Staßfurt l Die Geburtenrate für Staßfurt und die Ortsteile steigt wieder - wenn auch mit drei Babys (2017) mehr im Vergleich zum Vorjahr (2016) nicht sehr viel. Dennoch: Mit dieser ganz leichten Kurve nach oben wird die „Staßfurter Babyliga“ wieder etwas hochgehalten. Seit 2014 gibt es bei den Neugeborenen in der Stadt wieder einen leichten Anstieg, nach einer sehr langen Talfahrt in den letzten 15 Jahren.

Damit bleibt die Geburtenrate insgesamt betrachtet weitgehend konstant in Staßfurt und pegelt sich sogar auf den Niveau von Ende der 90er Jahre ein. Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner wertete dies bei seinem Rückblick auf 2017 zwar als kleinen Erfolg, musste aber im gleichen Zug sagen: „Einer Geburt stehen immer noch mehr als zwei Sterbefälle gegenüber.“ Tatsächlich: 424 Sterbefälle und 194 Geburten in 2017.

Immer gleiche Sterberate

Noch erschreckender ist: Es sterben zwar seit 20 Jahren, grob gesagt, um die 400 Einwohner pro Jahr in Staßfurt und den Ortsteilen, aber die Anzahl der Einwohner im Vergleich dazu sinkt dramatisch. Im Jahr 1997 kann das Einwohnermeldewesen noch von 29.858 Einwohnern berichten, heute sind es mit allen Ortsteilen nur 26.454.

Weder Geburten noch Zuzüge können das ausgleichen. Jugendliche ziehen weg zur Ausbildung oder zum Studieren und überlegen sich zwei Mal, ob sie in die Heimat zurückkommen. In 2017 sind zum Beispiel 108 Menschen in die alten Bundesländer gezogen und 110 aus den alten Bundesländern nach Staßfurt gekommen - sogar ein wenig mehr.

Laut Erhebungen des Statistischen Landesamtes wird es weiter bergab gehen. In 2019 25.000 Einwohner, in 2022 24.000 Einwohner und letztendlich in 2030 22.000 Einwohner.

Von Grundstücken bis Broschüren

Ein scheinbar pessimistisches Bild. Die Stadt Staßfurt versucht mit verschiedenen Maßnahmen, entgegenzuwirken. Ob Jobbörsen wie die neue Rückkehrermesse, ob eine Übersicht der Stadt über verfügbare Baugrundstücke für Häuser oder neue Konzepte, mit denen die städtischen Wohnungsunternehmen noch individuellere und bessere Angebote an potenzielle Mieterzielgruppen machen können.

Es folgt eine Werbebroschüre für die Stadt nach der anderen. Erst im November 2017 wurde das neueste Exemplar vorgestellt, das die Stadtverwaltung selbst entworfen und gedruckt hat, um Kosten zu sparen. Wer sich neu anmeldet in Staßfurt, bekommt mittlerweile eine dicke rot-weiße Mappe mit Stadtplan, Flyer vom Museum, Werbung von den Stadtwerken und eine dicke A4-Kopie mit Verhaltensvorschriften vom Ordnungsamt.

Viele Probleme sind überregional

Eine weitere Strategie, die Stadt insgesamt als Wohnort attraktiver zu machen, ist der große Leitbildprozess. Image und Schwerpunkte für die Stadtentwicklung sollen Staßfurt wieder nach vorne bringen. Erst Ende vergangenes Jahres wurden viele kleine und große Projekte dazu ins Leben gerufen.

Nicht immer fehlt es dabei in Staßfurt an grundlegenden Dingen, die nur „typisch Staßfurt“ sind: Etwa braucht es wesentlich mehr Hausärzte, auch eine Idee aus dem Leitbildprozess, aber das ist auch ein überregionales Problem. Ebenso wie leerstehende Häuser und ein in Teilen furchtbar tristes Stadtbild. Wie viele alten Industriestandorte in Sachen-Anhalt wird es auch für Staßfurt sehr schwer werden, den Arbeitsplatzabbau infolge der Automatisierung in den Fabriken zu verkraften.

Ziel müsse es sein, betont Oberbürgermeister Sven Wagner immer wieder, „unsere Einwohnerzahl stabil zu halten oder zumindest den Rückgang weiter zu schwächen“, was er selbst als „anspruchsvolles Ziel“ umschreibt. „Wir können es uns nicht erlauben, Menschen oder gar junge Familien, die sich hier eine Zukunft aufbauen wollen, wegzuschicken“.