Staßfurt l Immer mal wieder werden die Verordnungen der aktuellen Corona-Situation angepasst. In der vergangenen Woche konnten die Gaststätten ihre Gäste noch in ihren Räumlichkeiten unter Auflagen bedienen. Seit Montag nun dürfen Speisen nur noch geliefert oder zum Mitnehmen zubereitet werden. Dienstleistungen zur Körperpflege sind einzustellen. Selbst Wochenmarkt-Händler befürchten Einschränkungen, was allerdings unbegründet ist. Nach aktuellem Stand darf der Markt auch Freitag weiter stattfinden.

Ausgangsbeschränkungen gelten derweil seit Montag neue. Doch wer soll das alles kontrollieren?

Alle Kräfte im Einsatz

„Kräfte der Landesbereitschaftspolizei sowie die sich derzeit im Praktikum befindlichen 276 Studenten und 158 Auszubildenden der Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalt unterstützen personell die vier Polizeiinspektionen Magdeburg, Halle, Stendal und Dessau-Roßlau bei der Bewältigung der gegenwärtigen Sicherheitslage“, heißt es von Pressesprecherin Nancy Eggeling aus dem Innenministerium auf Anfrage.

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Das Polizeirevier Salzland hat alle verfügbaren Kräfte im Einsatz – neben dem normalen Einsatzgeschehen nun also auch im Kampf gegen Corona. Polizeisprecher Marco Kopitz erklärt, dass die Regionalbereichsbeamten gegenwärtig „normalen Dienst machen“, also nicht nur in den Kommunen unterwegs sind.

In der vergangenen Woche war das Ordnungsamt Staßfurt teilweise mit der Polizei vor Ort. Im Großen und Ganzen bewältigen die Mitarbeiter der Ordnungsämter mittlerweile die Kontrollen selbst.

Streife in zwei Henschke

In der Stadt Staßfurt schickt Fachdienstleiterin Susanne Henschke ihre Leute ab heute zweischichtig auf Streife. Zum Teil ist sie auch selbst dabei. Die vier Autos werden mit je zwei Mitarbeitern besetzt. Je nach Bedarf auch von Innendienstlern, soweit sie nicht von zu Hause aus tätig sind.

Kontrolliert werden öffentliche Plätze, Parkanlagen und Sportstätten, Stadtsee und Skaterbahn zum Beispiel. Aber auch bei Gewerbetreibenden und Gaststätten schauen die Ordnungskräfte vorbei.

Wie am Dienstag beim Grillotta-Imbiss von Nadine Bensch am Baustoffcenter Staßfurt. Auch dort ist alles in Ordnung. Die kürzlich zur Eröffnung erst aufgestellten Sitzgelegenheiten und Stehtische sind wieder weggeräumt. Die Hinweise auf den nötigen Abstand und das Verzehrverbot am Imbissstand beherzigen die Kunden.

Staßfurter meist einstig

Die bleiben übrigens nicht aus, worüber die junge Unternehmerin natürlich sehr froh ist. „Ich habe mir einen besseren Zeitpunkt nicht aussuchen können“, blickt sie etwas sarkastisch auf die Eröffnung ihres Büdchens Anfang März, „Aber ich mache so lange weiter, wie ich darf.“ Muss sie auch. Denn im März sind ihr schon drei Feiern weggebrochen. Und auch für den April fallen drei geplante Catering-Termine ins Wasser. „Ich hoffe, dass im Mai alles zu Ende ist mit dem ganzen Spuk“, so die Neundorferin. Denn da stehe ein großer Auftrag bevor.

An die Vorsichtsmaßnahmen, die auch an so einem kleinen Imbiss gelten, halten sich die Kunden. Die meisten zeigen sich einsichtig. Viele nehmen sie mit Humor. Ein Handwerker zückt spaßeshalber seinen Zollstock. Manche meinen, dass das alles wohl eine große Übung und sehr übertrieben sei...

„Wir schaffen das im Moment allein“, kann die Ordnungsamts-Chefin nur erneut eine positive Bilanz zu den Kontrollen der vergangenen Tage ziehen, „Die Leute sind vernünftig. Am Montag waren fünf Skater am ehemaligen Pionierhaus zusammen. Ein erklärender Spruch hat genügt – und sie gingen ihrer Wege.“

Es gebe hier und da mal ein Absperrband zu erneuern, wie auf dem Spielplatz an der Löderburger Schule oder am Bolzplatz in Förderstedt. Doch im Großen und Ganzen könne man zufrieden mit dem verständnisvollen Verhalten der Bürger und Gewerbetreibenden sein. Sollte sich was an der Lage ändern, würde kräftemäßig in Abstimmung mit dem Staßfurter Krisenstab reagiert werden, so Henschke.

„Wenn das alles vorbei ist, machen wir hier ordentlich Party“, blickt derweil Grillotta-Chefin Nadine Bensch zuversichtlich aus ihrer Hütte.