Intensivbetten besonders wichtig

In seinen Kliniken im Salzlandkreis hält die Ameos-Gruppe aktuell insgesamt 42 Intensivbetten vor. 39 Betten sind derzeit (Stand: Mittwoch, 12 Uhr) belegt, vier davon mit Coronapatienten, die beatmet werden.

Doch der Klinkbetreiber rüstet derzeit auf, sodass in einer Woche 22 weitere Intensivbetten zur Verfügung stehen sollen. So kommen an den Standorten Aschersleben und Schönebeck jeweils vier Betten hinzu und am Standort Bernburg elf Intensivbetten. Daraus ergibt sich dann eine Gesamtzahl von 61 Intensivplätzen an den Ameos-Kliniken im Salzlandkreis.

Sollte der Fall eintreten, dass alle Intensivbetten im Salzlandkreis belegt sind, so hat der Klinikverbund die Möglichkeit, die Kapazitäten über alle Klinika der Region Ameos Ost zentral zu steuern. „Bei Bedarf können Patienten jederzeit in Häuser verlegt werden, die über ausreichende Kapazitäten verfügen“, heißt es von Ameos. Zusätzlich habe der Krankenhausbetreiber einen Personalpool gebildet, um bei Engpässen, innerhalb kürzester Zeit zur Unterstützung an den Schwerpunkten in der Region, qualifiziertes Personal aller Berufsgruppen einsetzen zu können.

Staßfurt/Güsten l Schon seit Tagen ist abzusehen, dass der deutschlandweite Lockdown nicht wie angedacht am 30. November enden wird. Jetzt haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs sich in einer virtuellen Konferenz am Mittwoch tatsächlich auf eine Verlängerung des Lockdowns verständigt. Während Kitas und Schulen weiterhin geöffnet bleiben, sollen Gastronomen ihre Gäste weiterhin nicht in ihren Räumlichkeiten bedienen dürfen. Und das in dem Monat, der in der Branche mit Abstand der umsatzstärkste ist

„Die unternehmerische Freiheit ist auf das Massivste eingeschränkt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Dehoga-Landesverbands (Interessenvertretung der Gastronomen). Man stehe auch hinter dem Dehoga-Bundesverband bei einer zukünftigen Verfassungsklage bezüglich des geänderten Infektionsschutzgesetzes.

Der Landesverband befürchtet unterdessen, dass die versprochene schnelle und unbürokratische Auszahlung der Novemberhilfen wohl erst frühestens Mitte Dezember erfolgt. Das sei entschieden zu spät. Die weitere Schließung der Branche bis in den Dezember, müsse dazu führen, dass die gleichen Entschädigungszahlungen erbracht werden wie die versprochenen Hilfen für November. Die Senkung der Mehrwertsteuer erwarte man über den 30. Juni 2021 hinaus.

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Würde die Politik keine greifbaren und festen Perspektiven bieten, sieht der Dehoga-Landesverband sogar das gesellschaftliche Gleichgewicht in Schieflage geraten.

Kampf ums Überleben

Auch Ramona Osterburg, Chefin des Staßfurter Landhauses, hatte sich an den kurzen Klappstuhl-Protesten in Staßfurt beteiligt (Salzland-Kurier berichtete). Senior-Chef Manfred Ibsch sagt, man kämpfe jeden Tag ums Überleben. Ohne die Feldküchen hätte man keine Einnahmen. Als letzte Hoffnung für das Ergebnis 2020 setzt das Landhaus-Team nun auf das Weihnachtsfeiertagsgeschäft. Der Weihnachtsbraten wird wohl überwiegend in die Häuser gebracht werden müssen, egal was die neuen Regeln bringen.

„Wir beschäftigen uns mit den aktualisierten Regeln, wenn sie uns vorliegen“, reagierte Ina Siebert gestern spürbar genervt, als sie um ein Statement zu den neuerlichen Änderungen gebeten wurde. „Wir haben im Moment genügend auf dem Tisch“, verweist die Fachdienstleiterin im Rathaus auf das operative Tagesgeschäft mit ständig neuen Entwicklungen in Sachen Corona.

So ist beispielsweise die Staßfurter Kindertagesstätte Sandmännchen in der vergangenen Woche wegen Corona komplett geschlossen und in Quarantäne geschickt worden. Zuvor war auch noch das Adeno-Virus, eine Bindehaut-Erkrankung, in der Einrichtung diagnostiziert worden.

Der an der Eingangstür angebrachte Hinweis zur Quarantäne hatte sich nun am Mittwoch schon wieder überholt. „Wir haben eben die korrigierte Mitteilung vom Gesundheitsamt des Salzlandkreises bekommen, dass die Kita Sandmännchen nur bis 1. statt bis 4. Dezember geschlossen bleiben muss“, sagt Ina Siebert.

Fast zeitgleich entschied sich gestern, dass die städtische Kita Leopoldshaller Spatzennest eine Gruppe und deren Erzieherin nach Hause schicken muss für die Dauer von anderthalb Wochen. Siebert sprach schon von Glück, dass nicht noch mehr Kindertagesstätten betroffen seien.

