Staßfurt/Schönebeck l Bei steigenden Infektionszahlen mit schwereren Krankheitsverläufen und gehäuften Todesfällen werden auch die Krankenhäuser immer mehr zur Stütze der Gesellschaft. Niemand will solche Szenen erleben wie in Italien oder Spanien. Ein solides Gesundheitssystem ist wichtig, um die Corona-Krise zu meistern. Wie sind die Krankenhäuser im Salzlandkreis eigentlich auf einen zu erwartenden Ansturm in den nächsten Wochen vorbereitet? Frank-Ulrich Wiener, Regionalgeschäftsführer bei Ameos Ost, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie haben die Ameos-Mitstreiter die ersten Corona-Wochen überstanden?

Recht gut. Laut Ameos arbeiten die Mitarbeiter wie immer hochmotiviert für die Versorgung der Bevölkerung. Wiener sagt: „Mitarbeitende aller Bereiche engagieren sich vorbildlich in einer ungewöhnlich herausfordernden Situation. Wir achten darauf niemanden zu überfordern, um stets die volle Leistungsfähigkeit aller Ameos-Klinika aufrecht zu erhalten.“

Können Angehörige ihre Angehörigen im Krankenhaus besuchen?

Ja, das geht. Zumindest im Einzelfall. Auf Nachfrage und nach ärztlicher Entscheidung ist das möglich. „Die Besucher haben großes Verständnis und halten sich an unsere Vorgaben und Empfehlungen“, so Wiener.

Brauchen die Krankenhäuser mehr Unterstützung von Land und Bund?

„Wir erwarten nun die Bundesgesetzgebung zur Entlastung der Krankenhäuser. Wir haben uns vehement für eine ausreichende Unterstützung aller Krankenhäuser eingesetzt. Alle Krankenhäuser müssen in die Lage versetzt werden, sich vorzubereiten, um in den kommenden Wochen voll leistungsfähig zu sein“, sagt Wiener. „Bürokratische Hürden auf dem Weg zur schnellen Kompensation von Erlösausfällen wegen Kapazitätsvorhaltungen, dürfen den Krankenhäusern nicht im Wege stehen. Jetzt ist schnelles, unbürokratisches Handeln im Sinne der Versorgung in der Region gefragt.“ Laut Frank-Ulrich Wiener wird es wohl eine Nachfinanzierung geben. Die bisherige Bundesgesetzgebung zur Entlastung der Krankenhäuser wäre ein guter Schritt, aber noch nicht ausreichend.

Sind die Geburtsstationen in Aschersleben und Schönebeck weiter im Einsatz?

Ja. Geburten finden uneingeschränkt statt. „Die Betreuung erfolgt wie die Eltern es erwarten und gewohnt sind“, so Wiener.

Wie viele Intensivbetten hat Ameos? Wie viele braucht es?

Wiener: „Wir richten in allen Häusern zusätzliche Intensivbetten ein. Engpass ist die Beschaffung der technischen Ausstattung. Alle verfügbaren Geräte sind einsatzbereit. Zusätzlich werden Mitarbeitende geschult“, sagt Wiener. Die Ameos Region Ost verfüge derzeit über 85 Intensivplätze, von denen stets etwa 50 Plätze belegt sind. Völlig unabhängig von Covid-19, werden täglich Patienten intensivmedizinisch versorgt. „Diese Versorgung ist zwingend aufrecht zu erhalten. Wir sind infrastrukturell in der Lage eine Vielzahl zusätzlicher Intensiv-Plätze zu schaffen. Dazu ist das Personal entsprechend zu schulen und technische Ausrüstung muss geliefert werden.“

Braucht Ameos mehr Beatmungsgeräte?

Alle Geräte sind einsatzbereit. Der Bedarf wird aber von Bund und Land ermittelt und beschafft. Derzeit verfügt Ameos Ost über etwa 100 Geräte.

Gibt es spezielle Corona-Abteilungen oder Stationen, die eingerichtet werden?

Für alle Infektionskrankheiten gibt es Isolierstationen und Isolierzimmer. Die Patientenströme werden gemäß der fachlichen Vorgabe des Robert-Koch-Institutes und der Infektiologen und Hygieneärzte der Ameos-Gruppe gesteuert.

Wie viele Patienten mussten in den Ameos-Kliniken schon behandelt werden nach einer Covid-19-Erkrankung?

Stand Mittwoch waren drei Patienten mit Covid-19 in stationärer Behandlung bei Ameos.

Wie können die Ameos-Kliniken einen zu befürchtenden Ansturm personell händeln?

Wiener: „Für die verfügbaren Behandlungskapazitäten in unseren Klinika haben wir ausreichend Personal. Viele Patienten haben von sich aus geplante Eingriffe abgesagt. Daher können wir Mitarbeitenden Freizeitausgleich für in der Vergangenheit geleistete Überstunden und Urlaub gewähren, um im Falle eines ‚Ansturmes‘ sofort reagieren zu können.“

Wie schützt sich das Personal? Gibt es ausreichend Schutzmaterialien wie Masken und/oder Anzüge?

Ja. Die Ameos-Mitarbeiter verfügen laut Wiener über ausreichend Schutzausrüstung, die nach den Vorgaben des Robert-Koch-Institutes, Empfehlungen der Charité und den Handlungsanweisungen der Ameos-Experten eingesetzt wird. Das Personal ist es gewohnt, sich entsprechend der Hygieneregeln vor Infektionen am Arbeitsplatz zu schützen. Die jährliche Influenza-Saison und andere Infektionskrankheiten würden stets ein umsichtiges, regelkonformes Verhalten fordern.

Müssen Operationen wegen der Corona-Krise verschoben werden?

Das kommt auf den Fall an. Generell lassen sich geplante Operationen nicht beliebig verschieben. Wiener: „Jeder einzelne Fall ist medizinisch zu bewerten. Ameos erfüllt den Versorgungsauftrag und prüft jeden einzelnen Fall sorgfältig. Jeder Patient der eine Operation benötigt, wird operiert. Darauf haben die Patientinnen und Patienten einen Anspruch.“

Werden Patienten in den Ameos-Kliniken derzeit generell auf das Coronavirus getestet?

Nein. Dafür gibt es laut Wiener keinen medizinischen oder infektiologischen Grund. Das sehen die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes auch nicht vor.