Hecklingen l Eine Person im Hecklinger Rathaus wurde nach Volksstimme-Informationen positiv auf das Coronavirus getestet. Seit Ende der vergangenen Woche ist sie nicht mehr im Dienst. Dienstag soll sie noch an einer öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses im Sitzungssaal des Rathauses dabei gewesen sein. Alle Teilnehmer trugen Masken.

Der Landkreis zieht jetzt die Konsequenzen. „Für 19 Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat Amtsärztin Heike Leonhardt auf Grundlage der vorliegenden Kontaktlisten und Beschreibungen häusliche Quarantäne für die nächsten zwei Wochen anordnen müssen“, teilt die Landkreisverwaltung in einer Pressemeldung zur aktuellen Corona-Situation am Freitagnachmittag mit. Nicht in häusliche Quarantäne begeben müssen sich der Meldung aus Bernburg zufolge vier Mitarbeiter, die nicht im Dienst waren, sowie Stadtratsmitglieder, die in der vergangenen Woche in der Verwaltung Termine hatten.

In der Mitteilung steht weiter, dass eine Mitarbeiterin Anfang der vergangenen Woche getestet wurde. „Sie ging den Angaben zufolge trotz Krankheitssymptomen bis zum Vorliegen des positiven Ergebnisses weiterhin ihrer Arbeit nach“, heißt es.

Der Bürgermeister der Stadt Hecklingen Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen) selbst befindet sich seit Anfang der Woche im Krankenstand. Seiner Auskunft nach besteht aber kein Zusammenhang mit dem Corona-Fall. Epperlein nahm auch nicht an der Hauptausschusssitzung teil.

Seine Stellvertreterin war in der vergangenen Woche Marion Strecker. Sie machte am Donnerstag im Gespräch mit der Volksstimme auf die schwierige Lage aufmerksam. Viele Kollegen seien verunsichert und seien auch nach Hause geschickt worden. Sie war an diesem Tag dabei, viele Rücksprachen zu anstehenden Entscheidungen zu halten.

Nicht nur mit dem Gesundheitsamt des Landkreises, sondern auch mit der Kommunalaufsicht in Bernburg. Denn eigentlich sollte Donnerstagabend der Stadtrat tagen. Zum Hintergrund: Räte arbeiten auch als Mitglieder im Hauptausschuss mit, der sich Dienstag getroffen hat.

Bis zum frühen Nachmittag stand am Donnerstag noch nicht fest, ob die Sitzung des Rates stattfindet oder abgesagt wird.

Eine Anfrage der Volksstimme gegen 14.30 Uhr ergab, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine offizielle Entscheidung getroffen wurde. Gegen 16 Uhr wurden die Stadträte am Donnerstag dann von der Stadtverwaltung per E-Mail informiert, dass die Sitzung ausfällt. Vorher soll als Alternative darüber gesprochen worden sein, dass sich Stadträte ohne Mitglieder der Verwaltung allein treffen.

„Wir als Landkreis haben dazu geraten, die Beratung aus Infektionsschutzgründen abzusagen. Das ist aber allein Sache der Stadt“, erklärte Landkreis-Pressesprecher Marco Jeschor im Gespräch mit der Staßfurter Volksstimme am Donnerstag. Im Moment sei das Gesundheitsamt in Zusammenarbeit mit der Stadt dabei, Verbindungen und Kontaktpersonen zu ermitteln, hieß es am Donnerstag. In der Regel würden die, die eng sind, in Quarantäne geschickt und für sie ein Test organisiert.

Bleibt zu fragen, warum die Sitzung für die Verwaltung so wichtig war? Warum wurde so lange überlegt, bis sie abgesagt wurde? Die Antwort führt zu entscheidenden Beschlüssen. Unter anderem sollten die Kommunalpolitiker für ihre Stadt ein wichtiges Votum zur anstehenden Auflösung des Abwasserzweckverbandes „Bodeniederung“ (AZV) geben. Weil die Sitzung ausfiel, gaben die Ratsmitglieder alternativ schließlich zu zwei Beschlüssen schriftlich per Umlaufverfahren ihre Stimme ab. Das war während der vergangenen Corona-Welle im Frühjahr auch schon einmal so gehandhabt worden.

Die Vorsitzende des Stadtrates, Ethel-Maria Muschalle-Höllbach (WGH), sagte, dass es wichtig war, die zwei Beschlüsse per E-Mail als Umlaufbeschluss zu fassen. Die Vermögensaufteilung vom Guthaben AZV in Abwicklung sei von anderen betroffenen Kommunen bereits unter Dach und Fach gebracht worden, „damit die ganze Sache zum Abschluss gebracht werden kann“. Das Votum aus Hecklingen habe noch ausgestanden, damit der Verband bis zum Jahresende aufgelöst werden kann. Ab Montag sei der Bürgermeister wieder im Haus. „Dann machen wir einen Plan, wie wir weiter verfahren dürfen und können“, sagte die Stadtratsvorsitzende am Freitag.

Die Sitzung hätte ihrer Ansicht nach nicht ohne Verwaltung durchgeführt werden können. Denn dann hätte auch niemand etwas erklären können. „Wir müssen uns jetzt ja alle irgendwie irgendwo schützen und über den wichtigsten Beschuss wurde abgestimmt“, sagte Ethel-Maria Muschalle-Höllbach.

Heidi Hoffmann (WGH) ist es wichtig, keine Panik zu verbreiten. Dennoch müsse man vorsichtig sein und die richtigen Maßnahmen zum Schutz aller einleiten. „Wichtig ist, dass jeder seine Maske trägt, und darauf achtet, dass der ihm gegenüber auch eine auf hat.“ Jeder sollte sich vor Augen halten, dass er durch sein Verhalten auch an andere denke, so die Ortsbürgermeisterin.

Stadtrat Roger Stöcker (SPD) kann sich mit der Verfahrensweise zur Sachlage nach Bekanntwerden des Corona-Falls im Rathaus nicht einverstanden erklären. Zum einen hätte die Verwaltung nicht zögern sollen, die Sitzung des Rates sofort abzusagen, meint er. Zum anderen hofft er, dass im Vorfeld des Hauptausschusses alle Hygieneauflagen eingehalten wurden.

Würde sich herausstellen, dass sich weitere Mitarbeiter oder Räte angesteckt haben, könnte das dazu führen, dass die „Verwaltung dicht machen kann. Hoffen wir, dass es zu diesem Extremfall nicht kommt“, betonte Stöcker. Aber sollte sich herausstellen, dass fahrlässig gehandelt wurde, dann müsse das Konsequenzen haben, so der Fraktionschef.

Wolfgang Weißbart (Aktionsbündnis Stadt Hecklingen/Die Linke) findet, dass die Verwaltung am Donnerstag korrekt gehandelt hat. „Insgesamt wurde die richtige Entscheidung getroffen“, meinte der Cochstedter mit Blick auf die abgesagte Stadtratssitzung.