Staßfurt l Wenn Dolores und Hans-Peter Langewald in der Charlottenstraße 41a vor ihre haustür schauen, trifft sie „das Entsetzen“. „Wir mussten feststellen wie eine Firma an den Bäumen entlang der Straße komplett die Kronen entfernte - und das wo doch gerade das saftige Grün sprießt“, schreibt das Staßfurter Paar an die Volksstimme-Redaktion. Auch Eva Tillack meldet sich am Telefon. Sie wohnt ebenfalls in der Charlottenstraße. „Die Bäume haben gerade angefangen zu blühen und jetzt diese Radikalkur. Es stehen nur noch Stumpen. Das sieht schlimm aus.“ Bis auf die Stämme seien viele Bäume zurückgeschnitten.

Die Anwohner fragen sich, ob das alles sein darf und vor allem, ob der Schnitt fachgerecht vorgenommen wurde. Immerhin stecke man mitten in der Vegetationsphase. Außerdem hätten sie beobachtet, dass Vögel bereits begonnen hätten zu nisten. „Eine Anfrage beim Naturschutzbund Magdeburg bestätigte meinen Verdacht, dass diese Maßnahme in der Schonzeit nicht durchgeführt werden dürfte“, schreibt die Hans-Peter Langewald. Es sei denn nur mit Sondergenehmigung zur Gefahrenabwehr. „Das kann ja wohl hier nicht der Fall sein kann.“

Gefahrenabwehr

Auftraggeber für die Arbeiten sind die Stadt und die Stadtwerke. Sie teilen auf Nachfrage mit, dass es sich allerdings genau um Gefahrenabwehr handele. Dass alles erst jetzt ausgeführt werden könne, habe auch mit den Wettereskapaden im Frühjahr zu tun gehabt.

Torsten Beyer, Bereichsleiter Technik bei den Stadtwerken, erklärt, dass der Baumschnitt in der Charlottenstraße zunächst als Auftrag der Stadtwerke geplant gewesen sei. „Dabei ging es um das Ausästen der Niedrigspannungsfreileitung.“ Schon seit dem Herbst hätte der kommunale Versorger bemerkt, dass die Gehölze gefährlich nah an den Leitung stehen. Bei starkem Wind habe es immer wieder Kontakt geben. Gefahr war also im Verzug. Daneben hätten die Stadtwerke auch den Auftrag zur Sicherstellung der Stromversorgung.

Verzögerung

Die Stadt wiederum hat sich an die Maßnahme „dran gehängt“. Weil eine Firma beauftragt gewesen ist, habe man gleichzeitig auch die sogenannte Herstellung des Lichtraumprofils vorgenommen. Also Gefahrenabwehr bezogen auf die Verkehrssicherung. Denn durch die Pflege soll verhindert werden, dass Fahrzeuge oder Personen von auf Fahrbahn oder Fußweg ragende Äste beeinträchtigt werden. Torsten Beyer berichtet, dass die Stadtwerke eine Genehmigung des Salzlandkreises dafür hätten, Ausästungsarbeiten an bestimmten Freileitungen bis Ende März ausführen zu lassen. Inzwischen ist fast Ende April! Der Bereichsleiter erklärt: „Aufgrund der Sturmschäden durch Orkan ‚Frederike‘ vom 18. Januar haben sich alle geplanten Baumpflegearbeiten um rund sechs bis acht Wochen verschoben.“ Wegen der Unwetter gab es eine Vielzahl von Aufträgen aus öffentlichen wie privaten Bereichen. So sei es auch schwer gewesen, Fachfirmen zu finden. Das sei mit Wartezeiten verbunden gewesen. Somit hätten die Arbeiten im Rahmen der Gefahrenabwehr in der Charlottenstraße erst jetzt erledigt werden können. Im Übrigen gelte, so Torsten Beyer, dass Verkehrssicherungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu jeder Zeit zulässig und notwendig seien.

Fachfirma

Das bedeute allerdings aber nicht, dass es keine Regeln gebe. Auch darum hätten sich die Auftraggeber gekümmert. So habe es vor Beginn der Arbeiten eine Sichtkontrolle auf Brutstellen an den Bäumen gegeben. Zu diesem Zeitpunkt habe es zudem zwar Blattbildungen an den Gehölzen gegeben. Eine Blüte sei allerdings nicht vorhanden gewesen. Auch bei der Durchführung des Schnittes sei alles mit rechten Dingen zugegangen, erklärt Torsten Beyer. Stadtwerke Staßfurt und Stadt Staßfurt würden nur Fachfirmen für das Ausästen von Bäumen und Sträuchern beauftragen. Es sei sichergestellt, dass fachgerecht gearbeitet werde und Firmen auch Nachweise über Qualifizierungen und Zertifizierungen hätten. „Die Einkürzungen der Wassertriebe erfolgten fachgerecht auf alte Schnittstellen“, so der Bereichsleiter der Stadtwerke.

Bei einigen Anrainern der Charlottenstraße bleibt trotzdem nur Kopfschütteln. Wenn es zu Verzögerungen gekommen sei, dann hätte man jetzt sensibler sein müssen, meinen unsere Leser. „Ein Privatmann hätte sich das nicht so ohne weiteres erlauben dürfen, ohne dabei mit Sanktionen von Behörden zu rechnen“, sagt Eva Tillack. „Offensichtlich hat man ind er Stadt zu viel Geld.“