Brumby/Eickendorf/Zens l „Das ist eine total tolle Sache", erklärt Kevin Ritter von der Feuerwehr Bördeland über Hilfe beim Einsatz. „Bauern aus Zens und Umgebung haben sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen, um uns Kameraden bei Ackerbränden zu unterstützen. Sie kommen mitten in der Nacht mit ihren Gerätschaften und Wasser zu Hilfe, schlagen sich die Nächte um die Ohren und tragen alle Personal- und Spritkosten selbst."

2.45 Uhr Eickendorf

Der Einsatzleiter war mit 61 Kameraden aus Biere, Groß und Klein Mühlingen und Eickendorf in der Nacht zu Mittwoch im Einsatz. Gegen 2.45 Uhr war ein Brand von zwei Strohdiemen mit mindestens je 200 Strohballen auf einem Acker zwischen Eickendorf und Förderstedt gemeldet worden. Der Schaden wird auf 20 000 Euro geschätzt.

Boudewijn Tomkens und Kollegen von der Landboden Mühlingen GmbH aus Zens, der die WhatsApp-Gruppe mit weiteren Bauern aus der Gegend gegründet hatte, kamen den Kameraden in Eickendorf in der Nacht mit Pflug und einem Traktor mit 20 000 Liter Wasser zu Hilfe. Die LPG Bördeland war ebenfalls sofort mit 30 000 Liter Wasser vor Ort. Boudewijn Tomkens bedankt sich bei den Kollegen: „Durch schnelles Handeln von Kameraden und Landwirten konnte Schlimmeres verhindert werden."

„Die zwei Strohdiemen standen im Vollbrand", berichtet Einsatzleiter Kevin Ritter. „Das Feuer war auf Bäume und Stoppelfeld übergangen. Wir konnten eine größere Ausbreitung verhindern. Strohballen an sich sind kaum löschbar." Die Brandwache hatten dann Mitarbeiter der Landwirte übernommen, während die Haufen kontrolliert abbrannten. Am Nachmittag trafen sich Ackerbesitzer und Kameraden nochmal, um das brennende Stroh auseinanderzuziehen. Rauch zog zu dem Zeitpunkt wegen des starken Windes in Richtung Eickendorf.

Schwierige Art von Brand

Solche Situationen sind eine besondere Herausforderung: „Heu- oder Strohhaufen brennen nach innen. Um an den eigentlichen Brandherd heranzukommen, kann man diese nur auseinanderziehen", sagt Experte Guido Schulz, Sachgebietsleiter Abwehrender Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst beim Salzlandkreis. „Das Löschen solcher Strohballen erfordert einen hohen logistischen Aufwand und da das Stroh meist sowieso nicht mehr zu retten ist, lässt man es meist kontrolliert abbrennen und/oder man zieht es auseinander und löscht es dann. Das ist nur bei einer offenen Fläche ohne Gefahr für Gebäude möglich."

Gerüchte in Eickendorf, die Polizei habe zwei Verdächtige auf der Flucht festgenommen, stimmen übrigens nicht. „Wir haben vor Ort Hinweise der Kameraden auf zwei Radfahrer am Brandort bekommen, die wir dann kontrollierten", erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz. „Sie hatten aber nichts mit dem Brand zu tun. Einer der Radfahrer wurde in Gewahrsam genommen, aber weil er wegen einer völlig anderen Sache gesucht wurde."

Für die Mitglieder der WhatsApp-Gruppe war Eickendorf der zweite Einsatz in der Nacht. Auch bei Brumby hatte sich am Abend zuvor um die zwei Hektar Stoppelfeld an der Landstraße 63 zwischen Autohof und A14-Abfahrt entzündet. Die Rauchwolken waren von der Autobahn aus zu sehen.

Einsatz bei Brumby

Hier war man knapp einem Unglück entgangen. Eine Strohpresse hatte während den Feldarbeiten Feuer gefangen. Die Flammen sprangen auf einen Traktor über.  „Es geht ihm gut", sagt Boudewijn Tomkens von der Landboden Mühlingen GmbH über den Fahrer des Traktors, der dieses Mal zu seiner eigenen Firma gehörte. Die hatte im Auftrag der Agrargenossenschaft Calbe das übrige Stroh von deren Acker geholt.

„Ich bin gegen 20 Uhr hingefahren", berichtet der Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Calbe, Steffen Gerber. „Der Traktor stand im Vollbrand, das Feuer hatte sich auf das Feld ausgebreitet." Wieder hatten die Landwirte gemeinsam mit Pflug und Wasser die Kameraden unterstützt. Dieses Mal waren die Feuerwehren Staßfurt, Calbe und Brumby mit 57 Kameraden und 11 Fahrzeugen im Einsatz.

Die Polizei geht in Brumby von einem technischen Defekt als Ursache aus. „Wenn ich wüsste, wie der Brand entstanden ist, wäre ich Techniker und nicht Landwirt", kann Boudewijn Tomkens nur sagen. Der Schaden an den Fahrzeugen beträgt rund 350 000 Euro.

Das Stroh, das weiterverarbeitet werden sollte, ist vernichtet. „Der Boden aber regeneriert sich schnell und ist wieder nutzbar", sagt Steffen Gerber über die nächste Aussaat.

Gefühlt einen Feldbrand pro Tag gibt es aktuell im Salzlandkreis. „Sobald es einige Tage heiß und trocken ist", so Guido Schulz, führten Trockenheit, Wärme im Boden, die schnelle Entzündbarkeit von Stroh und Heu, aber auch Zigaretten oder Hitzestau in Erntegeräten zur Entzündung der Äcker.