Staßfurt l Sven Wagner ist von Berufs wegen natürlich handyaffin. Diese Frage muss der Oberbürgermeister einfach gleich im schnellen Praxistest selbst beantworten. Es ist also nicht unhöflich, wenn das Oberhaupt der Stadt Staßfurt bei der Frage, ob der Staßfurt-Melder eigentlich auch auf dem Smartphone ohne App gut funktioniert, das digitale Endgerät aus der Tasche zieht und selbst nachschaut. Ein Bedienfeld für den Text, daneben das Symbol, um Dateien hochzuladen. Ein Klick, zwei Klicks, das Gesicht strahlt. „Das funktioniert wunderbar“, sagt Wagner und dreht das Handy zum unmittelbaren Beweis herum.

Ja, in Staßfurt gibt es seit Anfang 2016 den sogenannten Staßfurt-Melder. Auf Drängen von Wagner selbst wurde dieses Instrument damals eingeführt. Seitdem können die Bürger auf dem Stadtportal auf schnellem Wege defekte Beleuchtungen, illegal abgelagerten Müll oder kaputte Gehwege melden. Dazu gibt es die Option, gleich ein Bild mit hochzuladen. Der Sinn dahinter: Den bürokratischen Meldeaufwand verringern, um die Anfrage gleich in den richtigen Kanal zu lenken und den Bürgern umständliche Wege über Telefonate oder den persönlichen Gang zur Stadtverwaltung zu ersparen.

Drei Jahre sind um. Wie läuft es? Was schon 2016 galt, gilt auch 2019. „Das ist ein sehr guter Kanal und ein Gewinn für den Bürger“, sagt Sven Wagner. „Es ist relativ einfach zu bedienen, barrierearm und auch außerhalb der Sprechzeiten nutzbar. Sogar um einen persönlichen Rückruf kann gebeten werden.“ Und das macht sich eben auch in den Zahlen der Nutzung bemerkbar. So gab es im gesamten Jahr 2017 noch 259 Hinweise über den Staßfurt-Melder, 2018 waren es schon 428 (siehe Grafik). Tendenz weiter steigend. „Der Bürger findet einfacher Gehör, die Abarbeitungskette läuft schneller und geordneter. Das ist transparenter“, so Wagner.

App denkbar

Trotzdem kann das Produkt nie perfekt sein. Eine App? Gibt es nicht. Und ist auch nicht in unmittelbarer Planung. „Das muss auch zweckmäßig und sinnvoll sein. Grundsätzlich ist das aber denkbar“, sagt Wagner. „Es gab schon mal Gespräche mit Drittanbietern, aber die App muss auch gepflegt werden“, erklärt Julia Föckler, Referentin des Oberbürgermeisters. „Wir haben nicht so viel Geld dafür, wir bräuchten einen Drittanbieter. Uns hat abgeschreckt, dass es so werbelastig ist.“

Genutzt wird der Melder aber nicht nur von Bürgern, sondern auch von den Ortsbürgermeistern. „Ich nutze es regelmäßig. Ich erreiche die Verwaltung relativ schnell und hole mir immer die Rückversicherung durch eine Bestätigungsmail“, sagt Förderstedts Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU). „Dann kann ich immer noch nachfragen.“ Er verknüpft den Melder sogar mit einem Aufruf. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Bürger sofort über den Melder melden“, so Rotter. Natürlich gibt es Sprechstunden mit dem Bürgermeister und Ortschaftsratssitzungen, aber es muss nicht immer bis dahin gewartet werden, so der Appell.

Vier Tage Frist

Intern gibt es bei der Staßfurter Stadtverwaltung die Vorgabe, dass innerhalb von vier Tagen eine Reaktion auf die Meldung kommen soll. Erledigt heißt dann aber nicht immer, dass das Problem sofort behoben ist. Oft ist die Stadt nicht zuständig, dann werden der Landkreis, die Stadtwerke oder die Straßenmeisterei ins Boot geholt, die Meldung an diese Stellen weitergeleitet. Eine Antwort der Stadt erfolgt immer, dauert aber manchmal doch länger als es manchem Bürger lieb ist. „Wir haben es noch nicht erreicht, innerhalb kürzester Zeit die Meldungen abzuarbeiten“, gibt Wagner zu. Die Verwaltung arbeitet an sich.

Peter Rotter stört hingegen ein wenig, dass der Bürger nicht konkret informiert wird, wann wie etwas gemacht wird. „Wenn ich zum Beispiel eine kaputte Straßenlaterne melde, wäre es nicht nur hilfreich zu wissen, dass das Problem bearbeitet wird, sondern wann. Zum Beispiel wäre die Antwort gut, dass der nächste Termin in 14 Tagen ansteht“, erklärt er. „Das wäre noch informativer und interessanter. Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden.“