Staßfurt l Premieren sind manchmal schwierig. Weil sie im Inneren eine große Unbekannte als Bürde mit sich herumtragen. Was ist das eigentlich? Warum sollte ich da hin? Diese Fragen mussten auch auftauchen, wenn darüber nachgedacht wurde, dem EU-Familientag am Sonntag auf dem Benneckeschen Hof einen Besuch abzustatten.

Und nachdem der Vormittag schleppend verlief, kamen am sonnigen Nachmittag zahlreiche Staßfurter trotz Muttertag auf das Gelände, um sich an verschiedenen Ständen zu einzelnen EU-Staaten zu informieren, einfach nur zu schmausen oder dem Programm auf der Bühne zu lauschen. Geboten wurde allerhand an zwei Dutzend Ständen. „Für den Anfang war das Interesse gut“, sagte Burkhard Nimmich, Vorsitzender vom Aktionsbündnis Tag der Regionen Salzlandkreis, das den EU-Familientag auf die Beine stellte. „Es soll eine Tradition daraus werden. Wir würden uns über eine zweite Auflage freuen.“

Das Motto, das über allem stand, war: Die völkerverbindende Idee EU zu präsentieren. Auch in Anbetracht der Europawahlen am 26. Mai. Dazu gab es auf dem Benneckeschen Hof auch eine Podiumsdiskussion. Hier prallten zwei Welten aufeinander. Jene, die die Idee EU leidenschaftlich unterstützen. Und jene, die die EU strikt ablehnen. „Die EU ist natürlich ein Friedensprojekt. Das bedeutet, frei reisen zu können. Dass die Stärkeren den Schwächeren helfen“, sagte Europaabgeordneter Sven Schulze (CDU). „Es läuft nicht alles gut in der EU. Aber die EU zu verlassen, bringt viel mehr Nachteile als Vorteile.“

Hitzige Diskussionen

Dem widersprach Landtagsabgeordneter Matthias Büttner (AfD). „Ich stelle das Friedensprojekt in Frage. Wir bauen zum Beispiel mit Russland einen riesigen Gegner künstlich auf.“ Ähnlich argumentierte Hartmut Wiest (UWG Salzland). „Dass die EU ein Friedensprojekt ist, stimmt nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die EU zu einem Wirtschaftskriegsobjekt.“

„Von Europa sollte nie wieder Gefahr ausgehen. Diese Lehre hat die EU verwirklicht“, meinte Klaus Magenheimer (Linke). „Völker sollten nicht gegeneinander aufgehetzt werden, wir sollten solidarischer sein und Europa nicht zerreden.“ In dieses Horn stieß auch Michael Hauschild (SPD). „Ich war beruflich in vielen Ländern, mir hat das viel gegeben, ich habe viel gelernt. Europa gehört zusammen.“

Einig waren sich alle: Der EU-Familientag war gelungen. „Allerdings sollte man die politische Programmatik herauslassen“, so Wiest. „Die Parteien, die einen Stand haben, sind pro Europa. Alle anderen sind nicht da. Auch das ist ein Statement“, meinte Sven Schulze dazu. „Ich komme gern wieder.“