Löderburg/Neundorf l „Ich werde mein Mandat zum 31. Dezember sowohl als Ortsbürgermeister von Löderburg als auch als Stadtrat für Staßfurt niederlegen“, erklärt Christian Neubauer (parteilos, FDP-Fraktion) der Volksstimme auf Nachfrage. Er habe seine Entscheidung bereits im Dezember der Stadt mitgeteilt, seine Arbeitsmittel abgegeben und an der Stadtratssitzung am 16. Dezember gar nicht mehr teilgenommen.

Mit Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) hat Neubauer dazu einen neuen Termin für Anfang Januar vereinbart, nachdem ein Termin im Dezember geplatzt war. Dabei wolle Neubauer Wagner abschließend erklären, was aus seiner Sicht alles schief läuft in Staßfurt, bevor er seinen Mandatsverzicht schriftlich einreicht.

Löderburg benachteiligt

Neubauer, der Anfang Juli nach der Kommunalwahl im Mai vom neuen Ortschaftsrat Löderburg gewählt wurde, ist enttäuscht und wütend. Hauptgrund warum er aufhöre sei, „dass ich es mir nicht länger ansehen kann, wie unser Stadtgebiet demontiert wird.“ Für Neubauer werde der Ort Löderburg von der Stadt und der Kommunalpolitik stark vernachlässigt. Beide sorgten dafür, dass Löderburg immer weniger für seine Bürger vorhalte und der Ort nach und nach geschwächt werde. Dafür hat er Beispiele parat.

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Beispiel 1: Beim Thema geschlossene Sporthalle in Löderburg ist Neubauer vor allem auf einen Großteil des Stadtrats sauer. „Wenn ich diese Stadträte sehe, die einfach unseren Antrag für die Sporthalle ablehnen, da fehlen mir die Worte.“ Was Neubauer damit meint: Die Entscheidung, Planungskosten für einen Neubau der Halle frei zu machen, hatte im Stadtrat viele Gegenstimmen und fiel ganz knapp aus. Hier vermisse er den Rückhalt des Stadtrats, der eigentlich die Bedürfnisse der Orte berücksichtigen müsse. „Und wir haben dieses Dilemma jetzt auch nur, weil die Halle jahrzehntelang nie gewartet wurde.“

„Dieses Verhalten des Stadtrats versteht kein Mensch in Löderburg. Die Einwohner rennen mir die Bude ein und ich kann selbst nicht einmal erklären, warum sich Staßfurt so verhält“, so Neubauer. Er wirkt nervlich angeschlagen und spricht von schlaflosen Nächten.

Keine Förderung des Ortes

Beispiel 2: Grundstücke. Neubauer berichtet von mehreren Fällen, wo Grundstücke oder Gebäude von der Stadt nicht an Interessenten oder junge Familien aus Löderburg vergeben wurden, sondern an Investoren, die nicht aus der Region sind und die Grundstücke verfallen lassen würden. Ebenso nennt er den Fall eines Jungunternehmers aus Löderburg, der seit zwei Jahren kein Grundstück für seine Firma bekommt (der Volksstimme bekannt). Neubauer hat den Eindruck, der Rathausspitze sei gar nicht klar, wie die Verwaltung mit solchen Entscheidungen dem Ort schade.

Beispiel 3: Die Löderburger Kita ist brandschutztechnisch nicht auf dem neuesten Stand. Erst 2020 nimmt die Stadt Sicherheitsmaßnahmen in Angriff, die laut Neubauer seit Jahren überfällig sind. Eine Sanierung wünscht sich der Ort schon lange. Im Gegensatz dazu werde Förderstedt bevorteilt mit Investitionen in Kitas und Feuerwehr. „Löderburg wird geopfert“, so Neubauer.

Christian Neubauer hat sich in den letzten sechs Monaten seiner Amtszeit teilweise in die chaotischen Jahre zurückversetzt gefühlt, als er 1990 bis 1994 bereits einmal Bürgermeister von Löderburg war. „Ich hatte bei meinem erneuten Antritt als Ortsbürgermeister die Hoffnung, dass in Staßfurt mittlerweile objektiv und im Sinne der Bürger entschieden wird, aber da habe ich mich wohl geirrt“, so Neubauer.

