Gänsefurth/Staßfurt l Eine ungewöhnliche Geschichte mit einer gehörigen Prise Humor ereignete sich am Mittwochmorgen in Staßfurt. Bei einer Betriebsversammlung hatte Torsten Haubold mit seinen Busfahrern am Firmenstandort Gänsefurth die aktuelle Lage besprochen: Die Busfahrer bleiben auch ohne Arbeit angestellt, während das Unternehmen Mendorf aus Aschersleben nun Bus in Staßfurt, Egeln und Hecklingen fährt. Danach machten sich die Busfahrer gegen 9 Uhr spontan auf und fuhren in Kolonne mit etwa zehn Bussen zum Neumarkt.

Demonstrative Pause auf dem Neumarkt

Schon unterwegs wurde der auffällige Trupp durch lautes Hupen anderer Fahrer begleitet. Auf dem Neumarkt legten die Fahrer eine demonstrative Kaffeepause ein: „Wir haben ja zur Zeit nichts zu tun“, sagte ein Busfahrer. „Aber wir wollen einfach mal zeigen, dass wir noch da sind und die Hoffnung nicht aufgeben.“

Zwar behalten sie ihren Arbeitsplatz. „Aber es ist langweilig und tut gerade weh“, sagte ein anderer Busfahrer auf dem Neumarkt. „Man kann doch nicht einfach eine ganze Firma kaputt machen.“

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Unterdessen hatte man von offizieller Seite zu 10 Uhr auf den Busbahnhof nach Staßfurt zu einem Pressetermin eingeladen. Dort wollten die Salzlandkreisverwaltung und die Kreisverkehrsgesellschaft KVG das Unternehmen Mendorf Reisen aus Aschersleben vorstellen, das seit 1. August im Altkreis Staßfurt Bus fährt.

Hupen beim offiziellen Termin

Damit hatte man sich aus Staßfurter Sicht gegen Haubold entschieden. Und so erklärt sich auch, was dann passierte: Die Fahrer von Haubold lenkten ihre Busse nacheinander über den Busbahnhof und direkt an der kleinen Ansammlung von Journalisten und Offiziellen vorbei. Es wurde laut gehupt. Etwa eine halbe Stunde lang wurde die Vorstellung des Ascherslebener Unternehmens lautstark unterbrochen. Vertreter von KVG und Kreisverwaltung hielten immer wieder inne, weil das eigene Wort nicht zu verstehen war.

So kam es beim Pressetermin zwangsläufig zum Thema Haubold. Warum darf er nicht weiterfahren? Wegen der Rechtsstreitigkeiten zwischen Haubold sowie KVG und Salzlandkreis lässt man das Ascherslebener Unternehmen zunächst zwei Monate befristet in Staßfurt und Co. fahren, hieß es.

Fragen an Verantwortliche

Warum durfte Haubold dann nicht in diesen zwei Monaten übergangsweise weiterfahren? Janko Wilke von der KVG antwortet: Das habe man im Aufsichtsrat der KVG so abgesprochen. Thomas Michling von der Kreisverwaltung verweist auf die laufenden Verfahren, zu denen man sich generell nicht äußern könne.

Für die Übergangszeit, bis der Rechtsstreit geklärt sei, habe man Mendorf Reisen angefragt, ob sie in dieser Zeit fahren könnten. Dazu wurde eine beschleunigte Interimsvergabe und eine Art Vertrag gemacht.

Zur Erklärung: So einen Vertrag hätte man mit jedem der anderen Mitbieter um die Staßfurter Linien schließen können, auch mit Haubold. Warum Haubold für die Übergangslösung gar nicht mehr in Frage kam, beantwortete Wilke mit: „Zu den Details will ich nichts sagen“. Auf die Frage, ob Haubold nicht hätte weiterfahren können, hieß es: „Zu unseren Bedingungen nicht.“

Neue Firma braucht Auftrag

Warum Mendorf Reisen nun Buslinien im Altkreis Staßfurt bedient, erklärte Firmeninhaber Mike Schubert: Man sei seit 2013 in der Busreisebranche und durch Corona hätten seine Mitarbeiter „weniger zu tun gehabt als bisher.“ Da unklar war, wie lange sich die Pandemie noch ziehe, habe er weitere Betätigungsmöglichkeiten für sein Unternehmen gesucht und die Ausschreibung der Staßfurter Linien sei eine Möglichkeit gewesen, „meine Mitarbeiter zu schützen“, sprich Arbeitsplätze und den Betrieb zu erhalten. Michling von der Kreisverwaltung fügte hinzu, dass es um „die Stärkung des Mittelstandes“ gegangen sei.

Den Start der Firma Mendorf Reisen auf den Staßfurter Linien bezeichnete Wilke als „weitgehend reibungslos“. Auf Nachfrage der Volksstimme zu mehreren Fahrgastbeschwerden (siehe Artikel unten) räumte Michling vom Salzlandkreis ein, dass es fünf Probleme am Montag im Buslinienverkehr gab.