„Es herrscht keine Panik, aber angestrengtes Arbeiten im Landkreis.“ So hatte Bürgermeister Helmut Zander (SPD) im Güstener Stadtrat den Umgang mit der aktuellen Corona-Situation in den Verwaltungen zusammengefasst.

Auch Güsten werde sich um die Anbringung von CO2-Ampeln in seinen Häusern kümmern. Der Landkreis hatte zu Wochenbeginn angekündigt, 600 Warner anzuschaffen und zu verteilen.

Die Nerven sind offensichtlich auch im Güstener Rathaus sehr strapaziert. Nachdem Zander den Träger der Osmarsleber Kita angeschossen hatte, weil der Kids e.V. Bernburg und das Gesundheitsamt des Salzlandkreises ihn nicht über die Schließung der Einrichtung informiert hätten (Salzland-Kurier Mittwoch-Ausgabe), reagierte gestern die Leiterin der Kita „Pünktchens Stromerländer“ auf Zanders Kritik.

Jule Redlich: „Am Freitag habe ich erfahren, dass auf Grund eines positiven Falles unsere Kita schließen muss. Ich habe diesbezüglich noch am selben Tag eine E-Mail an die Verbandsgemeinde geschrieben.“ Mittlerweile habe sie leider feststellen müssen, dass sie eine alte Adresse verwendet hat, wofür sie sich entschuldige. Die Eltern waren allerdings informiert. Zum aktuellen Sachverhalt teilt Jule Redlich noch mit, dass die Kita am 3. Dezember wieder öffne. Ihren Kollegen und ihr selbst gehe es soweit gut – „bisher keine Symptomatik“. Durch die Vernetzung mit den Eltern per E-Mail sei ihr auch bei ihnen nichts anderes bekannt. „Hoffentlich bleibt es auch so.“

Die Weihnachtsferien zu verlängern, findet Florian Krebs einerseits schlau. Auf der anderen Seite wäre es für die Abschluss-Jahrgänge nicht so prickelnd, wenn das drei Tage überschreitet, meint der Schulsprecher des Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasiums.

Er plädiert für ein „Hybrid-Modell“, welches mehr Raum für alle bietet. Denn selbst eine allgegenwärtige Maskenpflicht biete bei einem Regelbetrieb in der Schule keine 100-prozentige Sicherheit. „Und nur mit Testungen ist ein Überblick zum Infektionsgeschehen an Schulen zu erreichen“, meint der Abiturient, der sich gerade selbst in Quarantäne befindet, weil es eine Lehrerin getroffen hatte. „Nur mit Testungen kann auch unnötige Quarantäne vermieden werden.“

Wo entsteht Impfzentrum?

Zwar haben sich Kanzlerin Merkel und die Länderchefs am Mittwoch auf einen gemeinsamen Weg geeinigt (Details siehe Titelseite), ob die einzelnen Länder, diesen aber geradlinig mitgehen oder hier und da doch mal abweichen, ist ihnen überlassen.

Heißt: Für Sachsen-Anhalt und somit auch den Salzlandkreis sind die Inhalte der Landesverordnung entscheidend. Die aktuell Achte Eindämmungsverordnung inklusive der damaligen Lockdown-Verschärfungen von Anfang November gilt noch bis einschließlich 30. November. Auf Grundlage der Bund-Länder-Vereinbarungen wird diese jetzt aber überarbeitet.

Landrat Markus Bauer (SPD) wollte sich am Mittwoch noch nicht zur Thematik äußern. Man müsse und werde die Beschlüsse von Bund und Ländern abwarten, hieß es am frühen Mittwochnachmittag. Zu diesem Zeitpunkt standen diese tatsächlich noch nicht fest – ganz zu schweigen von denen, die dann auch in Sachsen-Anhalt gelten.

Was allerdings fest steht: Auch der Salzlandkreis muss ein Impfzentrum vorhalten. Doch auch zu dieser Thematik hielt sich die Kreisverwaltung am Mittwoch bedeckt und teilte auf Volksstimme-Anfrage nur mit: „ Sobald wir können, werden wir von uns aus über die Entscheidungen informieren.“

Noch keine Entlastung

Jetzt ist es aber an der Landesregierung, auf Grundlage des gestrigen Bund-Länder-Treffens die genauen Rahmenbedingungen zu bestimmen, die dann ab dem 1. Dezember in Sachsen-Anhalt gelten – auch um zu verhindern, dass die Intensivbettenkapazität in der Region vollends ausgelastet ist.

Denn die Entlastung des Gesundheitssystems sei derzeit noch nicht nachhaltig spürbar, wie Frank-Ulrich-Wiener, Regionalgeschäftsführer Ameos Ost berichtet. „Wir halten es in der jetzigen Situation für angemessen, alle notwendigen Maßnahmen so lange zu verlängern wie es die Infektionslage erfordert. Kontaktbeschränkungen und Einhaltung der Hygieneregeln im privaten Umfeld sind das Mittel der Wahl.“

Und genau diese werden es wohl auch bleiben. In welchem Ausmaß Kontakte beschränkt sein werden – auch über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel – bleibt letztlich aber Entscheidung der Landesregierung.