Maaß gibt gesundheitliche Probleme an

Bei Klaus Maaß (SPD) ist die Sache nicht so eindeutig. Er hat bei der Stadt bereits am 21. Dezember ein offizielles Schreiben eingereicht, dass er sein Mandat zum 31. Dezember dieses Jahres niederlegt. „Aus gesundheitlichen Gründen“ gibt er als Begründung an.

Das soll auch die offizielle Begründung bleiben. Maaß plagt sich seit einiger Zeit mit gesundheitlichen Problemen herum und ist in Behandlung. „Vor dem Hintergrund wird mir alles zu viel“, sagt er der Volksstimme.

Allerdings schwingt auch bei ihm Enttäuschung zwischen den Zeilen mit. Nach Volksstimme-Information hatte Maaß in letzter Zeit vermehrt Gegenwind im eigenen Ort erfahren. Offenbar sah er dadurch seine Arbeit nicht gewürdigt und anerkannt.

"Mein Ort liegt mir am Herzen"

„Mir lag mein Ort immer am Herzen und ich werde mich auch weiterhin für ihn einsetzen“, sagt er. Er wird Ortschaftsrat und Stadtrat bleiben.

Klaus Maaß war am 3. Juni 2016 außerhalb von Kommunalwahlen zum Ortsbürgermeister in Neundorf gewählt worden, nachdem Burkhard Hennicke aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war. Er hat sich in seiner Amtszeit mit Taten und Worten – in seinem unverwechselbaren brandenburgischen Akzent – für seinen Ort eingesetzt sowie Heimatfeste und Weihnachtsmärkte mit organisiert.

In Maaß‘ Zeit wurden in Neundorf Probleme wie Grundwasserstand, Teich, Kriegsgräber, Friedhof, Grüngutannahme, Hundekotbehälter und Hanse-Stiftung angegangen. Zuletzt versuchte Maaß im Stadtrat zu erwirken, dass Geld für die Sanierung der gesperrten oberen Etage des Neundorfer Rathauses freigemacht wird, scheiterte aber.

Wie geht es weiter in Löderburg?

Neubauer bleibt Ortschaftsrat in Löderburg. Darauf habe er sich mit Ortschaftsratsmitglied Danny Hempel (SPD) geeinigt, dem er mit seiner Erfahrung und Fachkenntnis beistehe wolle, werde dieser zum neuen Ortsbürgermeister gewählt. „Wir wollen gemeinsam weiter für Löderburg kämpfen“, so Neubauer.

Hempel ist schon jetzt stellvertretender Ortsbürgermeister in Löderburg und war bei der Kommunalwahl auf Platz 3 der Wählerstimmen gelandet. „Ich würde das Ehrenamt des Ortsbürgermeisters in Betracht ziehen“, sagt Hempel der Volksstimme. Allerdings muss der Ortschaftsrat den neuen Ortsbürgermeister wählen.

Möglicherweise kandidieren andere Mitglieder. Zum Beispiel hatte sich Elvira Bartsch (Die Linke) im Juli schon als Ortsbürgermeisterin zur Wahl gestellt, die die zweitmeisten Stimmen von den Wählern bekommen hatte. Die Neuwahl muss in einer Sitzung im Januar durchgeführt werden.

Wie geht es weiter in Neundorf?

In Neundorf könnte Stefan Riemann (parteilos) als jetziger stellvertretender Ortsbürgermeister für den Ortsbürgermeister kandidieren. In Frage käme aber auch Frank Rögner (SPD), der die meisten Stimmen nach Klaus Maaß von den Wählern bekommen hatte.

Riemann und Rögner wollen sich dazu erst einmal nicht aus dem Fenster lehnen: „Wir vertrauen dem Ortschaftsrat absolut, was die Entscheidung zu einem neuen Ortsbürgermeister anbelangt“, teilt Rögner mit. In Neundorf muss ebenfalls im Januar ein neuer Ortsbürgermeister gewählt werden.