Staßfurt l Überwiegend negative Erfahrungen haben die Bürger mit der Vergabe der Impftermine auf digitalem Wege gemacht. Als hätte er aber einen Hauptgewinn für seine Mutter, meldete sich am Montag Peter Früchtel am Telefon.

Auch er hat nach zweimaligem Scheitern nun einen Termin in Merseburg – von einem Callcenter in Berlin vermittelt bekommen. Genauer gesagt, sogar zwei – für den 27. Januar den ersten und für die zweite Impfung dann am 18. Februar den zweiten. Er und seine 80-jährige Mutter seien jedenfalls froh.

Dass angesagt oder angezeigt werden sollte, wann wieder freie Termine verfügbar sind, fordert Hans-Werner Stille. Der Einwohner von Glöthe hatte es – wie in der vergangenen Woche schon – gestern weiter versucht. „Und es ist immer noch so katastrophal wie letzte Woche. Das war doch von Anfang an ausgebucht“, mutmaßt Stille. „Warum werden die 80-Jährigen nicht einfach angeschrieben?“

Fassungslos ist auch Karl Seidel aus Förderstedt. Auch er wollte sich einen Impftermin organisieren. „Da klappt nichts. Ich komme nie durch oder lande irgendwo anders. Das ist eine Sauerei“, schimpft der über 80-Jährige.

Eine Frau aus Staßfurt berichtet, dass bei ihrer Tochter im Landkreis Stendal die Senioren angeschrieben werden. „Warum geht das bei uns nicht?“, fragt sie. „Für uns ist es derzeit aussichtslos, einen Termin zu bekommen.“

Lebensmittel reichen

„Total erschüttert, wie das läuft“, ist Hans Wendel aus Förderstedt. Er könne das „einzige Chaos nur bestätigen“. Er sei an der Hotline bis zum Hausarzt verwiesen worden. Diesen Weg werden er und seine Frau nun wohl auch wählen, um zur Impfung zu kommen, selbst wenn es noch ein paar Wochen dauere. „Wir sind gut ausgerüstet. Unsere Lebensmittel reichen ein Vierteljahr. Dann werden wir eben ein paar Wochen keinen Kontakt mehr pflegen“, so der über 80-Jährige. Zuversichtlich stimmt den Förderstedter derweil, was eine Bekannte vom Impfzentrum Staßfurt mitgebracht habe, die sehr angetan von der Arbeit dort gewesen sei. „Wir sollen uns beruhigen“, zitiert Wendel. Erstmal klappe es dort gut mit dem Ablauf. „Und Termine sollen in ein paar Wochen auch von hier aus schriftlich vergeben werden. Und dann bald auch von Hausärzten.“

Bestätigt ist dazu offiziell, dass man daran arbeite, die „Termine unbedingt selbst zu vergeben, um den Impftourismus zu unterbinden“, wie Zentrumsleiter Frank Knöppler gern wiederholt. Froh sei man auf jeden Fall über die relativ hohe Bereitschaft aus Bevölkerung, Ärzteschaft und medizinischem Personal, das Impfzentrum personell zu unterstützen. Seit Montag und bis Ende März sind zudem acht Bundeswehrsoldaten vor Ort, um bei der Verwaltungsarbeit zu helfen. Auch dafür ist Knöppler sehr dankbar.