Staßfurt l Wenn Christel Schlei und Michael Markwald jeden Donnerstag die Lutherhalle in Leopoldshall aufschließen, dann verspricht der Nachmittag so einiges: Viel Bewegung, viel Gemeinschaft und vor allem ganz viel Spaß. Beide Übungsleiter gehören zum Gesundheits-, Rehabilitations- und Behindertensportverein Staßfurt (GRB). Einmal in der Woche üben sie mit den „Crazy Dance Rabbits“. Hier treffen sich Menschen mit und ohne Behinderungen, einige kommen von der Lebenshilfe Bördeland, der andere Teil von der Stiftung Staßfurter Waisenhaus. Mit Christel Schlei und Michael Markwald machen sie Übungen für den Bewegungsapparat und lernen verschiedene Schritte. „Wir müssen viele Ideen haben, um die zwei Stunden Training gut zu füllen“, berichtet die Übungsleiterin. Allerdings habe man inzwischen auch viel Erfahrung gesammelt und wisse, auf welche Übungen es ankomme und wie man sie am besten kombiniere, damit alle Körperregionen in Schwung gehalten werden.

Stärken

Im Training, berichtet Christel Schlei, gehe man dann auf jeden einzelnen Tänzer individuell ein. „Jeder hat seine Stärken, die sollen zum Tragen kommen.“ Dass zur Gruppe Sportler mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen gehören, sei als Herausforderung nicht anders, als immer wieder neu mit den Altersunterschieden in der Gruppe umzugehen, sagt die 39-Jährige. Der jüngste „Dance-Rabbit“ ist 15 Jahre alt, der älteste 60. „Alle merken aber, dass sie gemeinsam etwas auf die Beine stellen.“

Den beiden Übungsleitern bereitet es große Freude, diese Prozesse zu begleiten. Sie arbeiten im sozialen Bereich und können in allen Situationen professionell agieren. Michael Markwald hat die Gruppe 2001 als Aerobicgruppe übernommen. Der 47-Jährige war als Zuschauer beim Training und hatte immer auch eigene Ideen im Kopf, wie er mit den Dancern arbeiten würde. Irgendwann bekam er die Leitung übertragen. 2014 kam Christel Schlei dazu. Sie hatte eigentlich nur Fahrten übernommen, um Tänzer zu den Überstunden zu bringen. Dann fiel mal einer aus, sie sprang ein, und war fortan dabei, berichtet die 39-Jährige.

Bilder

Viel Porgramm

Seit fast zwei Jahrzehnten haben sie die Gruppe aufgebaut. Dabei ist das Repertoire in den vergangenen Jahren beachtlich gewachsen. „Wir haben bereits 20 Tänze. Das sind schon mehrere Stunden Programm“, sagt Michael Markwald. In den vergangenen Jahren sei zu dem sportlichen Gedanken auch immer mehr der Show-Aspekt dazugekommen. Die Übungsleiter gehen bei der Musik auf die Wünsche der Gruppe ein, sie machen aber auch eigene Vorschläge. Klänge und Rhythmus müssten passen, um sie mit entsprechenden Bewegungen kombinieren zu können. Neben T-Shirt und Sporthose tragen die „Rabbits“ bei Auftritten aber auch Kostüme.

Christel Schlei organisiert die Utensilien dafür. In der Gruppe werden Kostüme genäht oder Dekorationen für das Bühnenbild gebastelt. „Das schweißt noch einmal alle zusätzlich zusammen“, sagt Michael Markwald. Zudem habe man mit der Show-Ausrichtung weitere Auftrittsmöglichkeiten finden könne, wie etwa seit zwei Jahren bei der Abendveranstaltung der Staßfurter Karnevals- und Kulturgesellschaft SKG im Salzland Center. Immer mit viel Applaus. „Diese Erfahrung ist für die Mitglieder ganz wichtig. Die Anerkennung motiviert, Woche für Woche wieder mitzumachen“, sagt Christel Schlei.

Zuspruch

Die „Crazy Dance Rabbits“ sind so nicht nur im GRB eine Hausnummer. Längst sind sie als gern gesehener Programmpunkt gefragte Gäste bei Veranstaltungen in der Stadt. Daran erinnert auch GRB-Vereinschef Thomas Wagner. Aus diesem Grund hat der Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband (BSSA) Sachsen-Anhalt Christel Schlei und Michael Markwald mit der Ehrennadel in Bronze ausgezeichnet. „Das, was ihr in der Gemeinschaft macht, ist prägend, und aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken“, lobt Thomas Wagner. Auch die Partner von der Stiftung und der Lebenshilfe würden das anerkennen. Derzeit werden die Kooperationsverträge für die weiteren Jahre vorbereitet, so der GRB-Vorsitzende.

Bei der Jahresversammlung wurden jetzt auch die GRB-Vereinsmitglieder und -Freunde Dr. Martin Frost, Helmut Ibsch und Dr. Gesine Schmidt durch den BSSA mit weiteren Ehrennadeln ausgezeichnet.