Staßfurt/Atzendorf/Unseburg l Wegen Gerüchten um aktuelle Verkaufsgespräche zwischen der Ciech Soda in Staßfurt und mehreren Landwirten luden die Kommunalpolitiker von Förderstedt einen Vertreter des Unternehmens zum Ortschaftsrat kürzlich nach Atzendorf ein.

Die Ciech Soda Deutschland baut aktuell ein neues Absetzbecken. Es liegt im südlichen Bereich des großen Absetzbeckens zwischen Unseburg und Atzendorf, das mit seiner weißen Flächen von weitem sichtbar ist. Bauarbeiten laufen seit 2018. Der Aushub wird in die alte Marbekiesgrube gefahren, die direkt an der Landstraße zwischen Atzendorf und Kreisverkehr Lust liegt.

Ersatz und Ausgleich

Im Ortschaftsrat Förderstedt erklärt die Werksleitung: „Wir haben Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu tätigen.“ Die Flächen, die von der Soda jetzt gekauft werden, seien zum einen Flächen für das neue Becken und zum anderen Flächen zum Tausch und für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.

Der Tausch: Die Ciech Soda muss den Landwirten im Tausch für die Absetzbecken-Fläche andere Flächen anbieten können. Die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen: Für den Bau des neuen Beckens muss der Konzern zusätzlich noch Naturflächen einrichten, Bäume anpflanzen und so weiter, um den Eingriff in die Natur „auszugleichen“. Auf der Suche nach solchen Flächen sei man auch im Kontakt mit dem Oberbürgermeister der Stadt Staßfurt.

Vor einigen Wochen habe ein Termin stattgefunden, wo die Ciech Soda dem Landesverwaltungsamt ihre genauen Pläne vorgestellt habe. Eingeladen waren auch anderen Behörden, die sich mit Naturschutz oder Wasserrecht befassen. Dabei wurden von den Behörden die üblichen Anforderungen gestellt, die der Konzern jetzt ausarbeiten muss.

Termin mit Behörden

Die Stadt Staßfurt wird von den übergeordneten Behörden bei solchen Terminen generell nicht eingeladen, da das Vorhaben nicht in ihrer fachlichen Zuständigkeit liegt.

Im Januar habe die Ciech Soda alle Pächter der Äcker im Umfeld des Absetzbeckens eingeladen und informiert.

„Aus diesem Grund wird wahrscheinlich im Volksmund der Fehler aufgetaucht sein, die Soda kaufe 300 Hektar, um eine so große Halde zu errichten. Das ist schlicht und ergreifend falsch“, so der Ciech-Vertreter. Im aktuellen Verfahren um das neue Absetzbecken gehe es um eine Gesamtfläche von weniger als 175 Hektar. Diese große Hektarzahl betreffe aber bereits den Flächenbedarf für die ferne Zukunft, wo weitere Absetzbecken entstehen sollen. Aktuell in der Genehmigungsphase und Vorbereitung sei nur ein Becken.

Ton als guter Untergrund

Die Werksleitung spricht von einer „guten geologischen Struktur“. Im Untergrund des neuen Beckens sei „Ruppelton“als Bodenschicht, der „als Abdichtung fungiert, sodass dort keine salzhaltigen Abwässer in den Untergrund gelangen können“ und der „ausreichend sicher“ ist. Dies habe das Unternehmen durch geologische Gutachten bestätigen können, wofür „tief“ in den Untergrund gebohrt wurde. Unter das neue Absetzbecken werde eine „Basisabdichtung“ eingebaut.

Zum Bau des neuen Absetzbeckens müsse die Ciech Soda den Behörden ein Konzept vorlegen, wie sie den dortigen Kies und Kalkstein darunter verwerte, so die Werksleitung. Man müsse so arbeiten, dass man möglichst wenig Aushub bewegen muss. Der Aushub werde in die alte Kiesgrube gebracht, die danach wieder der Natur zugeführt wird - das hatte das Landesamt für Geologie festgelegt.

Das 15 Grad-Gefälle des pyramidenartigen Aufbaus der Absetzbecken sorge für die statische Sicherheit.

Höhe der Becken

2018 gab es im Gemeinderat in Unseburg Unmut über angebliche Höhen des aktuellen Absetzbeckens. Die Werksleitung präzisiert das im Ortschaftsrat Förderstedt: Man werde das aktuelle Absetzbecken nur um drei Meter erhöhen. Dieser Schritt habe sich ergeben durch zwischenzeitliche Änderungen der Vorschriften, Gutachten und behördlichen Prüfungen.

Auf den ehemaligen Absetzbecken am Werk wüchsen in dieser Region seltene Trockenhölzer wie Birken, so der Ciech-Vertreter. Solche Pflanzen, die den Stand der Halde festigen, sollen auf jedem Absetzbecken entstehen, das außer Betrieb geht.

Die Sodaproduktion sei „eng gekoppelt“ an die Absetzanlagen, sprich es gibt aktuell technisch keine andere Möglichkeit der Abwasserbehandlung.