Bernburg l „Der heiße Scheiß wird jetzt im Altenheim getestet.“ Das sind die Schlussworte von „Smudo“ über das neueste Projekt des Salzlandkreises. Der Rapper der bekannten deutschen Band „Die Fantastischen Vier“ steht gestern Nachmittag umringt von Kamerateams, Radiomoderatoren und Journalisten vor einem Pflegeheim am Kurpark Bernburg. Mit dabei sind Bandkollege Michi Beck, Landrat Markus Bauer (SPD) und das junge Berliner Unternehmen „neXenio“ mit Geschäftsführer Patrick Hennig.

Sie präsentieren die neue Corona-App des Berliner Unternehmens, die die Kontaktverfolgung nach Corona kostenfrei und anonym bewältigen soll. Bevor die App ab kommenden Montag von allen Smartphone-Besitzern im App Store heruntergeladen werden kann, testet man sie in dem Bernburger Pflegeheim unter realen Bedingungen. Die App registriert Aufenthaltsorte von Personen verschlüsselt und gibt diese nur mit Erlaubnis des Nutzers und nur für die Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt frei.

"Smart region" vernetzt sich

„Vor über einem Jahr haben wir uns kennengelernt“, erklärt Markus Bauer umringt von den Mikros. Auf der Qitcom-Messe in Katar, wo sich digitale Entwickler präsentieren, sei er mit Vertretern der Berliner Firma in Kontakt gekommen, die in zehn Wochen mit bis zu 15 Mitarbeitern die Software entwickelt hat. So kam die heutige Zusammenarbeit zustande, die zum Motto „smart region“ des Slazlandkreis perfekt passe.

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Der Geschäftsführer des Berliner Unternehmens, Patrick Hennig, erklärt die Idee hinter der App, die sich „luca“ nennt: Ziel war es, die „Zettelwirtschaft“ abzuschaffen und „Datenschutz und Mehrwert ins Gleichgewicht zu bringen“. Anstatt Listen von Gästen in Restaurants und anderswo ausfüllen zu lassen und aufzubewahren, könne eine App all dies digital bewältigen. Durch Verschlüsselung laufe die Aufzeichnung anonym und erspare bürokratischen Aufwand.

Lösung für Veranstaltungen

Michi Beck von den „Fantastischen Vier“ erklärt weiter: „Wir brauchen ein Lösung, wie Veranstaltungen wieder möglich gemacht werden“. Die Band sei in die Berliner Firma eingestiegen und versuche nun, die App „so publik wie möglich zu machen, weil wir völlig von dieser Lösung überzeugt sind.“

Rapper Smudo sagt: Die App ersetze viele aufwendige Schritte für Gastronomen, Veranstalter oder eben Pflegeheime. Das Aufbereiten und Aufbewahren der Dokumente binde Kapazitäten. In Zeiten, wo man Pizza digital bestellen könne, müsse heute auch eine digitale Kontaktverfolgung möglich sein, zumal Papierlisten keine hundertprozentige Datensicherheit gewährleisten.

Smudo erklärt: „Die tatsächlichen Nutzerdaten sind nur auf meinem Telefon und ich muss sie tatsächlich nur freigeben, wenn ich vom Gesundheitsamt angesprochen werde und das tatsächlich auch möchte.“ Die App sei praktisch, unkompliziert und papierlos. Sie könne viel genauer übereinstimmende Aufenthaltsorte von Personen abgleichen.

Keine Kokurrenz zur Warn-App

„Alle Gesundheitsämter würden extrem entlastet“, so Smudo über den Einsatz der App. Überaus positive Rückmeldungen an das Projekt seien von Behörden bereits eingegangen. Aktuell wird die App auch in Jena getestet. Sie solle keine Konkurrenz zur Corona-Warn-App der Bundesregierung darstellen. Vielmehr müsse während der Pandemie ein ganzer Baukasten voller Maßnahmen zusammenspielen, sprich Apps, Masken, Abstand und mehr.

Im Salzlandkreis könnte das Gesundheitsamt jetzt schon über die App arbeiten, falls in dem Bernburger Pflegeheim ein Corona-Fall bekannt würde. „Eventuell wird es auch einen Testlauf in einem Ascherslebener Pflegeheim geben“, so Bauer. Man habe diese Einrichtungen gewählt, weil es sich um „die am meisten gefährdete Gruppe“ handele.

Die „Fantastischen Vier“, die sich generell gesellschaftlich engagieren, hoffen, dass sich viele Gastronomen, Betreiber von Freizeiteinrichtungen, Firmen und Einwohner für die App begeistern können. „Vielleicht können wir so verhindern, dass wir uns von einem Lockdown zum nächsten hangeln“, meint Musiker Michi Beck.