Cochstedt l Der Donnerstagmittag eingestürzte Anbau des Passagierterminals des Verkehrsflughafens Cochstedt durfte schon seit Jahren nicht mehr genutzt werden. Das teilte die Landkreisverwaltung nach Bekanntwerden des Vorfalls auf Anfrage der Volksstimme mit.

Gebäude war nicht sicher

„Die Bauaufsichtsbehörde hatte dem damaligen Eigentümer des Flughafengebäudes eine Nutzungsuntersagung für diesen Bereich ausgesprochen“, sagte der Sprecher der Landkreisverwaltung Marko Jeschor und fügte hinzu: „Grundlage dafür war ein Gutachten zur Standsicherheit.“ Die darin festgestellten Mängel seien jedoch nicht beseitigt worden. Dadurch sei die Sperrung des Gebäudes bis zuletzt bestehen geblieben.

Das Objekt war 2011 als Vor-aussetzung für die Aufnahme des Passsagierverkehrs mit der irischen Billigfluggesellschaft vom damaligen Besitzer Peter Solbeck errichtet worden. Es wurde 2015 letztmalig zur Abfertigung von Flugpassagieren genutzt und stand seit dem leer.

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„Man kann davon ausgehen, dass die Halle abgetragen wird“, sagte Andreas Schütz, der Pressesprecher des neuen Besitzers des Verkehrsflughafens, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Zurzeit laufen die Untersuchungen zur Ursache“, teilte er weiter mit. Hecklingens Stadtwehrleiter Heinz Broda hatte einen technischen Defekt für den Einsturz der Leichtbaukonstruktion verantwortlich gemacht. Die Ortsfeuerwehren der Stadt Hecklingen waren nach dem Einsturz von der Rettungsleitstelle des Salzlandkreises zur Unglücksstelle beordert worden. Sie waren mit insgesamt 18 Kameraden ausgerückt. Menschen kamen bei dem Einknicken der Halle nicht zu Schaden.

Einsturz des Terminals geprobt

Ganz anders sah das im Oktober 2012 aus. Da führte der Salzlandkreis auf dem Flughafengelände mit insgesamt 566 Mitwirkenden die Katas-trophenschutzübung „Ikarus“ durch. Daran nahmen Feuerwehren, das DRK, der ASB, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), die Bundeswehr und die Notfallseelsorge/Krisenintervention teil.

Damals wurde als Szenario angenommen, dass ein Flugzeug, das sich im Landeanflug auf den Flughafen Cochstedt befand, wegen eines technischen Defektes nicht mehr bremsen konnte und in das Passagierterminal gerast war. Bei diesem „Unfall“ gab es einen Massenunfall von zirka 82 Verletzten.

Die Einsatzübung diente zum Erkennen von Fehlern und Schwachstellen, um diese analysieren und beheben zu können. „Da lief einiges nicht wie gewünscht, machte die Analyse deutlich, die sachlich-kritisch, aber nicht vorwurfsvoll ist“, schätzte der damalige Landrat Ulrich Gerstner (SPD) ein. So schilderte eines der Unfallopfer, dass es anderthalb Stunden auf den Erstkontakt mit einem Retter warten musste. Und dann sei auch das Verbandsmaterial aufgebraucht gewesen, um ihre Kopfplatzwunde versorgen zu können. Eine Schlussfolgerung der Übung war, dass in der Realität bei einer derartigen Schadenslage weder genügend Notärzte noch Rettungsmittel zur Verfügung stehen, so dass eine überkreisliche Hilfe unabdingbar ist.