Staßfurt/Schönebeck l Wie ist das so mit dem Gefühl? Es verleitet ja manchmal und führt in die Irre. Aber mal ernsthaft: Wer mit offenen Augen über die Straßen im Salzlandkreis fährt, sieht sie immer wieder aufblinken, die schwarzen Zahlen auf weißem Grund; die Nummernschilder der umherfahrenden Fahrzeuge. SBK heißt es da, SFT, aber auch ASL oder BBG. Und immer weniger SLK.

Stimmt das? Ja, der Trend ist eindeutig bei den Altkreiskennzeichen. Wurde Ende 2012 noch bei 46,7 Prozent der kreisweit angemeldeten Fahrzeuge der Ruf nach einem Altkennzeichen laut, stieg er mit den Jahren auf 50,7 Prozent (2013), 53,6 Prozent (2015) und 57 Prozent (2017). Ab Mitte 2017 führen die Zulassungsstellen keine Zahlen mehr darüber. Über die Hälfte aller angemeldeten Fahrzeuge ist aber mit einem Altkennzeichen versehen und es werden immer mehr.

Wie sehen das eigentlich die Salzländer? Warum greifen sie zum Altkennzeichen und was bedeutet ihnen ihre Heimat, der Salzlandkreis? Die Volksstimme hat sich umgehört.

Pudelwohl in Schönebeck fühlt sich Christian Horn (34), der noch nie SLK am Auto führte. „Ganz einfach aus Nostalgie und natürlich meiner Ortsverbundenheit zu Schönebeck. Ich bin hier groß geworden, die SBK-Nummernschilder haben meine Kindheit begleitet und ich fand es toll, dass Schönebeck früher Landkreis und Kreisstadt war. Da hatte man zumindest alle Ämter hier. Den Zusammenschluss zum Salzlandkreis fand ich daher nicht so prickelnd“, sagt er.

Salzlandkreis ist nie zusammengewachsen

Ähnlich sieht es sein Schwager André Horn (34), der ebenfalls in Schönebeck wohnt. „Ich wollte, als ich mein Auto angemeldet habe, SBK am Auto haben. Das war aber leider schon vergeben als mein Jahrgang, also fahre ich mit SLK herum. Ich hätte aber SBK bevorzugt, da ich Schönebecker bin und nicht aus irgendeinem Kleckernest komme, da wollte ich ein Zeichen setzen.“

Immer wieder ist es die Heimatverbundenheit, die zum Ausdruck gebracht werden soll. Der 2007 eingeführte Salzlandkreis wird als künstliches Gebilde wahrgenommen, das noch immer kaum identitätsstiftend ist. Solche Stimmen werden auch im Altkreis Staßfurt laut. „Ich fahre mit SLK herum, meine Frau mit SFT. Das machen wir aber, weil die Nummer hinten gleich ist. Mir persönlich ist das Kennzeichen egal. Ich verstehe es aber, wenn die Menschen mit Altkreiskennzeichen herumfahren, um zu zeigen, dass sie stolze Staßfurter sind“, sagt Dirk Schambier (44) aus Staßfurt. „Ich habe das selbst oft gehört, dass der Salzlandkreis nie zusammengewachsen ist. Ich sehe das genauso. Ich fahre eine halbe Stunde nach Schönebeck, habe dorthin oder auch nach Bernburg keine Berührungspunkte. Mich zieht es da nicht hin.“

Umgekehrt gilt das genauso. „Selbstverständlich habe ich als stolzer Schönebecker das SBK an unseren Autos sowie an meinem Motorrad. Für mich ist es ganz klar ein Zeichen der Heimatverbundenheit, da ich meine Stadt einfach liebe, mit all ihren Stärken und Schwächen“, erzählt Christian Jakobs (34) aus Schönebeck. „Die Kreisgebietsreform wurde von mir als Schönebecker nicht unbedingt positiv aufgenommen, da unsere Stadt selbst einen eigenen Landkreis hatte und der Status ‚Kreisstadt‘ dann auch wegfiel. Zwar ist die Vermarktung des Salzlandkreises wahrscheinlich einfacher, weil einige Städte und Gemeinden als Gesamtheit auftreten, aber für die Bürger ist es meiner Meinung nach eher ein Nachteil als ein Vorteil geworden“, sagt er.

Verbundenheit zur Heimat und zum Verein

Jakobs hebt aber auch hervor, dass die Salzländer eine stolz geschwellte Brust haben sollten. „Nichtsdestotrotz können wir aber trotzdem eine gewisse Portion Salzland-Stolz in uns tragen, denn der Kreis bietet durch die Vielfalt einiges an Attraktivität“, sagt er. „Sofern es möglich ist, werde ich aber immer SBK an meinen Fahrzeugen tragen.“

Lukas Bönecke ist in Staßfurt geboren, in Westeregeln aufgewachsen und wohnt heute in Egeln. Auch für den 24-Jährigen war es eine bewusste Entscheidung, SFT statt SLK zu tragen. „Ja, ich habe das damals mit 18 bewusst gewählt, weil ich hier geboren bin und mit den anderen Kennzeichen so nichts anfangen konnte und ich ja beim HV Rot-Weiss Staßfurt gespielt habe und ich somit auch die damals noch vorhandene Verbundenheit zum Ausdruck bringen wollte und jeder sehen sollte, dass ich Staßfurter bin“, sagt er. „Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich mittlerweile keine Verbundenheit zur ganzen Region habe und ich mich auch eher hier unwohl fühle.“ Er plant nach Magdeburg zu ziehen.

Stolzer Schönebecker ist Danny Schmolke (27), der in der Elbestadt eine Dienstleistungsservice-Firma führt. „Ja klar. Da war schon immer so eine Art Verbundheit mit dem SBK-Kennzeichen, dehalb hab ich auch dieses gewählt. Ich bin mehr als stolz ein Schönebecker zu sein und auch ein Teil davon mit der Firma.“

Den größten prozentualen Anstieg der Altkennzeichen gab es dabei in Staßfurt, wenn gleich der Altkreis absolut am Ende liegt. Hatten Ende 2013 noch 2088 Staßfurter ein Altkennzeichen angemeldet, waren es Ende 2016 2596. In Schönebeck stieg die absolute Zahl im gleichen Zeitraum von 3616 auf 3954.