Brumby l „Für mich war Sabine immer das Urgestein. Immer herzlich und immer hatte sie Geschichten über Brumby parat. Das wird mir fehlen. Die Verbindung unserer Kita zum Ort Brumby und der Kirchengemeinde bestand durch Sabine“, sagt Anja Hänsch über die scheidende Kollegin.

Am Freitag haben die Kita-Leiterin und sieben Kolleginnen mit viel Einfallsreichtum im kleinen Kreis die Verabschiedung von Sabine Brüche gefeiert. Die Erzieherin, die auch ursprünglich aus Brumby stammt, war ganze 40 Jahre lang durchgängig in der Einrichtung tätig. Von zuhause zu den „Teichspatzen“ brauchte sie nur 200 Schritte.

4,3 Millionen Schritte Arbeitsweg

Das sind übrigens 4,3 Millionen Schritte in 40 Jahren als Arbeitsweg und zurück nach Hause. Diese kleine Berechnung war eine von vielen Überraschungen, die die Kolleginnen für den Freitag heimlich vorbereitet hatten. Die Erzieherinnen holten Sabine Brüche daher von zuhause im Rollstuhl ab, weil sie ja nun schon so viel gelaufen war. In der Kita verabschiedeten sich auch Eltern von dem „Urgestein“, mit viel Emotionen und Abschiedstränen. Zumindest die Eltern der 17 Kinder, die gerade in der Notbetreuung sind.

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Tränen der Rührung begleiteten Sabine Brüche, ihr Team und manche Kinder den ganzen Tag über. „Ich habe heute viel geweint“, sagt sie selbst im Gespräch. „Es ging schon heute früh los, als mir eine Mutti schrieb, die damals mein erstes Kind in der Krippe war.“ Mehrere enge Freundschaften seien über die Jahre zu ehemaligen Kindern entstanden. Und als Sabine Brüche am Freitagmorgen zuhause aus dem Fenster schaute, sei ein großer Regenbogen über der Kita zu sehen gewesen.

Altersteilzeit, Enkel... Reisen?

Genau genommen tritt Sabine Brüche heute die zweite Phase ihrer Altersteilzeit an. Dazu gehörten bei der 62-Jährigen 20 Monate Arbeiten, gefolgt von 20 Monaten zuhause. Für die Freizeit warten auf sie jetzt vor allem die zwei der vier Enkelkinder, die noch klein sind und die Oma gern besuchen. Das Reisen bleibt für sie vorerst ein Wunsch.

Alles begann mit der Ausbildung an der „Pädagogischen Schule für Kindergärtner“ in Magdeburg 1974 bis 1977, gefolgt von kurzen Phase in der Kita des Fernsehgerätewerks Staßfurt und in Calbe.

„Ich hab‘ dich lieb“ hörte Sabine Brüche oft in den 40 Jahren. Oder „Dich will ich später mal heiraten.“ Auch wenn die Erzieherarbeit anstrengend sein kann: „Man bekommt so viel zurück von den Kindern. Liebe, Zuneigung, Vertrauen“, sagt sie. Eine Besonderheit war für sie auch die enge Verbundenheit mit dem Ort und dass sie Erzieherin von vielen Eltern späterer Kita-Kinder war. So habe sie manche Charakterzüge wiedererkennen können.

Ergreifende Solidarität

Ergreifend war für sie auch die Zeit kurz nach der Wende: „Es gab damals ganz wenig Kinder und es wurde abgefragt, wo Personal reduziert werden kann. Dabei erklärten sich alle Erzieherinnen solidarisch und gingen mit ihren Stunden runter, damit niemand gekündigt werden musste.“ Das Erzieherinnen-Team „mit super Kollegen“ habe auch später immer zusammengehalten.

In der Kita „Teichspatzen“ sind heute 49 Kinder angemeldet, davon 16 in der Krippe. Das Team besteht aus acht Erzieherinnen inklusive Leiterin. Die Einrichtung ist von der Kapazität her gut ausgelastet und wird vor allem von Kindern aus Brumby besucht. Bis ins Jahr 2022 gibt es bereits viele Neuanmeldungen.