Schneidlingen l In der vergangenen Woche hatte Ingo-Peter Walde (parteilos) Efeu öffentlich während einer Sitzung in Hecklingen als „Schmarotzer-Pflanze“ bezeichnet. Der Rat aus Schneidlingen meinte, dass das rankende Gewächs Bäumen, um die es sich schlängelt, das Wasser entzieht und sie kaputt macht. Er sprach in diesem Zusammenhang davon, dass sich der Park in Schneidlingen in einem ungepflegten Zustand befindet und erfuhr, dass die Stadt dafür zuständig ist.

Nachdem die Volksstimme darüber berichtet hatte, meldete sich ein Bürger aus Groß Börnecke, der Waldes Äußerungen als „ungenaue Schlussfolgerungen“ bezeichnete.

Restrisiko

Bleibt zu fragen, ob der viele Efeu im Park in Schneidlingen Spaziergängern tatsächlich gefährlich werden kann? Darauf angesprochen, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Hecklingen Marion Strecker, dass „selbst gesunde Bäume umstürzen können, wenn es stürmt.“ Jeder Bürger müsse generell achtsam sein. „Ein Restrisiko besteht immer und überall. ...Der Park in Schneidlingen ist aber nicht gefährlicher als jeder andere Wald.“

Nach dem Sturmtief „Friederike“ war im Park ein Stamm umgefallen. Marion Strecker sprach davon, dass sich „ein Baum verzweigt hatte.“

Sie verwies aber darauf, dass die Stadt natürlich verpflichtet ist, eine „Verkehrssicherungspflicht herzustellen.“ Das bedeute, so Strecker, dass die Kommune sich darum kümmern muss, dass Straßen oder öffentliche Wege keine Behinderung aufgrund herabgestürzter Äste aufweisen.

Kletterei

Zum Thema „Efeu“ äußerte sie sich ebenfalls. Ob er dem Baum schade oder nicht, könne allgemein nicht beantwortet werden. Natürlich müssten grundsätzliche Dinge beachtet werden. Wenn sich die Pflanze nur am Stamm befinde, sei die Lage nicht so kritisch, dazu komme es erst dann, wenn sie die Krone erreicht, erklärte die Leiterin des Ordnungsamtes.

Intensive Kontrollen

Eva Beyer, Sachgebietsleiterin für Natur- und Artenschutz im Fachdienst Umwelt und Natur beim Salzlandkreis nennt generell viele Vorteile der Pflanze, weist aber auch darauf hin, dass bei der Begutachtung mit Efeu bewachsener Bäumen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht besondere Sorgfalt gelten muss. „Bei mit Efeu bewachsenen Bäumen können gegebenenfalls Schäden nicht erkannt werden, die auf andere Ursachen zurück zu führen sind, wie Pilzbefall oder Totholz. Solche Bereiche sind dann unter Umständen vom Efeu überwachsen und müssen besonders intensiv kontrolliert werden.“

Die Annahme, dass Efeu der Pflanze Wasser entzieht, ist nach Auskunft von Eva Beyer aber falsch. „Eine Wasser- und Nährstoffkonkurrenz gegenüber dem Stützbaum besteht generell nicht. Der Efeu besitzt lediglich Nährwurzeln im Boden, mit denen er wie jede andere Pflanze Wasser und Nährstoffe aufnimmt.“

Darüber hinaus trage Efeu sogenannte Haftwurzeln an den Sprossen, die aber nicht zur Wasseraufnahme fähig sind. Sie sollen, so Eva Beyer, ausschließlich als Kletterhilfe dienen und könnten also auch keine anderen Pflanzen „anzapfen“. Sie hält schlussfolgernd fest: „Der Efeu ist insoweit kein Schmarotzer, da er nur Haftwurzeln ausbildet.“