Förderstedt l Tiefer und zum Teil breiter soll er sein - Die hydraulische Leistungsfähigkeit des Marbegrabens von Glöthe über Förderstedt bis zur Mündung in die Bode bei Lust muss verbessert werden. Das sagen Experten, die zum ersten Mal ein neues Gutachten zur Grabensituation und zur auftretenden Vernässung in einigen Orten erstellt haben. Zwei größere Maßnahmeschwerpunkte sind dabei gesetzt. Das Sohlgefälle des Marbegrabens muss auf der kompletten Länge von 14 Kilometern angepasst und so gestaltet werden, dass eine Abflussfunktion gegeben ist. An einigen Stellen müsste das Gewässer zudem verbreitert werden. Wichtig sei auch, dass der Abfluss in die Bode zwischen Athensleben und Lust gewährt ist. Hier treten aktuell Probleme auf, weil das Höhenniveau des Grabens es nicht zulässt, dass das Wasser in den größeren Fluss geht. Zudem schlagen die Ingenieure vor, dass sämtliche Bauwerke – Brücken und Durchlässe – entlang des Marbegrabens überprüft werden. Dabei müsse ausgeschlossen werden, dass aufgrund ihrer Größe oder ihrer Lage Durchlassprobleme entstünden. Hier, so die Experten, müsse man Anpassungen vornehmen, etwa Vergrößerungen von Durchlässen, ihre Anpassung an ein durchgängiges Sohlniveau oder ihren kompletten Rückbau, wenn sie nicht genutzt werden. Die Verbesserung der Fließgeschwindigkeit. Der Sohlgraben leite nicht nur Oberflächenwasser ab, sondern werde auch vom Grundwasser gespeist, so Expertin Christin Heber vom Büro Steinbacher Consult , das die Stadt mit dem Gutachten beauftragt hat. „Wenn der Graben nicht abfließt, dann staut sich das Wasser, das drückt auch in den Grundwasserleiter zurück und so entstehen die Vernässungen.“ Karten Modelle am Computer zeigen, wo die gefährdeten Bereiche in den Orten und in der Feldflur liegen.

Ergebnisse aus früheren Untersuchungen genutz

Die Experten haben für das Gutachten frühere Erhebungen zum Grundwasser und zum Oberflächenwasser, die bereits fertig für den Raum Förderstedt vorlagen, zusammengeführt und mithilfe von eigenen aktuellen Untersuchungen Beziehungen hergestellt. Dafür haben sie ein fünfjähriges Regenereignis zur Grundlage genommen. Das, so Christin Heber, entspreche den Rekordniederschlägen des Jahres 2010. Weil sich dabei auch der Abfluss in die Bode als Problemstelle eröffnet habe, hätten die Ingenieure ihn in ihre Betrachtungen mit einbezogen. Auch das Land, dass die aktuellen Untersuchungen über Fördermittel zu 100 Prozent trägt, und der Landkreis als Wasseraufsichtsbehörde hätten anerkannt, dass es nur eine Gesamtbetrachtung geben kann – und daraus nur eine Gesamtlösung resultiere.

Hier beginnen allerdings Probleme: Der Marbegraben ist lang und durchzieht Feuchtgebiete und geschützte Areale. Alle Veränderungen haben einen Einfluss auf die gesamte Grundwassersituation. Katja Ganow aus dem Planerteam erklärt, dass es sich bei den vorgeschlagenen Maßnahmen um die Maximalvariante handele. Die Vorplanung ist abgeschlossen. Jetzt gehe es mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung in die nächste Leistungsphase. Hier hätte vor allem der Naturschutz ein gewichtiges Wort mitzureden. Dazu habe die Wasseraufsicht im Kreis weitere Untersuchungen gefordert. Zu klären gelte es zum Beispiel, ob ein Landespflegerischer Begleitplan erstellt werden müsse und welche Naturauflagen einen Ausgleich fordern. Schließlich müssen die Experten sogar Vergleiche aufstellen, und ins Verhältnis setzen ob es nur die Maximalvariante geben kann, was passiere, wenn gar nichts gemacht werde oder wie der Mittelweg aussehen könnte.

Das alles kostet Zeit. „Wir wollen den Behörden innerhalb der Entwurfsplanung genehmigungsfähige Unterlagen einreichen. Deshalb nehmen wir die Hinweise ernst“, so Christin Heber. Ein strafferes Verfahren ist so allerdings kaum möglich. Die Behörden haben zudem angezeigt, dass die notwendige Ertüchtigung komplett erfolgen muss. „Eine wasserrechtliche Genehmigung wird nur für die Gesamtmaßnahme gegeben“, sagt Christin Heuer. Damit ist zum Beispiel auch der vorzeitige Bau von Drainagen in Glöthe als ausgekoppelter Komplex vom Tisch. Das allerdings findet im Förderstedter Ortschaftsrat ein geteiltes Echo. „Der Naturschutz ist meiner Ansicht nach in einigen Bereichen überzogen“, sagt Ortsbürgermeister Peter Rotter. Der Mensch sei auch Natur. Es sei nicht hinzunehmen, dass massive Beeinträchtigungen und Beschädigungen an Gebäuden einfach abgetan werden. Peter Rotter befürchtet in Anbetracht der noch zu untersuchenden Gegenstände, dass noch gut zehn Jahre ins Land ziehen, bis etwas passiert. Günter Döbbel und Sven Schneider weisen auf die Teiche hin, die früher als Stauraum dienten: Nicht alles Wasser landete damit sofort im Graben. Sie sollten, bisher nicht geschehen, in die Betrachtung einbezogen werden. Hans-Jürgen Lärz fordert, auch das Grabensystem auf den Feldern zu betrachten. Dazu sagen die Planer, dass neben den unmittelbaren Arbeiten am Graben auch dezentrale Maßnahmen gehören. Etwa Gespräche mit Landwirten zur Bewirtschaftung von Flächen rund um den Marbegraben. Johann Hauser erklärt, dass es gut sei, dass endlich ein Gesamtkonzept vorliege. Nach zehn Jahren. „Das zeigt, in welchen Zeitdimensionen wir hier zu denken haben.“

Keine kurzfristigen Maßnahmen

Eine Absage erteilten die Planer Ideen, dass man kurzfristig durch Unterhaltungsmaßnahmen und Vertiefungen Effekte erreiche. „Die Leistungsfähigkeit des Grabens insgesamt ist nicht gegeben und das soll sich ändern“, so Christin Heuer. „Wir müssen etwas schaffen, das nicht in fünf Jahren wieder so aussieht wie jetzt und das vom zuständigen Verband auch unterhaltbar ist.“