Bernburg/Löderburg/Staßfurt l Dass die Behörden sensibilisiert sind und ein Auge auf die Einhaltung der Corona-Regeln haben, zeigen die Ereignisse um eine kürzliche Veranstaltung im Staßfurter Raum. Mit 750 von 800 erlaubten Besuchern feierte Veranstalter Chris Peterka am 5. September das DJ-Event „SeeGeflüster“ am Löderburger See. Trotz hoher Hygieneauflagen wie aufgemalte Tanzbereiche, Aufpassern und ständiger Durchsagen landete die Party auf den Schreibtischen der Ämter.

Fotos aus dem Internet ausgewertet

Zuerst beim Ordnungsamt der Stadt Staßfurt. Dieses erklärte nach der Veranstaltung: Es habe zwar nur Bürgerbeschwerden zur Lautstärke und nicht wegen Nicht-Einhaltung der Corona-Regeln gegeben, dennoch schaute man genauer hin. Es heißt: „Bei einer internen Auswertung der Veranstaltung sind wir im Internet ebenfalls auf Fotos und Videos der Veranstaltung gestoßen“.

Diese Fotos hätten Verstöße gegen die Eindämmungsverordnung vermuten lassen. Das Ordnungsamt leitete die Sache an das zuständige Gesundheitsamt des Salzlandkreises weiter und hat dort „um Prüfung gebeten.“

Bis heute ist beim Veranstalter Chris Peterka aber kein Bescheid eingegangen: „Die Behörden haben auf den Fotos keine Nachweise für Verstöße gefunden, denn wir haben uns an alles gehalten und es hat auch keinen Corona-Fall danach gegeben.“ Das Verfahren werde im Sande verlaufen sein. Immerhin sei auch die Polizei stündlich beim Event vor Ort gewesen und hätte bei Verstößen eingegriffen.

Mehrere Vorgänge zu Veranstaltungen

Beim Gesundheitsamt in Bernburg sind bereits einige Fälle in Bearbeitung was Veranstaltungen im Salzlandkreis betrifft. „Es gab mehrere Bußgeldverfahren, die unsererseits eingeleitet wurden“, so Vize-Landrat Thomas Michling. „Auch der Fall aus Staßfurt ist uns bekannt.“

Landrat Markus Bauer (SPD) äußert sich zum Thema Veranstaltungen und Corona eindeutig: „Man muss als Bürger solche Fälle auch anzeigen. Anonym Bilder zu schicken, reicht nicht aus.“ Der Landrat fordert hier Konsequenz: Wer Verstöße seiner Mitbürger kritisiert, müsse dies dann auch bei den Ämtern anzeigen.

Auch was Quarantäne und Co. angeht, kündigt der Salzlandkreis hartes Durchgreifen an. Denn im Landratsamt Bernburg sieht man nicht nur das eigene Gesundheitsamt bei Corona in der Pflicht, sondern mindestens genauso jeden einzelnen Bürger.

Scharfe Regeln gelten sowohl für Infizierte als auch deren Kontaktpersonen – die der Kategorie 1, die mindestens 15 Minuten engen Kontakt mit einem Infizierten hatten. Für beide Personengruppen ordnet das Gesundheitsamt im Salzlandkreis immer vorsorglich häusliche Quarantäne sowie den Corona-Test an. „Die Anordnung erfolgt zunächst mündlich, später auch schriftlich“, so der Sprecher des Salzlandkreises Marko Jeschor. So eine Anordnung sei keine beliebige Empfehlung. Kontaktpersonen müssen zuhause bleiben und dürfen auch keinen Besuch empfangen.

Bußgeld auch für Kontaktpersonen

Für Personen in Quarantäne kündigt der Landkreis an, ernst zu machen und auch Kontrollen durchzuführen. „Bei Verstößen drohen nach der aktuell gültigen Eindämmungsverordnung der Landesregierung Bußgelder bis zu 25 000 Euro. Sollte ein solcher Fall bekannt werden, werden wir ein entsprechendes Verfahren gegen die Person einleiten“, sagt Marko Jeschor. Über 200 Personen im Salzlandkreis waren dieser Tage zu Hause isoliert.

Während der Quarantäne wird sogar der Corona-Test für Kontaktpersonen vom Gesundheitsamt organisiert: „Dabei wird ein Termin bei einem Vertragsarzt vereinbart und die Beförderung der Person geklärt“, so Sprecher Jeschor. Wenn der Betroffene nicht fahren kann, kommt das Gesundheitsamt sogar vor Ort für den Abstrich.

Die Quarantäne folgte auch für einige Teilnehmer jener Reisegruppe, die kürzlich aus Tschechien mit dem Bus zurückkam und in ganz Sachsen-Anhalt für Schlagzeilen sorgte. Nach Ende der Reise lagen dem Gesundheitsamt erst zwei positive Fälle vor, dann meldete man zehn Infizierte und es folgten mindestens sieben weitere Infizierte, die Kontakt zu den Reisenden hatten.

Reisegäste sollen im Bus Maske getragen haben

Konsequenzen folgten für das Reiseunternehmen keine. Tschechien war zum Zeitpunkt der Reise auch noch kein Risikogebiet. „Grundsätzlich können wir von Amtswegen keine Busreisen untersagen“, so Landkreissprecher Jeschor. Dem Gesundheitsamt hatten die Reiseteilnehmer bei der Aufarbeitung der Fälle erklärt, „dass Masken während der Fahrt getragen worden sind“, so Jeschor. Letztendlich könne man nicht sagen, ob sich die Urlauber gegenseitig im Bus ansteckten oder sich in Tschechien angesteckt haben.

Einige der Rentner, die mitgereist waren, mussten später ins Krankenhaus, da es ihnen zunehmend schlechter ging.

Auch wenn hinter solchen Reisen zum Beispiel Busunternehmen stehen, denen wirtschaftliche Nachteile durch die Corona-Flaute drohen – für den Salzlandkreis geht etwas anderes vor. Landrat Markus Bauer lässt keine Gelegenheiten aus, an die Bürger zu appellieren: „Wir können die aktuelle Pandemie mit Blick auf wieder steigende Infektionszahlen nur meistern, wenn wir uns alle unserer Verantwortung für die eigene Gesundheit und die der anderen bewusst sind. Die Regeln – Abstand halten, Maske tragen, die allgemeinen Hygieneregeln sowie das regelmäßige Lüften – sollte jeder jederzeit beherzigen. Priorität hat der Schutz der Gesundheit unserer Bürger.“