellen Leben aktiv beteiligen können. Unerlässliche Voraussetzungen sind auch die Freiheit des Einzelnen und eine demokratische Gesellschaft sowie faire Beziehungen der Staaten untereinander. Nur die Anerkennung der Gleichwertigkeit aller Menschen lässt ein wirklich allgemein zugängliches kulturelles Leben entstehen. Der kulturelle Austausch zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und der Austausch nationaler Kulturen sind ein guter Weg, um den anderen Menschen würdigen zu lernen.“

Die Selbst.Los! Kulturstiftung verfolge dabei ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke.

Staßfurt l „Ein Verstand braucht Bücher, wie ein Schwert den Schleifstein.“ Der amerikanische Science-Fiction-Schriftsteller George R. R. Martin hat mit „Das Lied von Eis und Feuer“ nicht nur die Vorlage für „Game of Thrones“ – eine der erfolgreichsten Fernsehserien der Gegenwart geliefert. Nein, Martin ist auch sonst ein Mann, der das Lesen fördert, die Mitmenschen dazu animiert, dem Geist freien Lauf und die Fantasie entfalten zu lassen. So lässt er seine Charaktere eben zuweilen auch Sätze wie oben sagen. Aus tiefer Überzeugung, dass sie der Wahrheit entsprechen.

Natürlich werden auch Heike Kamrad und Kristin Hacker dem nicht widersprechen. Heike Kamrad schon aus beruflichen Gründen nicht. Schließlich ist sie die Inhaberin des einzigen Buchladens in Staßfurt. Und auch Kristin Hacker als Teamleiterin des Frauenhauses Staßfurt hat eine Affinität zu gedruckten Büchern. Das hat sie zumindest nun unter Beweis gestellt, in dem sie sich mit ihren Mitarbeiterinnen im Frauenhaus an einer Aktion der „Selbst.Los! Kulturstiftung“ beteiligt hat. „Stiftung hat 1 Millon Kinder- und Jugendbücher an einkommensbenachteiligte Familien verteilt: Kinder brauchen Bücher, arme noch viel mehr!“, teilte die Stiftung in einer Pressemeldung im Juni mit.

Die Kulturstiftung wurde 2007 gegründet, seit 2009 nun verteilen die Gründer Annelie Löber-Stascheit und Wilfried Stascheit Kinder- und Jugendbücher. Partner sind dabei Kinder- und Jugendbuchverlage, Buchhandlungen und Auslieferungen.

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Buchhandlung sofort dabei

In Staßfurt lief das so ab: „Wir haben von der Stiftung im Mai eine Mail bekommen, auf die haben wir reagiert“, erzählt Kristin Hacker vom Frauenhaus. Ende Mai meldete sich Hacker dann bei der Buchhandlung „Das gute Buch“ von Heike Kamrad in der Steinstraße. Denn die Buchhändler organisieren den Versand und nehmen die Bücher in Empfang. „Was soll ich da überlegen oder zögern? Natürlich habe ich sofort zugesagt“, sagt Heike Kamrad. Natürlich ist es auch ihr ein Anliegen, dass Kinder Zugang zu Büchern haben.

60 Bücher hat Heike Kamrad im Juni bekommen, die sie dann an das Frauenhaus weitergereicht hat. „Die Bücher sind breit gefächert. Es sind Malbücher, Geschichten und Bastelanleitungen darunter“, sagt Kristin Hacker. Die Bücher richten sich also an Kinder unterschiedlichen Alters. „Die Bücher werden wir zu bestimmten Anlässen wie Geburtstagen oder Festen verschenken. Es soll ja etwas Besonderes sein.“

Die Idee, Bücher zu verschenken, kam der Stiftungsgründerin und Vorstandsvorsitzenden Annelie Löber-Stascheit, weil sie selbst Verlegerin ist. „Bücher werden entsorgt wie Lebensmittel“, sagt sie. „Sie werden verramscht und weggeworfen.“ Die Bücher-Aktion begann bei Tafeln in Baden-Württemberg in kleinem Rahmen. „Das ist sehr gut angekommen. Innerhalb kürzester Zeit haben wir 1000 Pakete verschickt.“

Immer Neuware

Wichtig ist: Es handelt sich dabei ausschließlich um Neuware, keine abgegriffenen Bücher. Die Lektüre hat zudem einen festen Einband. Das ist möglich, weil große Verlage mit der Stiftung zusammenarbeiten. Wenn ein neues Titel-Blatt erscheint oder eine neue Auflage eines Buches, wird der bisherige Bestand auch an die Stiftung gegeben. Natürlich ungelesen. „Die Verlage haben verstanden, dass es wichtig ist, Kinder an Bücher heranzuführen. Das ist eine Investition in die Zukunft. Wir haben große Unterstützung durch den Verband“, sagt Annelie Löber-Stascheit. Sie betont, dass das keine Marketing-Aktion ist. Es geht um echte Bedürfnisse und Verbesserung von Lebensumständen beziehungsweise den Zugang zu kulturellen Angeboten. Und vor allem Kinder sollen profitieren.

In Magdeburg sei die Tafel bereits bei der Aktion dabei, in Staßfurt ist das Frauenhaus die erste Organisation, die das Angebot nutzt. „Es spricht sich immer mehr herum. Die Idee funktioniert, aber das ist nicht überraschend. Denn sie ist gut“, sagt Löber-Stascheit und lacht. Nun hat sie tatsächlich ihre eigene Idee gelobt. Löber-Stascheit prüft dabei jedes Buch, das sie bekommt. „Es sind immer unterschiedliche Titel“, erklärt sie. 60 Bücher kommen ungefähr in jede Box, das Packen übernimmt eine Werkstatt.

Mittlerweile geht die Aktion auch über das bloße Verteilen von Büchern hinaus. „Wir haben auch Merchandising-Produkte von den Verlagen, die wir verteilen“, so Löber-Stascheit. Stifte oder Regenschirme seien darunter. So etwas bekommt die Stiftung zum Beispiel, wenn die Rechte ausgelaufen sind.

In Staßfurt hat Kristin Hacker beim Frauenhaus bisher drei Bücher verteilt. Ein paar Bücher werden wohl im Frauenhaus bleiben, der Rest wird verschenkt. Erst jetzt steht wieder der Auszug eines Mädchens mit ihrer Mutter an. „Sie wird dann etwas Besonderes bekommen“, sagt Hacker. Nämlich ein Buch. So macht das Team des Frauenhauses den Kindern in einer schweren Lebenslage eine kleine Freude.

Weitere Zusammenarbeit?

Und vielleicht ist das auch der Beginn einer weiteren Zusammenarbeit zwischen Buchladen und Frauenhaus? Denn Kristin Hacker war schon öfter mal im Laden, aber Kooperationen gab es bisher noch nicht. Zumindest in den fast 15 Jahren, die Kristin Hacker mittlerweile beim Staßfurter Frauenhaus arbeitet. „Für uns ist auch eine Premiere“, sagt Heike Kamrad. „Wir waren am Anfang skeptisch. Dann habe ich mich aber im Internet informiert und war begeistert.“

Sympathisch waren sich Kristin Hacker und Heike Kamrad auf alle Fälle. Was vielleicht auch am Horoskop liegt. „Sie sind auch Widder?“, fragt Hacker die Inhaberin des Buchladens und lacht. Ja, ist sie. Widder sollen selbstbewusst, abenteuerlustig und unabhängig sein. Sie sind als kämpferisch und willensstark bekannt. Zu ihren Eigenschaften zählt die Zielstrebigkeit und die Ehrlichkeit. Das sind doch gute charakterliche Voraussetzungen für zwei starke Frauen.