Schönebeck/Aschersleben/Calbe/Staßfurt l Die Täter müssen sich richtig schlau gemacht haben, bevor sie am Wochenende über das Dach in einen Supermarkt in der Schönebecker Stadionstraße einbrachen und einen Geldautomaten aufbrachen. Die Polizei gab den Gesamtschaden gestern mit rund 100.000 Euro an.

Der Einbruch war am Montagmorgen festgestellt worden. Der oder die Täter hatten sich Zugang über das Dach und die Zwischendecke verschafft und anschließend den Geldautomaten gewaltsam geöffnet. Eine detaillierte Schadensaufstellung lag gestern noch nicht vor.

Teil einer Kette

Im Zuge der umfangreichen Spurensicherung kam es zu Einschränkungen im Publikumsverkehr, erklärte Polizeisprecher Marko Kopitz. Die Polizei sucht Hinweise zur Tat, zu vermeintlichen Tätern oder Fahrzeugen. Wer etwas weiß, kann sich unter Telefon (03471) 3790.

Der Schönebecker Vorfall ist Teil einer ganzen Kette von Vorfällen ähnlicher Art in den letzten Wochen im Salzland. Durchaus fachmännisches Vorgehen, Logistik und Aufwand dürften dafür sprechen, dass hier organisierte Banden unterwegs sind. Am Heiligen Abend 2019 gegen 3.30 Uhr hatten Unbekannte versucht, einen Geldautomaten in Calbe durch Einleiten von Gas zu sprengen. Der Automat wurde erheblich beschädigt. Beute machten die Kriminellen nicht.

Am 6. Dezember 2019 hatten Einbrecher in einer Bankfiliale am Markt in Aschersleben an Geld in einem Automaten zu kommen. Spuren vor Ort ließen den Schluss zu, dass die Täter geplant hatten, den Automaten zu sprengen. Durch entsprechende Sicherheitseinrichtungen sei das verhindert worden, hatte die Polizei festgestellt. Die Diebe richteten erheblichen Schaden an, mussten aber ohne Beute abziehen. Sie hatten die Geldkassette nicht aus dem Automaten herausbekommen.

Straftäter gehen hohes Risiko ein

Der Geldautomat der Postbank in Staßfurt war in der Nacht zu 23. Oktober 2019 zerstört worden. Auch hier gingen die Täter am Ende leer aus. Sie gelangten nicht an Geld.

Mit einem Gasgemisch, das sie in den Automaten geleitet hatten, lösten sie aber eine Explosion aus. Es entstanden laut Polizei Sachschäden in Höhe von 22.000 Euro. Aufnahmen aus der Videoüberwachung und eine ausgesetzte Belohnung führten hier bisher noch zu keinem Erfolg, die Straftäter zu fassen.

Attacken auf Geld-, Fahrkarten- und Zigarettenautomaten haben sich in den letzten Monaten gehäuft. Während deutschlandweit die Zahl von gesprengten Geldautomaten zurück gingen, nahmen die Taten in Sachsen-Anhalt weiter zu.

Straftäter gehen dabei ein hohes Risiko ein. Die Sprengkraft des Gasgemisches samt der herumfliegenden Teile kann tödliche Wirkungen haben. Erst im Herbst 2018 bezahlte ein 19-Jähriger eine solche Sprengung am S-Bahnhof in Halle mit seinem Leben. Er hatte mit Komplizen die Detonation mit einer Sprayflasche vorbereitet und war dabei ums Leben gekommen.

Farbpatronen eingebaut

In Calbe war die Detonation so heftig, dass noch im Umfeld von fünf Metern Splitter gefunden wurden.

Die Bahn hat fast alle der 160 Ticketautomaten im Land mit Farbpatronen ausgerüstet. Die blaue Tinte macht das Geld unbrauchbar, es haftet auch an der Kleidung und den Händen. Es schreckt Täter nicht immer ab. Besonders ärgerlich sei es für die Bahn und ihre Kunden, dass ein zerstörter Automat lange außer Betrieb ist und dessen Reparatur bis zu 30.000 Euro kostet.