Hecklingen l In Hecklingens Ortsmitte wurden professionell Drogen im großen Stil angebaut. Die Polizei hat am Montag eine große Hanf-Plantage in einem unbewohnten Haus ausgehoben. Die gesamte Ortsdurchfahrt in Hecklingen war für mehrere Stunden bis zum Nachmittag gesperrt. Polizeieinsatzfahrzeuge dicht an dicht, im Internet kursieren sogar Fotos von schwer bewaffneten Einsatzkräften und ein Film, der zeigt, wie die Beamten bis oben hin mit Hanf gefüllte Säcke aufladen.

Es handelte sich um eine Drogen-Razzia in einem Gebäude in der Hamburger Straße, gleich zwei Häuser neben einem Eiscafé.

Über 1500 Pflanzen

Die Polizei teilte mit, dass sich bei der Durchsuchung herausstellte, dass alle Räumlichkeiten zum Anbau einer „Indooranlage“ genutzt wurden und mit einem professionellen Equipment zum Betreiben einer solchen Anlage ausgestattet waren. Die Beamten stellten insgesamt 1512 Marihuanapflanzen mit einer Wuchshöhe zwischen 80 und 120 Zentimeter sicher.

Bilder

Rund 50 Beamte waren im Einsatz. Kriminalbeamte der Polizeiinspektion Magdeburg wurden bei der Maßnahme von Kräften der Landesbereitschaftspolizei und Spezialeinheiten (SEK) des Landeskriminalamtes unterstützt.

Auf Grund eines Verfahrens wegen Verdacht des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wurde ein Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichtes Magdeburg vollstreckt. Die Ermittlungen richten sich gegen einen 28-jährigen Staatsbürger aus der Türkei, hieß es aus der Pressestelle der Polizeidirektion Magdeburg.

Polizie hält sich bedeckt

Wie es zur Durchsuchung kam und wie es jetzt weiter geht, konnte die zuständige Polizeidirektion Magdeburg gestern nicht mitteilen. „Ermittlungstaktische Hintergründe können wir nicht preisgeben“, sagte Pressesprecher Siawash Ebadi. Das Verfahren dauere an.

Gestern kursierte im Ort zudem das Gerücht, dass die Polizei am Montag nach ihrem Einsatz in der Hamburger Straße weiter ins benachbarte Groß Börnecke fuhr, um auch dort eine Durchsuchung durchzuführen.

Dazu konnte am Dienstag seitens der Polizei auf Nachfrage der Volksstimme keine Auskunft gegeben werden. „Das kann ich nicht bestätigen“, so Ebadi.

Einsatz im Juli

Auch zu einem möglichen Zusammenhang des Einsatzes des SEK vor einigen Wochen in Hecklingen ist nach wie vor nichts bekannt. Damals hatte die Polizei mit Spezialeinsatzkräften mehrere Wohnungen in Hecklingen nach Drogen durchsucht. Dabei wurde nach Volksstimme-Informationen ein 33-jähriger Hecklinger festgenommen.

Welchen Marktwert die am Montag beschlagnahmten Hanf-Pflanzen in Hecklingen haben, bleibt offen. Ein Beamter aus dem Bereich Suchtprävention der Polizei erklärte dem Salzlandkurier gestern, dass die Täter sich im Vorfeld, bevor sie eine solche Plantage anlegen, in der Regel genau ausrechnen, wie lange und mit welchem Gewinn sie das Marihuana anbauen. „Es handelt sich hier um eine organisierte Kriminalität. Meist gehen die Täter auch davon aus, dass sie auffliegen und sind dann längst über alle Berge, die Plantagen sind dann abgeerntet“, so der Polizist.

Berauschende Wirkung

Er erklärte zum Hintergrund, dass zur Gewinnung von Drogen ausschließlich die verbotenen weiblichen Pflanzen genutzt werden, weil in ihnen der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) enthalten ist, der die berauschende Wirkung habe.

In den Blüten sei THC hoch konzentriert, aber auch in den Blättern sei eine geringeren Menge enthalten. Die männlichen Cannabis-Pflanzen enthielten kein THC und würden daher auch als „Industriehanf“ angebaut.

Um eine Plantage zu betreiben, sei spezielles Rotlicht und eine Belüftungsanlage erforderlich. Es könne zudem sein, dass es Plantagen nicht länger als ein halbes Jahr gibt, weil die Pflanzen vorgezogen wurden.