Wolmirsleben/Tarthun l In der letzten Kreistagssitzung in Staßfurt ist die in Deutschland weit verbreitete Politikverdrossenheit durch ein Kreistagsmitglied wieder einmal bestätigt worden, meint der Fraktionschef der Linken im Verbandsgemeinderat der Egelner Mulde, Ulrich Biermann.

Dort ging es mal wieder um den Schülerverkehr aus der Egelner Mulde nach Staßfurt zum Gymnasium. „Durch den Kraftverkehrsbetrieb wurde eigenmächtig ein Fahrplan geändert, so dass eine Haltestelle in Egeln nicht mehr angefahren wird und einige Schüler statt bisher 25 Minuten Fahrzeit jetzt auf 47 Minuten Fahrzeit kommen. Sie müssen einen Bus eher nehmen, der 25 Minuten früher fährt“, erfuhr Biermann in der Einwohnerfragestunde. Daran hatten der Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr und einige unzufriedene Eltern und Vertreter des Verbandsgemeinderates teilgenommen.

Stöhr trägt Probleme vor

Stöhr trug dort die Probleme vor und gab und auch einen Lösungsvorschlag bekannt. Danach bekam der Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft Janko Wilke das Wort, um darauf reagieren zu können. Da diese Kreistagssitzung diesmal in Staßfurt stattfand, war die Beschallung des Raumes äußerst schlecht. Es war kein Wort zu verstehen.

Biermann: „Ein Unternehmer aus Egeln, der auch anwesend war und für einen besseren Schülerverkehr für seine Kinder kämpfte, machte seinen Unmut über die schlechte Akustik Luft. Er bat den Redner mehrmals, lauter zu sprechen, damit die anwesenden Gäste die Antwort verstehen. Es war definitiv zu leise. Auf seinen Zwischenruf, dass nichts zu verstehen sei, äußerte sich Ascherslebens Oberbürgermeister Andreas Michelmann mit den Worten ,Dann musst du deine Klappe halten.‘ Dies alles und solche Äußerungen tragen dazu bei, dass solche Veranstaltungen von fast keinen Bürgern mehr besucht werden. Auch hätte diese Antwort keiner von einem Oberbürgermeister erwartet. Der Kreistags-Vorsitzende Thomas Leimbach versuchte Ruhe reinzubringen, indem er auf die Technik verwies und dies zu entschuldigen bat, dass diese nicht so gut sei wie im Kreistag in Bernburg. Das Problem aber löste sich dann von allein, als ein Mitarbeiter der Verwaltung das Mikro einschaltete.“

Das könne ja wohl nicht im Interesse der Demokratie sein. Und wenn man dann auch noch das Neueste aus dem Kreistag unter der Überschrift ,,Politisches Erbe drückt ans Tageslicht“ in der Staßfurter Volksstimme lese, dann werde einem himmelangst und bange, sagte der Kommunalpolitiker der Linken. Ein Fehlbetrag von rund 1,9 Millionen Euro bei der landkreiseigenen Bernburger Wirtschaftsförderungsgesellschaft, deren kostenlose Flächenvergabe an Bauern und vieles mehr und zur Krönung seien natürlich alle Akten von damals nicht mehr auffindbar. Und sollten die 1,8 Millionen nicht gezahlt werden, belaufen sich die Schulden der Gesellschaft auf knapp 15 Millionen Euro.

Biermann fordert Untersuchung

„Da gibt es wieder neue Erhöhungen zu Lasten der Steuerzahler. Das steht jetzt schon fest. Hier hilft nur ein neutraler Untersuchungsausschuss und keine zusammengewürfelte Truppe aus dem Kreis. Da kommt dann und da bin ich bin mir ganz sicher nichts bei raus“, sagte Biermann.

Das Dauerthema Schülerbeförderung kam auch in der Sitzung des Bördeaue-Gemeinderates Donnerstagabend in Tarthun zur Sprache. Bürgermeister Peter Fries (CDU) wies dort den Vorwurf des Populismus zurück. Auf ihn seien Eltern aus Tarthun und Unseburg zugekommen und hätten sich beschwert. „So kann das nicht bleiben. Mich trifft das schon, wenn die Kinder von Tarthun und Unseburg bis nach Staßfurt stehend mit dem Bus fahren müssen“, sagte Fries.

„Meine Tochter steht von fünf Tagen drei Tage ab Tarthun“, sagte Michael Kieler (CDU-Fraktion). Er äußerte sich mit Verwunderung darüber, dass ihr Bus über Schneidlingen und Egeln nach Tarthun fährt. Sie ist länger unterwegs als ich. Da wundert man sich dann, wenn kein Kind in den Vereinen mitarbeiten will“, sagte Kieler. „Ich finde das menschlich traurig“, sagte Sandy Peschke (CDU-Fraktion). Und Bauamtsleiter Gerald Schierhorn gab zu bedenken, wie viele Eltern ihre Kinder mit dem eigenen Pkw nach Staßfurt fahren. „Wenn sie das nicht machen würden, wären die Busse noch voller“, sagte er.

Wie der Bürgermeister mitteilte, wolle die Landkreisverwaltung nun nach Lösungswegen suchen.